
Verurteilter Schlepper in Großbritannien: Wie Brexit-Kontrolllücken Asylverfahren beeinträchtigen
Eine BBC-Recherche zeigt, dass ein in Frankreich verurteilter Menschenschmuggler unter falscher Identität im Vereinigten Königreich Asyl beantragt hat, während die Zahl der Kanalüberquerungen dank neuer Abkommen stark zurückgeht.
Eine Untersuchung der BBC hat aufgedeckt, dass der 2016 in Frankreich zu fünf Jahren Haft verurteilte Schlepper Twana Jamal unter einem falschen Namen in der englischen Grafschaft Leicestershire lebt und dort einen Asylantrag gestellt hat. Jamal, der von französischen Ermittlern als einer der erfolgreichsten Menschenschmuggler am Ärmelkanal bezeichnet wurde und nach Überzeugung des Gerichts bis zu 100.000 Pfund pro Woche einnahm, arbeitet nach BBC-Angaben illegal in einem Laden und fährt ohne Führerschein. Die Rechercheure fanden zudem mehr als 20 weitere aktive Schlepper, die ins Vereinigte Königreich gelangt sind – einige mit Vorstrafen aus dem Ausland, andere mit falschen Identitäten im Asylverfahren.
Nach Darstellung der britischen Einwanderungsgewerkschaft Immigration Services Union hat der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union den Zugang zu polizeilichen Datenbanken vieler EU-Staaten gekappt. Lucy Morton von der Gewerkschaft erklärte, bei einem fortbestehenden Datenaustausch mit Nachbarländern wie Frankreich, Deutschland oder Belgien wären ausländische Verurteilungen wegen Menschenschmuggels sofort erkennbar. Ein Sprecher des Londoner Innenministeriums betonte hingegen, alle Asylbewerber würden obligatorischen Sicherheitsüberprüfungen unterzogen. Die Fingerabdrücke würden jedoch nur mit britischen Polizeidatenbanken abgeglichen. Nach geltendem britischen Asylrecht müssen Anträge von Personen, die im Ausland zu mindestens zwölf Monaten Haft verurteilt wurden, in der Regel zwingend abgelehnt werden. Jamals Verfahren ist gleichwohl weiterhin anhängig. Gegenüber Reportern bestritt er jede Beteiligung am Schleusergeschäft, wies jedoch ein Foto aus dem französischen Gerichtssaal nicht zurück und prahlte mit seinem Einfluss in Leicester: „Diese Stadt gehört uns, niemand rührt uns hier an.“
Zeitgleich meldete das britische Innenministerium einen starken Rückgang der irregulären Kanalüberquerungen: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 kamen 11.884 Migranten auf diesem Weg, 41 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. London führt dies auf ein im April 2026 mit Paris geschlossenes Abkommen zurück, mit dem das Vereinigte Königreich 662 Millionen Pfund für verstärkte französische Küstenpatrouillen und Kontrollen im Hinterland bereitstellt. Ein Rückführungsmechanismus nach dem Vorbild des EU-Türkei-Abkommens hat nach offiziellen Angaben bereits knapp 1.000 Personen zurück nach Frankreich gebracht. Ergänzende Vereinbarungen mit Berlin – über die Bekämpfung von Lagerstätten für Schlepperausrüstung – und mit Bagdad zur beschleunigten Rückführung nicht aufenthaltsberechtigter Iraker sollen das Grenzregime weiter absichern. Innenministerin Shabana Mahmood brachte zudem eine Asylrechtsnovelle ins Parlament ein, die unter anderem einen temporären Schutzstatus und die Rückzahlung von Unterbringungskosten vorsieht.
Aus kontinentaleuropäischer Sicht veranschaulicht der Fall Jamal die praktischen Folgen des britischen Ausscheidens aus der EU-Sicherheitsarchitektur. Für Berlin, das im Juli 2025 ein bilaterales Abkommen mit London zur Bekämpfung von Schlepperlogistik schloss, unterstreichen die Erkenntnisse die Bedeutung grenzüberschreitenden Datenaustauschs. Die Zukunft der britischen Asylreform bleibt indes ungewiss: Mit dem erwarteten Wechsel an der Regierungsspitze von Keir Starmer zu Andy Burnham noch in diesem Monat könnte eine Kabinettsumbildung die parlamentarische Agenda neu ausrichten. Das Innenministerium kündigte eine Überprüfung des Falls Jamal an.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Brexit hat Löcher in die britische Grenzsicherheit gerissen, warnen Einwanderungsbeamte. Der EU-Austritt kappte den Zugang zu entscheidendem Datenaustausch, sodass ein verurteilter Schlepper unentdeckt leben und Asyl beantragen konnte. Der Fall zeigt, wie politische Entscheidungen das Asylsystem gefährlich exponiert haben.
Die Zahl der Migranten, die in kleinen Booten den Ärmelkanal überqueren, hat sich in diesem Jahr fast halbiert. Ein neues britisch-französisches Abkommen wird für den starken Rückgang verantwortlich gemacht und zeigt, dass bilaterale Zusammenarbeit Ergebnisse liefern kann. Die Zahlen bieten eine seltene Erfolgsgeschichte in der langen Migrationsdebatte.
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