
Das leise Gurgeln hinter der Leinwand: Wie ein 750.000-Dollar-Film Hollywoods Regeln bricht
Während ein millionenschwerer Superheldenfilm enttäuscht, wird ein psychologischer Horrorfilm zum globalen Phänomen – und verwirrt nun mit einer ungekürzten Fassung.
In der ungekürzten Fassung von „Obsession“, die seit Dienstag auf Apple TV abrufbar ist, soll eine Szene zu sehen sein, die es nicht durch die amerikanische Altersfreigabe schaffte: Nikki, die vor Eifersucht rasende Protagonistin, zertrümmert das Gesicht einer Rivalin. Die Schauspielerin Megan Lawless bestätigte, dass in der ursprünglichen Version mehr Schläge zu hören waren und ein leises Gurgeln darauf hindeutete, dass das Opfer noch lebte. Doch wer die nun als „unrated“ angebotene Fassung aufruft, stellt fest: Die Laufzeit ist identisch, die Zahl der Schläge unverändert. Ein kurioses Detail, das die Verwirrung um einen Film spiegelt, der ohnehin alle Erwartungen unterläuft.
Dabei begann alles mit einer Wunschspielzeugdose. Der Musikladenangestellte Bear wünscht sich, dass seine Kollegin Nikki ihn mehr liebt als jeden anderen. Was als romantische Komödie anhebt, kippt in einen Albtraum aus krankhafter Besessenheit. Der 26-jährige Regisseur Curry Barker, bislang bekannt für YouTube-Sketche und einen Found-Footage-Kurzfilm, drehte „Obsession“ für 750.000 Dollar. Nach seiner Premiere auf dem Toronto International Film Festival erwarb Focus Features den Film für 15 Millionen Dollar. Seit dem Kinostart am 15. Mai spielte er weltweit über 371 Millionen Dollar ein – mehr als das Vierhundertfache seines Budgets.
Der Erfolg fällt in eine Zeit, in der die Kräfteverhältnisse an den Kinokassen neu vermessen werden. Am selben Wochenende, an dem „Obsession“ in der siebten Woche noch 9,8 Millionen Dollar in Nordamerika einspielte, startete die mit 878 Millionen Dollar produzierte DC-Verfilmung „Supergirl“ weltweit mit 62,6 Millionen Dollar – ein Ergebnis, das das Branchenblatt Variety als enttäuschend wertete. In Italien landete der Superheldenfilm mit 630.000 Euro auf Platz zwei hinter „Toy Story 5“, wie Il Giornale notierte. Aus Washingtoner Sicht mag dies als weiteres Indiz für die Ermüdung des Publikums an aufwendigen Comic-Adaptionen gelten, während kleine, konzeptstarke Produktionen von der Sehnsucht nach unverbrauchten Erzählungen profitieren.
Die Anziehungskraft von „Obsession“ speist sich aus einer klaustrophobischen Inszenierung, die fast ausschließlich in der Nacht spielt und die Welt auf wenige Figuren verengt. Die libanesische Zeitung An-Nahar beschrieb den Film als „albtraumhaften, langen Korridor, aus dem man jeden Moment aufwachen möchte“. Barker selbst, so das Blatt, inszeniere mit einer Selbstgewissheit, die wie ein Schutzschild gegen das Scheitern wirke. Dass der Regisseur das Ende in letzter Minute änderte und die Figur der Nikki entgegen dem Drehbuch überleben ließ, öffnet die Tür für eine Fortsetzung – und hält die Figur in einem Zustand des Traumas gefangen, der nach dem Abspann weiterwirkt.
So bleibt am Ende das Bild einer jungen Frau, die inmitten von Leichen zu sich kommt, während die reale Seele der Figur, wie in einer Telefonszene enthüllt, in einer anderen Dimension gefangen war und um Erlösung flehte. Ein leises Gurgeln, das vielleicht nie zu hören war, und ein Regisseur, der mit 26 Jahren sagt: ‚Ich bin hier‘ – nicht als lauter Emporkömmling, sondern als jemand, der sich in der Dunkelheit versteckt und doch jede Einstellung prägt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Low-Budget-Horrorfilm Obsession unter der Regie des YouTube-Schöpfers Curry Barker hat sich zu einem Kassenphänomen entwickelt und weltweit über 370 Millionen Dollar eingespielt. Er ist jetzt im Streaming verfügbar, mit einer ungeschnittenen Fassung, die ein gewalttätigeres und vollständigeres Erlebnis bietet.
Der Film Obsession, ein sarkastischer und verstörender Horror, hat ein Kassenwunder vollbracht und wirft philosophische Fragen über Wünsche und ihre Folgen auf. Der Regisseur, der von YouTube kommt, meldet sich mit diesem schwarzen Märchen zu Wort.
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