
Kawhi Leonard kehrt nach Toronto zurück: Die Raptors wagen erneut den großen Wurf
Der 35-jährige Forward wechselt von den LA Clippers nach Kanada, während die Kalifornier mit Brandon Ingram und mehreren Draft-Picks einen personellen und finanziellen Neustart einleiten.
Am Dienstagabend, pünktlich zum Beginn der NBA-Free-Agency-Verhandlungen, vollzogen die Los Angeles Clippers und die Toronto Raptors einen der spektakulärsten Transfers der jüngeren Ligageschichte: Kawhi Leonard, zweifacher Finals-MVP, kehrt im Tausch für Brandon Ingram, Gradey Dick, zwei Erstrundenpicks (2031, 2033), einen Pick-Tausch (2027) sowie zwei Zweitrundenpicks nach Toronto zurück. Der 35-Jährige, dessen Vertrag in der kommenden Saison noch 50,3 Millionen Dollar garantiert, signalisierte umgehend seine Bereitschaft, eine zweijährige Verlängerung über 126,1 Millionen Dollar zu unterzeichnen und seine Laufbahn in Kanada zu beenden.
Leonard blickt auf eine statistisch herausragende Spielzeit zurück: Mit 27,9 Punkten, 6,3 Rebounds und 3,6 Assists pro Partie führte er die Clippers an, wurde ins All-NBA Second Team gewählt und belegte Platz sieben im MVP-Voting. Dennoch verpasste Los Angeles mit einer Bilanz von 40:42 die Playoffs und scheiterte im Play-In-Turnier an Golden State. Es war das letzte Kapitel einer siebenjährigen Ära, die 2019 mit großen Ambitionen begann, nachdem Leonard die Raptors zu ihrem einzigen Titel geführt hatte und als Finals-MVP nach Los Angeles gewechselt war. Nun schließt sich der Kreis: Toronto setzt erneut auf den Spieler, der 2019 mit einem legendären Buzzer Beater gegen Philadelphia den Grundstein für die Meisterschaft legte.
Aus Sicht der Clippers bedeutet der Transfer eine Zäsur. Das Franchise um Besitzer Steve Ballmer befreit sich von den chronischen Verletzungssorgen Leonards, der in sieben Jahren nur zweimal mehr als 60 Spiele absolvierte und die gesamte Saison 2021/22 wegen eines Kreuzbandrisses verpasste. Gleichzeitig gewinnen die Kalifornier mit Ingram einen All-Star-Forward, mit Dick einen entwicklungsfähigen Rollenspieler und vor allem finanzielle Flexibilität. Hinzu kommt ein möglicherweise entscheidender Nebeneffekt: Die NBA untersucht seit Monaten, ob die Clippers mit einem 28-Millionen-Dollar-Werbevertrag Leonards mit dem insolventen Unternehmen Aspiration die Gehaltsobergrenze umgangen haben. Der Abgang des Stars könnte das Verfahren entschärfen.
In Toronto hingegen überwiegt die Vorfreude auf eine erneute Zusammenarbeit. Leonard soll an der Seite des aufstrebenden Scottie Barnes die Raptors in der Eastern Conference wieder zu einem ernsthaften Herausforderer machen. Die Verpflichtung erinnert an das Jahr 2018, als Toronto den damals ebenfalls mit nur einem Jahr Restvertrag ausgestatteten Leonard von den San Antonio Spurs holte und dafür DeMar DeRozan opferte. Der erhoffte Blitzschlag gelang. Ob sich die Geschichte wiederholt, hängt maßgeblich von Leonards Gesundheit ab – und davon, ob die Raptors das empfindliche Belastungsmanagement erneut perfektionieren können.
Für die NBA-Landschaft bedeutet der Deal eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Während die Clippers einen personellen und finanziellen Neuanfang einleiten, positionieren sich die Raptors als unberechenbarer Faktor im Osten. Die kommende Saison wird zeigen, ob der zweite Anlauf mit Leonard ähnlich erfolgreich verläuft wie der erste – oder ob die Last der Vergangenheit zu schwer wiegt.
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Kawhi Leonards Rückkehr nach Toronto wird von den laufenden Ermittlungen zu den Finanzpraktiken der Clippers überschattet. Der Tausch ermöglicht es dem Star, das Team zu verlassen, bevor die Liga enthüllt, ob sein Werbevertrag zur Umgehung der Gehaltsobergrenze genutzt wurde. Der Schritt gilt als pragmatisch für beide Seiten, doch Skepsis gegenüber den Motiven der Clippers bleibt.
Die Clippers sind endlich das Problem Kawhi Leonard losgeworden und haben seine unberechenbare Verfügbarkeit sowie die drohende Gehaltsobergrenzen-Untersuchung abgeschüttelt. Im Gegenzug erhalten sie einen jungen All-Star, Rollenspieler und eine Fülle von Draft-Picks, was der Franchise eine stabilere Zukunft ermöglicht. Der Schritt wird als pragmatischer Triumph gefeiert, der ein Kapitel unerfüllter Erwartungen beendet.
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