
Anthropic lanciert KI-Forschungsumgebung Claude Science – Biotech-Aktien geraten unter Druck
Die Plattform integriert über 60 wissenschaftliche Datenbanken und Analysewerkzeuge; parallel beginnt das Unternehmen mit eigenen präklinischen Wirkstoffprogrammen und belastet damit die Kurse von Pharma- und Biotechfirmen.
Die Ankündigung von Anthropic, eine spezialisierte KI-Arbeitsumgebung für die Forschung bereitzustellen und selbst in die präklinische Wirkstoffentwicklung einzusteigen, hat am Dienstag spürbare Verwerfungen an den US-Börsen ausgelöst. Die Aktien von Schrodinger fielen um bis zu 8,3 Prozent, Recursion Pharmaceuticals gab um bis zu 3,3 Prozent nach und Iqvia Holdings verlor zeitweise 2,3 Prozent. Auslöser war die Vorstellung von Claude Science, einer Beta-Plattform, die wissenschaftliche Datenbanken, Programmierumgebungen und Rechenkapazität in einer einzigen Oberfläche bündelt.
Claude Science richtet sich an Forscher in Biologie, Genetik und Chemie und integriert mehr als 60 Fachdatenbanken sowie Werkzeuge wie PubMed, Jupyter und R. Die Umgebung kann Proteinstrukturen dreidimensional darstellen, Genombrowser-Spuren rendern und chemische Diagramme erzeugen. Jeder Arbeitsschritt wird mitsamt dem verwendeten Code, der Laufzeitumgebung und einer Erklärung in einfacher Sprache dokumentiert, sodass Ergebnisse bis zum Ursprung zurückverfolgt werden können. Die Beta-Version steht zahlenden Abonnenten der Pläne Pro, Max, Team und Enterprise zur Verfügung.
Auf einer Veranstaltung in San Francisco, an der neben Anthropic-Chef Dario Amodei auch Novartis-CEO Vas Narasimhan – zugleich Mitglied des Anthropic-Verwaltungsrats – sowie Bristol-Myers Squibb-CEO Chris Boerner teilnahmen, wurde die strategische Neuausrichtung unterstrichen. Narasimhan betonte, man müsse nun reale Ergebnisse für Patienten liefern, und äußerte die Hoffnung auf baldige angemessene Regulierung. Anthropic kündigte zudem an, eigene präklinische Programme für vernachlässigte Krankheiten aufzulegen, die außerhalb des Fokus der traditionellen Pharmaindustrie liegen.
Parallel brachte das Unternehmen mit Claude Sonnet 5 ein kostengünstigeres Modell auf den Markt, das sich in der Leistung dem Spitzenmodell Opus 4.8 annähert, jedoch eine geringere Fähigkeit zu riskanten Cybersicherheitsaufgaben aufweist. Bis Ende August gilt ein Einführungspreis von 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token, danach steigt er auf 3 Dollar. Die Doppelstrategie – hochspezialisierte Forschungswerkzeuge einerseits, preiswerte Alltagsmodelle andererseits – verdeutlicht den Wettbewerbsdruck im KI-Sektor, in dem Anthropic mit einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar auf einen Börsengang im Herbst zusteuert.
Als nächster konkreter Schritt ist die Förderung von bis zu 50 Forschungsprojekten mit je bis zu 30.000 Dollar an KI-Guthaben vorgesehen, wobei Bewerbungen bis zum 15. Juli 2026 eingereicht werden können. Die ausgewählten Projekte sollen am 31. Juli bekannt gegeben und zwischen September und Dezember 2026 durchgeführt werden. Für Marktbeobachter wird entscheidend sein, ob die angekündigten Werkzeuge in den kommenden Monaten messbare Fortschritte in der Wirkstoffforschung liefern und wie die Regulierungsbehörden auf die zunehmende Durchdringung der Pharmaforschung durch KI reagieren.
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Anthropic hat Claude Science vorgestellt, eine KI-Plattform, die Forscher bei der Optimierung wissenschaftlicher Arbeitsabläufe unterstützen soll. Das Tool integriert den Zugang zu Datenbanken und Analysesoftware und zielt darauf ab, Entdeckungen in den Lebenswissenschaften zu beschleunigen. Die Ankündigung konzentriert sich auf den praktischen Nutzen für die Wissenschaft, ohne alarmierende Töne.
Die Einführung eines günstigeren KI-Modells durch Anthropic hat Biotech-Aktien abstürzen lassen, da die Märkte auf das disruptive Potenzial künstlicher Intelligenz in der Forschung reagieren. Das neue Modell verspricht niedrigere Kosten und geringere Cybersicherheitsrisiken, doch die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen unterstreichen die Volatilität des Sektors. Die Darstellung betont sowohl die wirtschaftliche Chance als auch die durch KI-Fortschritte ausgelösten Marktturbulenzen.
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