
Millionen bei Trauerzug für Khamenei – Nachfolger bleibt abwesend
Die iranische Führung inszeniert die Beisetzung des getöteten Revolutionsführers als Machtdemonstration, während Rufe nach Vergeltung laut werden und der neue oberste Führer Mojtaba Khamenei weiterhin nicht öffentlich erscheint.
In Teheran hat am Montag der zentrale Trauerzug für den Ende Februar bei einem amerikanisch-israelischen Luftschlag getöteten iranischen Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei begonnen. Nach Angaben der staatlichen iranischen Rundfunkanstalt IRIB säumten Millionen Menschen die rund zehn Kilometer lange Route vom Imam-Hussein-Platz zum Azadi-Platz. Der Sarg Khameneis sowie die Särge von vier mit ihm ums Leben gekommenen Familienmitgliedern wurden auf einer offenen Lastwagenplattform durch die Hauptstadt gefahren. Die Behörden hatten den Luftraum über Teheran gesperrt und den Tag zum Feiertag erklärt. Die Prozession ist Teil einer sechstägigen Trauerzeremonie, die am Samstag begonnen hatte und am Donnerstag mit der Beisetzung in Maschhad enden soll.
Aus Sicht der Führung in Teheran dient die Massenmobilisierung als Demonstration von Widerstandskraft und nationaler Geschlossenheit nach dem viermonatigen Krieg gegen die USA und Israel. Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, würdigte die Teilnehmer als Ausdruck der Einheit der „stolzen und unbesiegbaren islamischen Nation“. In der Menge wurden neben iranischen Flaggen auch rote Banner als Symbol der Vergeltung geschwenkt. Laut übereinstimmenden Berichten westlicher und regionaler Nachrichtenagenturen skandierten Trauernde „Tod den USA“ und „Tod Israel“ und hielten Plakate mit Aufschriften wie „Tötet Trump“ hoch. Ein Bildnis des amerikanischen Präsidenten wurde an einer Brücke aufgehängt. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim sprach von der größten öffentlichen Versammlung in der modernen Geschichte des Landes.
Washingtoner Regierungskreise und israelische Offizielle reagierten mit Drohungen und Skepsis auf die Inszenierung. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Khamenei sei getötet worden, weil er ein Programm zur Vernichtung Israels angeführt habe, und jeder künftige iranische Führer, der ähnliche Pläne verfolge, werde ebenfalls getötet. Präsident Trump äußerte in einem Interview mit Axios, die USA hätten die versammelte Führung „mit einem Schuss“ ausschalten können, verzichteten aber darauf, um Verhandlungspartner zu behalten. Aus Teheraner Sicht hingegen wird die Trauerfeier als Signal der Stärke an äußere und innere Gegner verstanden. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat schrieb auf X, die „tosende See von Menschen“ rufe nach Widerstand gegen die Feinde und Vergeltung für das Blut des „Märtyrer-Führers“.
Die Abwesenheit des neuen obersten Führers Mojtaba Khamenei, der das Amt nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte, wirft Fragen über den Zustand der iranischen Führung auf. Während drei seiner Brüder am Sonntag am Sarg beteten, blieb Mojtaba Khamenei den Zeremonien fern. Iranische Stellen begründeten dies mit Sicherheitsbedenken; westliche Geheimdienstquellen und regionale Analysten verweisen auf schwere Verletzungen, die er bei demselben Angriff erlitten haben soll. Die Trauerfeierlichkeiten finden vor dem Hintergrund eines brüchigen Waffenstillstands und laufender indirekter Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über ein dauerhaftes Kriegsende, das iranische Atomprogramm und die Öffnung der Straße von Hormus statt. Die Gespräche wurden nach Angaben beider Seiten für die Dauer der Begräbniszeremonien ausgesetzt. Die Prozession soll am Dienstag in der Pilgerstadt Ghom fortgesetzt werden, bevor der Leichnam am Mittwoch in die irakischen Heiligtümer Nadschaf und Kerbela überführt wird. Die Beisetzung ist für Donnerstag im Imam-Reza-Schrein in Maschhad vorgesehen.
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Das revolutionäre Iran feiert seinen Märtyrer: Das Volk schart sich um den gefallenen Führer und zeigt, dass die Revolution lebt.
Die Wiederholung des Begriffs 'Märtyrer' und die Betonung der Massenbeteiligung schaffen eine Gleichsetzung zwischen der Legitimität des Regimes und der Zuneigung des Volkes, wodurch ein Trauerereignis in eine Bekräftigung der Macht verwandelt wird.
Ausgelassen wird die Tatsache, dass der Nachfolger, Mojtaba Khamenei, nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten ist und dass der Krieg die iranische Führung dezimiert hat.
Der Westen beobachtet mit Skepsis: Die Inszenierung verbirgt nicht die Nachfolgekrise und die Dezimierung der Führung.
Es stellt die offizielle Erzählung von Einheit dem Beweis der Abwesenheit des Nachfolgers gegenüber und schafft einen Kontrast, der die Glaubwürdigkeit des Regimes untergräbt.
Ausgelassen wird die Tatsache, dass die Menge tatsächlich riesig war und viele Iraner spontan teilnahmen, nicht nur auf Befehl des Regimes.
China beobachtet mit pragmatischer Distanz: Iran versucht, Stabilität zu projizieren, aber die Nachfolge bleibt ungewiss.
Es wird ein neutraler und sachlicher Ton angenommen, der sowohl die Massenbeteiligung als auch den unbekannten Nachfolger berichtet, ohne Wertung, im Einklang mit einer Nichteinmischungshaltung.
Ausgelassen werden der detaillierte Kriegskontext und die Kritik an der iranischen Führung, um die bilateralen Beziehungen nicht zu gefährden.
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