
Zwei Sekunden vor der Katastrophe: Der Beinahe-Absturz von Luton und eine Welle von Verkehrsrisiken
Ein Untersuchungsbericht aus Großbritannien deckt einen folgenschweren Fehler beim Start eines Wizz-Air-Fluges auf; zeitgleich sorgen weitere Vorfälle in der Luft und auf der Schiene international für Aufsehen.
Ein Passagierflugzeug vom Typ Boeing 737 Max entging im April 2025 auf dem Londoner Flughafen Luton nur um zwei Sekunden einer Katastrophe. Wie die britische Flugunfallbehörde AAIB in einem jetzt veröffentlichten Bulletin mitteilt, startete die mit 168 Menschen besetzte Maschine des Fluges 5411 nach Athen mit einer um rund drei Prozentpunkte zu geringen Triebwerksleistung. Die Piloten hatten nach einer kurzfristigen Verkürzung der Startbahn die sogenannten V-Speeds nicht korrekt aktualisiert. Das Flugzeug hob erst 162 Meter vor dem Ende der Piste ab und überflog deren Schwelle in lediglich vier Metern Höhe – vorgeschrieben sind mindestens elf Meter. Die Behörde spricht von einem Verfahrensfehler der Besatzung; technische Mängel am Flugzeug wurden nicht festgestellt.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Ereignissen, die die Verwundbarkeit des modernen Massentransports vor Augen führen. In Indien starben im Juni 2025 beim Absturz eines Air-India-Dreamliners kurz nach dem Start in Ahmedabad 241 Menschen; ein einziger Überlebender saß auf Platz 11A. Wenige Wochen später wurde auf einem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen ein Passagier auf Sitz 11F teilweise aus einem geborstenen Kabinenfenster gesogen und nur durch das Eingreifen Mitreisender gerettet. Ein United-Airlines-Flug von Rom nach Newark mit 227 Passagieren musste unterdessen wegen Vibrationen und Geruchsbildung im Triebwerk in Shannon notlanden; alle Insassen blieben unverletzt.
Auch auf der Schiene kam es zu Zwischenfällen. In Mumbai erlitten Fahrgäste eines klimatisierten Nahverkehrszuges Atemnot, nachdem die Kühlung ausfiel und sich die Türen nicht öffnen ließen; ein Mann wurde bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Die indische Eisenbahn bestätigte den technischen Defekt und verwies auf Überfüllung, die den Zugang zum Notschalter erschwerte. In Bangladesch musste ein Flug von Dhaka nach Chennai trotz defekter Klimaanlage starten; ein Asthma-Patient erhielt an Bord Sauerstoff. Die Fluggesellschaft US-Bangla räumte ein, die Anlage habe nicht voll funktioniert.
Aus historischer Perspektive erinnert der Fall an die Birgenair-Katastrophe von 1996, bei der nach dominikanischen Ermittlungen eine Wespe einen Geschwindigkeitssensor blockiert haben soll – 189 Menschen starben. Die aktuellen Vorfälle unterstreichen, wie sehr die Sicherheit von kleinsten Parametern und menschlicher Sorgfalt abhängt. Die zuständigen Behörden in Großbritannien, Indien und den USA haben Untersuchungen eingeleitet; die Fluggesellschaften kündigten Anpassungen ihrer Verfahren an.
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