
Ebola-Ausbruch im Kongo weitet sich auf neue Provinzen aus – UNDP warnt vor Milliardenschäden
Gesundheitsbehörden verfolgen Kontaktpersonen in zwei bislang nicht betroffenen Provinzen, während die Vereinten Nationen die wirtschaftlichen Folgen für Afrika auf bis zu 3,6 Milliarden Dollar beziffern.
Der seit Mitte Mai im Osten der Demokratischen Republik Kongo wütende Ebola-Ausbruch hat erstmals auf zwei weitere Provinzen übergegriffen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums und einer hochrangigen Gesundheitsquelle wurden in Tshopo und Haut-Uele Personen identifiziert, die potenziell dem Virus ausgesetzt waren. In Tshopo verfolgen Einsatzkräfte Kontakte einer verstorbenen Schwangeren, deren Leichnam über rund 300 Kilometer von Ituri nach Kisangani transportiert worden war, bevor eine postume Probe positiv getestet wurde. In Haut-Uele, das an den Südsudan und die Zentralafrikanische Republik grenzt, waren zwei unter Quarantäne stehende Kontaktpersonen aus Niania geflohen; eine von ihnen wurde inzwischen positiv getestet. Die Behörden leiten beide Personen nach Niania zurück und haben mit der Nachverfolgung möglicher Kontakte in Haut-Uele begonnen.
Bei dem Erreger handelt es sich um den seltenen Bundibugyo-Stamm, für den weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie existiert. Die Letalität liegt nach offiziellen Angaben zwischen 30 und 50 Prozent. Bis zum 28. Juni verzeichnete das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit 1.307 bestätigte Fälle und 377 Todesfälle, was den Ausbruch bereits zum drittschwersten der Geschichte macht. Die Kontaktnachverfolgung erreicht derzeit 87,3 Prozent. Außerhalb des Kongo wurden in Uganda 20 Infektionen bestätigt, darunter 15 importierte Fälle und zwei Todesopfer; Frankreich meldete einen positiven Befund bei einem aus dem Einsatz zurückgekehrten Arzt.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) beziffert die potenziellen gesamtwirtschaftlichen Verluste für Afrika auf bis zu 3,6 Milliarden US-Dollar. Selbst in einem Basisszenario, das von einer Eindämmung im Kongo und in Uganda ausgeht, droht demnach ein realer BIP-Verlust von über einer Milliarde Dollar allein im Kongo sowie der Wegfall von rund 55.000 Arbeitsplätzen. Grenzüberschreitende Handelsstörungen könnten das afrikanische BIP um weitere 2,37 Milliarden Dollar schrumpfen lassen. Das UNDP warnt, dass die ärmsten 20 Prozent der Haushalte einen täglichen Konsumrückgang erleiden, der langjährige Entwicklungserfolge zunichtemachen und eine langanhaltende Armutskrise auslösen könnte.
Die kongolesische Regierung hat einen mit 319 Millionen Dollar dotierten nationalen Reaktionsplan aufgelegt und in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu, Süd-Kivu sowie in der Hauptstadt Kinshasa Massenversammlungen untersagt. Die Opposition wertet das Verbot als Vorwand, um eine für den 8. Juli geplante Protestkundgebung gegen eine mögliche dritte Amtszeit von Präsident Félix Tshisekedi zu unterbinden. International haben die Africa CDC, die WHO und Uganda eine gemeinsame Incident-Management-Plattform (IMST) in Kampala gestartet, um die grenzüberschreitende Koordination zu bündeln. Das Vereinigte Königreich stellte bis zu 21 Millionen Pfund für die Bekämpfung bereit und entsandte Spezialisten in die Region. In Schottland wird derzeit ein Reiserückkehrer mit Verdacht auf Ebola getestet; eine Bestätigung steht aus.
Parallel zum Ebola-Geschehen hat die WHO im sudanesischen West-Kordofan einen Cholera-Ausbruch mit 838 Verdachtsfällen und 117 Todesfällen registriert. Der bewaffnete Konflikt zwischen Armee und Rapid Support Forces erschwert dort den Zugang zu medizinischer Versorgung und die Lieferung von Hilfsgütern erheblich. Das Welternährungsprogramm warnt, dass die Lebensmittelvorräte für die Notoperationen im Sudan bis September aufgebraucht sein werden und kurzfristig 646 Millionen Dollar benötigt werden, um die Versorgung in den kommenden sechs Monaten aufrechtzuerhalten.
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In Schottland wird ein Patient nach einer Reise aus einem betroffenen Gebiet auf Ebola getestet, was Befürchtungen weckt, das Virus könnte britischen Boden erreichen. Gesundheitsbehörden betonen, dass es keine bestätigten Fälle gibt, aber strenge Protokolle gelten. Der Vorfall unterstreicht die globale Reichweite des Ausbruchs im Kongo, der inzwischen der drittschwerste aller Zeiten ist.
Die Vereinten Nationen warnen, dass der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo Afrika bis zu 3,6 Milliarden Dollar kosten und Hunderttausende Arbeitsplätze vernichten könnte, was eine Entwicklungskatastrophe droht. Mit über 1.300 Infektionen und 377 Todesfällen stellt der Bundibugyo-Stamm ein ernstes wirtschaftliches Risiko dar. Ohne dringende Finanzierung könnte die Krise weitere 985.000 Menschen in die Armut treiben.
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