
Iran droht mit Abbruch der Friedensgespräche nach israelischem Luftangriff auf Beirut
Chefunterhändler Qalibaf erklärte, es sei „sinnlos“, weiter mit Washington zu verhandeln, solange dieses seine Zusagen im Libanon nicht einhalte – ein Rückschlag für das von Trump angekündigte Abkommen.
Nach einem israelischen Luftangriff auf den südlichen Beiruter Vorort Dahieh, einer Hochburg der Hisbollah, hat der Iran mit dem Abbruch der laufenden Friedensgespräche mit den Vereinigten Staaten gedroht. Mohammad Baqer Qalibaf, Parlamentspräsident und Chefunterhändler Teherans, schrieb auf der Plattform X, die „Aggression der Zionisten“ habe einmal mehr gezeigt, dass Washington „entweder den Willen oder die Fähigkeit“ vermissen lasse, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Sollten die USA ihre Zusagen nicht einhalten, sei es „sinnlos, über eine Fortsetzung dieses Weges zu sprechen“. Bei dem Angriff, der nach libanesischen Angaben mindestens drei Tote und 15 Verletzte forderte, wurden mehrere präzisionsgelenkte Raketen auf ein Wohngebäude abgefeuert.
Die Drohung stellt eine schwere Belastung für die noch vor wenigen Tagen von US-Präsident Donald Trump als unmittelbar bevorstehend bezeichnete Einigung dar. Trump hatte erklärt, noch am Sonntag – seinem 80. Geburtstag – könne ein Abkommen unterzeichnet werden, das den monatelangen Krieg beenden und die blockierte Straße von Hormuz wieder öffnen würde. Aus iranischen Regierungskreisen hieß es jedoch bereits zuvor, die Führung in Teheran habe dem Text nicht zugestimmt, und eine Unterzeichnung zu Trumps Zeitplan sei unrealistisch. Der nun eskalierte Konflikt in Beirut untergräbt zentrale iranische Forderungen: Teheran besteht darauf, dass ein Friedensschluss einen Stopp der israelischen Bombardierungen gegen die Hisbollah sowie den Abzug aus dem Südlibanon umfassen müsse.
Aus Washingtoner Sicht galt die angestrebte Vereinbarung als möglicher außenpolitischer Triumph, der auch die von Iran unterstützten Huthi-Angriffe auf Handelsschiffe eindämmen sollte. Die israelische Militäraktion, die nach offiziellen Angaben irangestützten Zielen galt, wirft jedoch Fragen nach der Koordination mit den USA auf. Beobachter in europäischen Hauptstädten verfolgen die Entwicklung mit Sorge, da ein Scheitern der Gespräche die Spannungen im Nahen Osten verschärfen und die Stabilität der globalen Energierouten gefährden würde. Insbesondere Deutschland und die Schweiz, die sich traditionell als Vermittler anbieten, sehen ihre Bemühungen um Deeskalation durchkreuzt.
Die Zukunft des Abkommens ist ungewiss. Qalibafs Warnung verdeutlicht die Kluft zwischen der amerikanischen Erwartung einer raschen Lösung und der iranischen Konditionalität, die den libanesischen Schauplatz nicht vom Verhandlungstisch trennt. Ohne ein Ende der israelischen Luftschläge und ein klares Bekenntnis Washingtons zu seinen Zusicherungen dürfte Teheran kaum zu Zugeständnissen bereit sein. Der Vorfall zeigt, wie fragil die Bemühungen um eine umfassende Friedenslösung bleiben, solange die militärische Dynamik vor Ort die diplomatischen Kanäle überschattet.
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