
Transferbeben in Teheran: Persepolis’ Defensiv-Coup und die Träume der Legionäre
Während Persepolis mit der Rückholaktion von Mehdi Zare ein Zeichen setzt, scheitert in Düsseldorf ein Millionen-Transfer am Medizincheck – und Riyad Mahrez steht vor einem emotionalen Wechsel.
Die Verpflichtung von Mehdi Zare durch den FC Persepolis ist nach langen Verhandlungen mit Achmat Grosny in trockenen Tüchern. Der 23-jährige Innenverteidiger, der in der vergangenen Saison noch für eine Ablöse von einer Million Dollar nach Russland gewechselt war, kehrt nun in die persische Golf-Pro League zurück. Aus Teheraner Sicht ist es die Korrektur einer verpassten Chance: Schon im Vorjahr hatte Trainer Mehdi Tartar auf den früheren Schützling gedrängt, doch der damalige Arbeitgeber Gol Gohar gab dem Angebot aus Grosny den Vorzug. Nun, da Tartar das Amt bei Persepolis übernommen hat, wurde die Rückholaktion zur Chefsache. Der Klub aus der Hauptstadt, der zuletzt mehrere Leistungsträger wie Ramin Rezaeian und Mehdi Torabi nicht halten konnte, setzt damit ein Signal der Stabilität – und schließt eine Lücke, die der Abgang von Morteza Pouraliganji gerissen hat.
Der Transfer ist Teil eines umfassenden Umbruchs, den Tartar mit jungen, hungrigen Spielern vorantreibt. Mit Pouriya Latififar von Gol Gohar steht ein weiterer Mittelfeldspieler vor dem Wechsel, während Routiniers wie Omid Alishah den Klub nach 13 Jahren verlassen haben. Alishah, langjähriger Kapitän, verhandelt derzeit mit Foolad Khuzestan; auch Sepahan Isfahan zeigt Interesse. Die Unruhe im Umfeld des Rekordmeisters ist jedoch nicht allein sportlicher Natur. In iranischen Medien wird seit Wochen über eine zersplitterte Führungsstruktur und den Einfluss externer Berater geklagt. Die Anhängerschaft, so der Tenor, leide unter einer Abfolge von Entscheidungen, die sich selten an fußballerischen Kriterien orientierten. Die Verpflichtung Zares gilt daher auch als Versuch, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Jenseits der iranischen Grenzen zeigt der Transfermarkt unterschiedliche Gesichter. In Düsseldorf erlebte Fortuna-Verteidiger Elias Egouli einen Schock: Sein bereits fixierter Wechsel zum Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg platzte, weil der Medizincheck nicht bestanden wurde – nach BILD-Informationen war die Ausstiegsklausel über eine Million Euro bereits schriftlich gezogen. Nun kehrt der 2,04-Meter-Hüne zu den Fortunen zurück, die den Spieler sportlich wie charakterlich schätzen und auf seine Hilfe in der 3. Liga bauen. Aus Kairoer Perspektive wiederum ist der Abschied von Mahmoud Hassan „Trezeguet“ zu Al-Riyadh in Saudi-Arabien ein Paradebeispiel für das Spannungsfeld zwischen finanzieller Vernunft und sportlicher Identität. Der ägyptische Nationalspieler, dessen Gehalt das Budget von Al Ahly sprengte, wechselt für 1,5 Millionen Dollar – ein Verlust an kämpferischer Substanz, den der Klub nun mit kühler Kalkulation zu kompensieren hofft.
Der prominenteste Name auf dem Markt aber ist Riyad Mahrez. Der algerische Kapitän, vereinslos nach Vertragsauflösung bei Al-Ahli Saudi, träumt seit Kindheitstagen von Olympique Marseille. Dass ausgerechnet jetzt Mason Greenwood den französischen Klub in Richtung Fenerbahçe verlassen soll, öffnet ein Fenster für den 34-Jährigen. Sollte sich der Wechsel realisieren, wäre es für Mahrez die Erfüllung eines persönlichen Traums – und für Marseille die Chance, einen technisch beschlagenen Routinier zu verpflichten, der mit Manchester City die Champions League gewann. Während Persepolis also auf eine verjüngte Defensive setzt, könnte Mahrez seine Karriere dort ausklingen lassen, wo für ihn alles begann: vor den Rängen des Stade Vélodrome.
| Iranische & verwandte Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.10 | neutral |
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.20 | neutral |
Der iranische Fußball leidet unter den Entscheidungen des globalen Marktes und politischen Einschränkungen, während lokale Clubs um den Erhalt ihrer Talente kämpfen.
Durch die Betonung bürokratischer Hürden und Transferbeschränkungen entsteht eine Erzählung von Opferrolle und Ungerechtigkeit.
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