
Volkswagen prüft Abbau von 100.000 Stellen – Autobranche im Krisenmodus
Während Volkswagen die Schließung von vier Werken und den größten Stellenabbau seiner Geschichte prüft, eskalieren bei Mercedes die Proteste gegen Sparpläne und die Infragestellung der 35-Stunden-Woche.
Volkswagen evaluiert einem Medienbericht zufolge den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen und die Schließung der Werke Hannover, Zwickau, Emden sowie des Audi-Standorts Neckarsulm. Der Plan, der die ursprünglich angekündigten 50.000 Stellenstreichungen verdoppelt, soll dem Aufsichtsrat am 9. Juli vorgelegt werden. Die Nachricht fällt in eine Welle von Sparprogrammen, die die deutsche Automobilindustrie erfasst hat und die allein im ersten Halbjahr branchenweit zu annähernd 128.000 angekündigten Stellenstreichungen führte.
Aus Sicht der Konzernführungen erzwingen sinkende Absatzzahlen, die wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller, US-Importzölle und hohe inländische Kostenstrukturen tiefgreifende Einschnitte. Bei Mercedes-Benz, wo der bereinigte operative Gewinn im ersten Quartal um 30 Prozent einbrach, stellte der Vorstand die 35-Stunden-Woche zur Disposition und forderte für das gleiche Entgelt eine 40-Stunden-Arbeitszeit. Zudem wurde die Streichung der jährlichen Sonderzahlung für rund 90.000 Beschäftigte sowie die Abschaffung des mobilen Arbeitens angekündigt. Das Management argumentiert, die Arbeitsstunde müsse in Entwicklung, Vertrieb und Produktion günstiger werden, um die Erträge der Produktoffensive nicht verpuffen zu lassen.
Die Reaktion der Arbeitnehmerseite fiel scharf aus. Die IG Metall mobilisierte am 3. Juli bundesweit Zehntausende Beschäftigte zu Protesten; allein in Sindelfingen versammelten sich rund 10.000 Mitarbeiter, in Baden-Württemberg insgesamt 26.500. Unter dem Ruf „Ola raus!“ forderten sie die Ablösung des Mercedes-Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali wertete die Vorstöße als „Angriff auf den Sozialstaat und die Tarifverträge“ und kritisierte, der Betriebsrat sei vorab nicht einbezogen worden. Die Bundesregierung lehnte die Pläne bei Volkswagen ebenfalls ab und betonte, ihr Ziel sei der Schutz der Arbeitsplätze. Das Land Niedersachsen, das über das VW-Gesetz 20 Prozent der Stimmrechte hält, kann Werksschließungen blockieren.
Die Auseinandersetzung besitzt eine neue Qualität, weil sie über konjunkturelle Tarifrunden hinausreicht. Die strukturellen Umwälzungen der Antriebstechnologie, der unter Druck geratene Freihandel und die Rohstoffverteuerung infolge der Nahostkrise lassen sich, so die Analyse in Vorstandsetagen, nicht mit traditionellen Instrumenten bewältigen. Die IG Metall kündigte an, die Protestwelle auf weitere Hersteller und Zulieferer auszuweiten. Der nächste entscheidende Termin ist die Aufsichtsratssitzung von Volkswagen am 9. Juli, auf der über die tiefgreifendste Restrukturierung der Konzerngeschichte befunden wird.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die deutsche Autoindustrie steckt in einer historischen Krise: Volkswagen erwägt den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen. Dies ist Teil einer breiteren Entlassungswelle bei multinationalen Konzernen, die sich in diesem Jahr auf über 430.000 summiert, ausgelöst durch sinkende Verkäufe und chinesische Konkurrenz. Die Lage wirft ernste Fragen zur Zukunft der europäischen Fertigung auf.
Das Sparprogramm von Mercedes-Benz hat Massenproteste ausgelöst, bei denen die Beschäftigten 'Ola raus' gegen den Vorstandsvorsitzenden skandieren. Die Infragestellung der 35-Stunden-Woche durch das Management gilt als unausweichliche Provokation und spiegelt die tiefe Krise der deutschen Autoindustrie wider. Der Konflikt zwischen Aktionärsgewinnen und Arbeitnehmerrechten spitzt sich zu.
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