
Der Mann mit dem goldenen Ohr: Zum Tod des Musikmoguls Clive Davis
Clive Davis, der als Anwalt begann und zum Entdecker von Whitney Houston, Bruce Springsteen und Janis Joplin wurde, prägte über sechs Jahrzehnte den Klang der Popmusik – nun ist er mit 94 Jahren in New York gestorben.
Es war der Sommer 1967, das Monterey International Pop Festival, und der junge Anwalt, der gerade zum Präsidenten von Columbia Records aufgestiegen war, erlebte eine Erschütterung, die er später in seiner Autobiografie so beschrieb: „Mein Rückgrat kribbelte, meine Arme vibrierten.“ Auf der Bühne stand Janis Joplin, deren Stimme zwischen Schrei und Flüstern den Körper der Sängerin ebenso zu durchströmen schien wie die Menge. Clive Davis, damals 35, hatte bis zu diesem Abend kaum ein Gespür für die aufziehende Rock-Revolution; er war ein Harvard-Jurist, der bei der Plattenfirma Verträge prüfte. Doch was er in Monterey sah und hörte, veränderte nicht nur seine eigene Laufbahn, sondern legte den Grundstein für eine der folgenreichsten Karrieren der Musikindustrie.
Am Montag, dem 22. Juni 2026, ist Clive Davis im Alter von 94 Jahren in seiner Wohnung in Manhattan gestorben, nachdem er wenige Wochen zuvor wegen einer Atemwegsinfektion im Krankenhaus behandelt worden war. Die Nachricht löste weltweit Reaktionen aus, von den US-Netzwerken NBC und CBS über die spanischsprachige Presse Lateinamerikas bis zu den arabischen und asiatischen Medien. Davis hatte keine Instrumente gespielt und keine Lieder geschrieben, doch sein Name steht für die Entdeckung und Formung eines künstlerischen Kanons, der von Janis Joplin über Bruce Springsteen, Billy Joel, Santana und Aretha Franklin bis zu Whitney Houston und Alicia Keys reicht. Er führte Columbia Records, gründete Arista und J Records und blieb bis zuletzt als Chief Creative Officer von Sony Music Entertainment aktiv – ein sechzigjähriger Bogen, der die Pop-, Rock- und R&B-Geschichte durchzieht.
Was Davis auszeichnete, war weniger ein technisches Musikverständnis als ein instinktives Gespür für das, was er selbst „die drei Beine eines Hits“ nannte: den Song, die Darbietung und die Produktion. Diese Formel, überliefert von einem langjährigen Weggefährten, erklärt die Spannweite seines Wirkens. Er war es, der 1983 die neunzehnjährige Whitney Houston unter Vertrag nahm und ihre Karriere mit fast zwei Jahren Suche nach den richtigen Produzenten und Liedern vorbereitete. Als es um die Single „I Will Always Love You“ ging, bestand Davis gegen den Widerstand des Produzenten David Foster auf einer vierzigsekündigen A-cappella-Einleitung – eine Entscheidung, die den Song zu einem der meistverkauften der Geschichte machte. Ähnlich intervenierte er bei Carlos Santanas Album „Supernatural“ (1999), das dem Gitarristen neun Grammys einbrachte, und überzeugte Rod Stewart, sich dem „Great American Songbook“ zuzuwenden, was dessen Karriere neu belebte.
Die Resonanz auf seinen Tod zeigt, wie tief Davis in das kulturelle Gedächtnis eingedrungen ist. Bruce Springsteen, den er 1972 als unbekannten 22-Jährigen unter Vertrag nahm, schrieb auf Instagram, Davis habe ihn „mit demselben Respekt und derselben Freundlichkeit behandelt wie nach all meinem Erfolg“. Patti Smith dankte ihm für „ein halbes Jahrhundert Liebe und Unterstützung“. In der deutschsprachigen Berichterstattung würdigten Zeitungen wie der Tages-Anzeiger und Bild den „Entdecker von Whitney Houston“ und den „Mann mit dem goldenen Ohr“. Das Grammy Museum in Los Angeles, dessen Theater seinen Namen trägt, bezeichnete seinen Tod als „erschütternd“; sein Präsident Michael Sticka sagte der Los Angeles Times, eine Karriere wie die von Davis sei heute kaum noch vorstellbar, da Künstler inzwischen über soziale Medien entdeckt würden, bevor Plattenfirmen sie überhaupt wahrnähmen.
Ein Bild, das bleibt, ist jener Moment der Stille, bevor Whitney Houstons Stimme einsetzt – vierzig Sekunden, in denen nichts zu hören ist außer der Abwesenheit von Instrumenten, ein Vakuum, das Davis gegen alle Konventionen durchsetzte. Es war, als habe er gewusst, dass die wahre Kraft eines Liedes manchmal in dem liegt, was man weglässt. In dieser Leerstelle, die er der Welt zumutete, steckt die Essenz eines Mannes, der nie auf der Bühne stand, aber den Klang von Generationen prägte.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Musikindustrie trauert um einen Giganten, der den populären Sound über fünfzig Jahre lang geformt hat. Clive Davis, der Manager mit dem goldenen Ohr, starb im Alter von 94 Jahren nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt. Sein Vermächtnis als Architekt von Karrieren von Whitney Houston bis Bruce Springsteen wird als bleibender kultureller Abdruck gefeiert.
Musikmanager Clive Davis ist im Alter von 94 Jahren gestorben, wie Berichte melden. Er war mit Atemwegsproblemen im Krankenhaus. Die kurze Meldung erinnert an seine Zeit bei Columbia Records und seine Offenheit für verschiedene Genres.
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