
Ölpreise erholen sich leicht nach Tiefstständen – Gespräche über Hormus-Straße machen Fortschritte
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und Fortschritte in den US-iranischen Verhandlungen lassen die Risikoprämie schwinden und drücken die Preise auf Mehrmonatstiefs.
Am Freitag notierten die Rohölpreise kaum verändert, nachdem sie im Wochenverlauf auf den tiefsten Stand seit Beginn des Krieges zwischen den USA und Israel gegen Iran Ende Februar gefallen waren. Brent zur September-Lieferung kostete an der ICE in London 72,10 US-Dollar je Barrel, West Texas Intermediate (WTI) 68,83 Dollar. Die US-Märkte blieben wegen des Unabhängigkeitstags geschlossen, was die Handelsaktivität dämpfte. Zuvor hatte Brent am Donnerstag mit 70,80 Dollar den niedrigsten Stand seit vier Monaten erreicht.
Auslöser der Abwärtsbewegung sind die schrittweise Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran in Doha. Katar meldete „positive Fortschritte“ bei der Umsetzung des Memorandums, das im Juni die Kampfhandlungen beendet hatte. Die Meerenge, über die vor dem Konflikt ein Fünftel der globalen Öllieferungen lief, ist für Tanker wieder passierbar. Kuwait steigerte seine Förderung im Juni sprunghaft von 580.000 auf 1,65 Millionen Barrel pro Tag, und mindestens fünf Supertanker mit zusammen zehn Millionen Barrel saudischen Öls verließen die Straße von Hormus. Saudi Aramco setzt auf Spot-Verkäufe, um asiatische Kunden rasch zu beliefern.
Die veränderte Angebotslage spiegelt sich in der Terminstruktur wider: Der Frontmonatskontrakt für Brent notiert seit dem 24. Juni unter dem Folgemonat, der Sechsmonats-Spread drehte am Donnerstag ebenfalls in den Contango. Analysten von Citigroup erwarten, dass das Memorandum in ein vollständiges Abkommen mündet, und sehen Brent bis Ende 2026 bei 60 Dollar je Barrel. UBS senkte ihre Prognosen für das dritte Quartal um 25 Dollar, rechnet aber mit Aufwärtsrisiken, da die Zahl der in den Persischen Golf einlaufenden Tanker hinter den auslaufenden zurückbleibt. Aus Washingtoner Sicht sprach Präsident Trump von einer weitgehenden Einigung mit Teheran.
Das nächste Treffen der Unterhändler ist für die Zeit nach den Trauerfeierlichkeiten für Irans Obersten Führer am 9. Juli angesetzt. Zudem berät die OPEC+ an diesem Sonntag über eine mögliche weitere Ausweitung der Fördermengen ab August. Beide Termine dürften die kurzfristige Preisentwicklung maßgeblich beeinflussen.
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