
EU verschärft Stahlschutz drastisch – Volkswagen erwägt Abbau von 100.000 Stellen
Während die EU-Kommission heute die Einfuhrzölle auf Stahl auf 50 Prozent anhebt und die Importquote fast halbiert, bereitet der Volkswagen-Konzern die Schließung von vier deutschen Werken und den größten Stellenabbau seiner Geschichte vor.
Mit dem heutigen Tag treten die von der EU-Kommission beschlossenen Schutzmaßnahmen für die europäische Stahlindustrie in Kraft. Der Zollsatz für Lieferungen, die das festgelegte Kontingent überschreiten, verdoppelt sich von 25 auf 50 Prozent. Gleichzeitig wird die zollfrei einfuhrmenge um 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich gesenkt. Begleitet werden die Maßnahmen von neuen Ursprungsnachweisen, die eine Umgehung über Drittstaaten verhindern sollen. Fast zeitgleich verdichten sich die Anzeichen, dass der Volkswagen-Konzern den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von vier deutschen Werken – Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm – plant.
Hinter beiden Entwicklungen steht der wachsende Druck aus China. Nach Daten der OECD hat die globale Stahlüberkapazität 2025 die Marke von 620 Millionen Tonnen erreicht und könnte bis 2028 auf 745 Millionen Tonnen steigen. China allein produziert mit mehr als einer Milliarde Tonnen rund die Hälfte des weltweiten Stahls, während europäische Anlagen nur zu 67 Prozent ausgelastet sind. In der Automobilindustrie zeigt sich ein ähnliches Muster: Der chinesische Inlandsabsatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen brach in den ersten fünf Monaten des Jahres um 18 Prozent ein. Die Beratungsgesellschaft AlixPartners prognostiziert für das Gesamtjahr einen Rückgang der Inlandslieferungen um 27,7 Prozent auf 14,6 Millionen Fahrzeuge. Die Überkapazitäten drängen chinesische Hersteller wie BYD, Nio und Xpeng auf die Exportmärkte. Wie die schwedische Zeitung Dagens Industri berichtet, bauen sie trotz der EU-Strafzölle auf Elektroautos ihre Marktanteile in Europa aus; BYD errichtet zudem ein Werk in Ungarn, um die Zölle zu umgehen.
In Brüssel begründet die Kommission die Stahlzölle mit der Sicherung der strategischen Autonomie und dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Stahlverarbeitende Industrien warnen jedoch, dass die Verteuerung von Stahl die Produktionskosten in der Automobil- und Maschinenbauindustrie weiter erhöhen wird. In Deutschland entfaltet die VW-Krise politische Sprengkraft. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte und entsendet zwei Vertreter in den Aufsichtsrat. Zwischen den Standorten im Osten und Westen ist ein Verteilungskampf entbrannt: Während das Audi-Werk in Neckarsulm um das Modell Q4 bangt, fürchtet das sächsische Zwickau um seine letzte verbliebene Produktion. Die AfD warnt vor einer Deindustrialisierung mit „verheerenden Folgen“. Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri bezeichnet den Umbau als schmerzhaft, aber unausweichlich, da europäische Hersteller bei Software und Batterien im Rückstand seien.
Die nächste Wegmarke ist die Aufsichtsratssitzung von Volkswagen am 9. Juli, auf der das Zukunftskonzept beschlossen werden soll. Die Stahlzölle gelten ab sofort; ihre Wirkung auf die Einfuhrströme und die Preise in der europäischen Industrie wird in den kommenden Monaten genau beobachtet werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Europa errichtet einen 50-Prozent-Zollwall gegen eine zweite China-Welle, während Volkswagen vor dem Abbau von 100.000 Stellen steht. Der perfekte Sturm aus unfairer Konkurrenz und Automobilkrise trifft das industrielle Herz des Kontinents. Trotz nachlassender Inflation fürchten die Regierungen ein beispielloses Job-Blutbad.
Chinas Autoexporte sind auf Kurs, bis 2026 die 10-Millionen-Marke zu überschreiten, unbeeindruckt von europäischen Zöllen. Das unaufhaltsame Wachstum des Sektors zeigt die globale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Marken. EU-Zölle gelten als vorübergehendes Hindernis, das die Expansion nicht stoppen wird.
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