
WMO warnt vor raschem Erstarken: El Niño erreicht im Sommer Stufe drei von vier
Die Weltorganisation für Meteorologie erwartet zwischen Juli und September einen starken El Niño mit Anomalien der Meeresoberflächentemperatur von mehr als 2°C – und damit eine Zunahme extremer Wetterereignisse.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat am Freitag in Genf ihre monatliche Klimaprognose vorgelegt und warnt darin vor einer raschen Intensivierung des bereits bestehenden El Niño. Das natürliche Klimaphänomen, das die Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik erwärmt, werde sich zwischen Juli und September zu einem starken Ereignis der Stufe drei auf einer vierstufigen Skala entwickeln. Die saisonalen Mittelwerte der Meeresoberflächentemperatur dürften in den wichtigsten Überwachungsregionen um mehr als 2°C über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Die Modelle der führenden globalen Klimazentren zeigten eine bemerkenswerte Übereinstimmung, was der Prognose eine hohe Verlässlichkeit verleihe, so die WMO.
Parallel dazu meldete der Copernicus-Klimadienst der EU, dass die globale Meeresoberflächentemperatur – außerhalb der Polargebiete – am 21. Juni mit 20,86°C einen neuen Rekord für diesen Zeitraum erreicht hat und damit die bisherigen Höchstwerte aus den Jahren 2023 und 2024 übertrifft. Diese Erwärmung vollzieht sich in der Frühphase des El Niño, der nach Einschätzung der US-Klimabehörde NOAA mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent sogar die höchste Intensitätsstufe erreichen könnte. Die WMO betont, dass der Klimawandel zwar nicht die Häufigkeit oder Stärke von El-Niño-Ereignissen erhöht, deren Auswirkungen jedoch verstärkt, weil wärmere Ozeane und eine wärmere Atmosphäre mehr Energie und Feuchtigkeit für Extremwetter bereitstellen.
Die prognostizierten Niederschlagsmuster folgen dem klassischen El-Niño-Signal: Für den indischen Subkontinent, weite Teile Australiens, das tropische Afrika südlich der Sahelzone, Mittelamerika, die Karibik und den Nordwesten Südamerikas wird mit unterdurchschnittlichen Regenfällen gerechnet. Überdurchschnittliche Niederschläge werden dagegen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik, in Teilen des Golfs von Guinea sowie im Südwesten der USA erwartet. Für Europa zeichnet sich ein Nord-Süd-Kontrast ab: Im Süden steigt die Wahrscheinlichkeit feuchterer Bedingungen, während der Norden eher trocken bleiben dürfte – allerdings ist die Prognosegüte hier noch gering. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz bedeutet dies vorerst keine belastbare regionale Einordnung.
Die WMO hat nach eigenen Angaben ein koordiniertes globales Frühwarnsystem aktiviert, um Regierungen, humanitäre Organisationen und klimasensible Sektoren wie Landwirtschaft und Gesundheit mit verbesserten saisonalen Vorhersagen zu unterstützen. Generalsekretärin Celeste Saulo erklärte, der sich verstärkende El Niño werde die Wahrscheinlichkeit von Dürren, Starkregen sowie Hitze- und Meereswellen in vielen Weltregionen erhöhen. Der letzte starke El Niño hatte 2023 und 2024 zu den beiden wärmsten Jahren seit Aufzeichnungsbeginn gemacht, wobei die globale Mitteltemperatur 2024 etwa 1,55°C über dem vorindustriellen Niveau lag.
Der Höhepunkt des aktuellen Ereignisses wird üblicherweise zwischen November und Februar erreicht, die daraus resultierende globale Temperaturspitze tritt jedoch erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten ein. Die nächste Aktualisierung der saisonalen Klimaprognose der WMO wird zeigen, ob sich die Intensität weiter in Richtung der höchsten Kategorie verschiebt und wie sich die regionalen Niederschlagssignale verfestigen.
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Die globale Meeresoberflächentemperatur hat im Juni einen neuen Rekord erreicht und die bisherigen Höchstwerte von 2023 und 2024 übertroffen, so der europäische Klimadienst Copernicus. Die frühe Phase von El Niño schürt die Sorge vor weiteren Hitzewellen und Störungen der globalen Wettermuster und Meeresökosysteme.
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