
Trump prüft umfassende Militäroptionen gegen Iran, hält vorerst an Diplomatie fest
Laut Wall Street Journal hat US-Präsident Trump mit Verteidigungsminister Hegseth und Generalstabschef Caine die Wiederaufnahme großangelegter Angriffe erörtert, sich aber für die Fortsetzung der indirekten Gespräche in Doha entschieden.
US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Tagen mit Verteidigungsminister Pete Hegseth und dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, mehrfach die Möglichkeit einer Rückkehr zu einem umfassenden Militäreinsatz gegen Iran erörtert. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Regierungsbeamte berichtet, drehten sich die Konsultationen um die Frage, ob Washington die laufenden Nuklearverhandlungen abbrechen und mit großangelegten Angriffen „die Arbeit zu Ende bringen“ solle. Trump habe sich jedoch vorerst gegen eine solche Eskalation entschieden, weil ein neuer Waffengang die diplomatischen Bemühungen gefährden und die Aussichten auf eine Demontage des iranischen Atomprogramms zunichtemachen könnte. Zugleich habe der Präsident seinen Beratern signalisiert, dass er keine Einwände gegen eine Verlängerung der Gespräche über die bisherige Frist vom 18. August hinaus habe.
Aus Washingtoner Regierungskreisen verlautet, Trump halte die Verhandlungen öffentlich für erfolgreich und sehe den Iran in der Pflicht, den amerikanischen Forderungen nachzukommen. Vizepräsident J. D. Vance betonte in einem Interview mit Fox News, die Regierung verfüge über „viele Optionen“, sollte die Diplomatie scheitern. Energieminister Chris Wright wiederum erklärte, Iran habe „bisher überhaupt nicht kooperiert“, und verwies darauf, dass allein die militärische Begleitung von Tankschiffen die globale Ölversorgung stabilisiere. Gleichzeitig richteten die USA und Iran einen direkten Kommunikationskanal zwischen dem US-Zentralkommando und den iranischen Revolutionsgarden ein, der nach Angaben des Weißen Hauses bereits genutzt wird, um eine unbeabsichtigte Eskalation zu verhindern.
Aus Teheraner Sicht stellen sich die Gespräche deutlich verhaltener dar. Iranische Offizielle erklärten, man werde nicht mit den nach Katar gereisten US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zusammentreffen; die Kontakte liefen ausschließlich über katarische Vermittler. Zudem müssten zunächst die Bedingungen des vor zwei Wochen unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens geklärt werden, bevor strittige Punkte wie Beschränkungen des Nuklearprogramms zur Sprache kämen. Ein zentraler Streitpunkt ist die Forderung Teherans, Gebühren für die Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus zu erheben – ein Ansinnen, das Washington mit dem Hinweis auf die Freiheit der Schifffahrt zurückweist. In Teheran selbst ringen nach Darstellung regionaler Beobachter moderate Kräfte um Präsident Massud Peseschkian mit Hardlinern in den Revolutionsgarden, die auf eine Machtdemonstration in der Region setzen.
Die jüngste Entwicklung fällt in eine Phase äußerster Fragilität. Erst am vergangenen Wochenende hatten wechselseitige Angriffe die mühsam ausgehandelte Waffenruhe erschüttert, die auf ein am 17. Juni unterzeichnetes Memorandum of Understanding zurückgeht. Das 14-Punkte-Papier sieht eine 60-tägige Verhandlungsphase vor, in der neben der nuklearen Frage auch die Aufhebung von Sanktionen und die Wiederherstellung der freien Schifffahrt geklärt werden sollen. Dass Trump nun trotz der militärischen Planspiele an der diplomatischen Schiene festhält, werten Beobachter in europäischen Hauptstädten als Zeichen, dass ein Scheitern der Gespräche auch für Washington mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Die indirekten Verhandlungen in Doha werden in den kommenden Tagen fortgesetzt; eine Entscheidung über eine Fristverlängerung über den 18. August hinaus steht noch aus.
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