
Hitzewelle in Europa: Über 90 Ertrunkene in Frankreich
Die anhaltende Hitze führt zu zahlreichen Badeunfällen, während in mehreren Ländern der Bahnverkehr beeinträchtigt ist und Ökonomen vor Milliardenverlusten warnen.
In Frankreich sind seit dem 19. Juni mehr als 90 Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Die französische Sportministerin Marina Ferrari sprach am Donnerstag von einer besorgniserregenden Zahl und führte die Häufung der Todesfälle unmittelbar auf die schwere Hitzewelle zurück, die weite Teile Europas erfasst hat. Nach Angaben des Ministeriums waren unter den Opfern sowohl sehr junge Kinder, die ohne Aufsicht badeten, als auch Jugendliche und junge Erwachsene, die riskante Verhaltensweisen zeigten – etwa Sprünge von Brücken oder das Schwimmen in nicht überwachten Kanälen. Eine frühere offizielle Zählung hatte seit dem 18. Juni 74 Todesfälle verzeichnet.
Auch in anderen europäischen Ländern stieg die Zahl der Ertrunkenen. Aus Polen wurden 56 Todesfälle gemeldet, aus Deutschland mindestens fünf, aus Belgien zwei und aus England neun. Diese Angaben sind nach Auskunft der jeweiligen Behörden noch vorläufig; endgültige Zahlen stehen aus. Die französische Ministerin kündigte an, die Ausbildung im Freiwasserschwimmen zu stärken und die Zertifizierung von Rettungsschwimmern landesweit zu überprüfen, da sich viele Unfälle außerhalb klassischer Schwimmbäder ereigneten.
Die Hitzewelle, die in Frankreich örtlich über 40 Grad Celsius brachte und in Großbritannien sowie der Schweiz neue Temperaturrekorde verzeichnete, beeinträchtigte zugleich die Infrastruktur. In Deutschland mussten Straßenbahn- und Zugverbindungen ausgesetzt werden, weil sich Dichtungsmaterial in den Gleisen verformte; in Brandenburg saßen 630 Fahrgäste stundenlang in einem Zug ohne Klimaanlage fest. Die belgische Bahngesellschaft SNCB strich täglich mehr als 100 Verbindungen, in Frankreich fiel rund ein Zehntel der Nahverkehrszüge im Großraum Paris aus, und in Schweden entgleiste ein Zug aufgrund hitzebedingter Gleisverformungen. Die österreichische Bahn warnte vor möglichen Gleisschäden in den kommenden Tagen.
Parallel dazu verweisen Wirtschaftsanalysen auf die wachsenden ökonomischen Kosten der extremen Temperaturen. Einer Untersuchung von Allianz Trade zufolge sinkt die Arbeitsproduktivität oberhalb von 30 Grad Celsius um etwa drei Prozent je weiterem Grad, während der Energiebedarf für Kühlung um rund 1,2 Prozent steigt. Für Deutschland beziffert die Analyse das Risiko langfristiger Wirtschaftseinbußen auf bis zu 131 Milliarden Dollar, für Frankreich auf 240 Milliarden und für Italien auf 147 Milliarden. Die Ermittlungen zu den genauen Unfallumständen der Badeopfer dauern an; die Behörden betonen, dass die endgültige Opferzahl noch steigen könnte.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Europa, lange Vorreiter der Netto-Null-Politik, wird nun direkt vom Klimawandel getroffen: Rekordhitzewellen verursachen Dutzende Ertrinkungstote und belasten die Infrastruktur. Der Kontinent wähnte sich vor extremen Wetterereignissen sicher, doch diese Krise zeigt, dass keine Region verschont bleibt. Die Ironie, dass ein grüner Vorreiter vom Klimawandel überrumpelt wird, entgeht den Beobachtern nicht.
Die Hitzewelle ist nicht nur ein westeuropäisches Problem: Von Ungarn bis zur Ukraine ächzt auch der Osten unter der Hitze, mit Stromausfällen und heftigen Stürmen. Die Hitze ist zu einem neuen wirtschaftlichen Zoll geworden, den Europa nicht wegverhandeln kann – sie bremst Krankenhäuser, Baustellen, Logistik und Landwirtschaft. Das frühe Eintreffen von Rekordtemperaturen stellt die Grenzen unserer Gesellschaften auf die Probe und legt Schwachstellen auf dem ganzen Kontinent offen.
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