
US-Regierung schränkt Freigabe neuer KI-Modelle ein – OpenAI und Anthropic betroffen
Während Washington die Veröffentlichung von GPT-5.6 und Fable 5 stoppt, treiben die Konzerne KI-Anwendungen in Medizin und Wirtschaft voran – mit ungeklärten Risiken und kostspieligen Folgen.
Die US-Regierung hat OpenAI und Anthropic veranlasst, die Freigabe ihrer neuesten KI-Modelle massiv einzuschränken. Eine Executive Order von Präsident Donald Trump verlangt, dass hochentwickelte Systeme 30 Tage vor Veröffentlichung zur Prüfung gemeldet werden. OpenAI stellte sein Spitzenmodell GPT-5.6 – mit den Varianten Sol, Terra und Luna – nur noch einem begrenzten Kreis von Partnern zur Verfügung, deren Teilnahme der Regierung gemeldet ist. Anthropic zog sein leistungsfähigstes Modell Fable 5 vollständig zurück, nachdem Washington forderte, es für ausländische Staatsbürger zu sperren.
Die Maßnahmen markieren eine neue Qualität staatlicher Eingriffe. OpenAI kritisierte, die Prüfpflicht dürfe kein Dauerzustand sein, sie beschneide den Zugang für Nutzer, Unternehmen und globale Partner. Der ehemalige KI-Berater des Weißen Hauses, Dean Ball, sprach von einem faktischen Lizenzregime, das zu übertriebener Zurückhaltung führe, den Wettlauf mit China gefährde und Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur in Frage stelle. Unklar bleiben die konkreten Sicherheitsstandards der Regierung.
Die Regulierungsoffensive fällt in eine Phase der forcierten Expansion von KI in Hochrisikobereiche. OpenAI und Anthropic drängen ins Gesundheitswesen: ChatGPT Health (GPT-5.5 Instant) senkte in internen Tests mit 260 Ärzten und über 70 000 Antworten die Fehlerquote um 71 Prozent, unabhängige Validierungen fehlen jedoch. Claude for Healthcare wird ähnlich positioniert. Fachkreise warnen vor Algorithmus-Halluzinationen, dem Fehlen klinischer Praxisstudien und Datenschutzrisiken. Gleichzeitig zwingen explodierende Token-Kosten Unternehmen wie Accenture, die Nutzung von KI-Agenten für weniger wertschöpfende Aufgaben zu unterbinden. «KI hat bereits spürbare Auswirkungen auf unsere Kostenstruktur», wurde Strategiechef Justice Kwak in einer internen Aufzeichnung zitiert.
Für die DACH-Region sind die Entwicklungen richtungsweisend, da die großen Anbieter global agieren und der europäische AI Act Hochrisiko-KI ähnlichen Prüfungen unterwirft. Die Unsicherheit über Prüfmaßstäbe und das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Innovation könnte hiesige Unternehmen und Forschungseinrichtungen gleichermaßen belasten. Als nächster Schritt steht eine Konkretisierung der amerikanischen Vorgaben an; in der Branche wird zudem mit juristischen Auseinandersetzungen und möglicher Ausweitung der Kontrolle auf weitere Modelle gerechnet.
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