
Android-Erdbebenwarnung rettet Leben in Venezuela – und wirft Datenschutzfragen auf
Das Android Earthquake Alerts System warnte über elf Millionen Menschen vor den Erdstößen, doch die Technik offenbart auch die Reichweite der Datensammlung durch Google.
Die beiden schweren Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5, die Venezuela am Mittwoch erschütterten, haben die Leistungsfähigkeit eines stillen Helfers demonstriert: des Android Earthquake Alerts System von Google. Innerhalb von 21 Sekunden nach der ersten Registrierung seismischer Wellen verschickte das System mehr als 11,4 Millionen Warnungen an Smartphones im betroffenen Gebiet. Nutzer erhielten so eine Vorwarnzeit von bis zu sechs Sekunden – genug, um Schutz zu suchen. In einem Land ohne nationales Frühwarnsystem wurde die in den Geräten schlummernde Technik zum entscheidenden Instrument.
Das System nutzt die Beschleunigungssensoren, die in über zwei Milliarden Android-Telefonen weltweit verbaut sind. Registrieren zahlreiche Geräte in einer Region gleichzeitig ein charakteristisches Vibrationsmuster, werten die Server von Google diese Daten in Echtzeit aus. Bereits drei Sekunden nach Beginn des Bebens erkannte der Algorithmus die ersten Signale, nach weiteren sechs Sekunden stand das Ereignis fest. Der 2021 gestartete Dienst ist mittlerweile in 98 Ländern aktiv, in Europa jedoch nicht freigeschaltet.
Genau hier setzt die Kritik aus europäischer Perspektive an. Italienische Datenschützer verweisen darauf, dass die kontinuierliche Übermittlung von Beschleunigungsdaten an die Server in Mountain View ein detailliertes Bewegungsprofil ganzer Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Aus den kollektiven Schwingungsmustern ließen sich, so die Befürchtung, Teilnehmerzahlen von Demonstrationen oder die Zusammensetzung von Stadtteilgemeinschaften rekonstruieren. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kommentierte, wer heimlich Nutzerdaten kontrolliere, hacke den Markt – und, so ließe sich ergänzen, die Demokratie. Die Vereinbarkeit mit der Datenschutz-Grundverordnung der EU ist ungeklärt.
Abseits der Technikdebatte zeigte die Katastrophe altbekannte Schwachstellen. Überlastete Mobilfunknetze ließen WhatsApp und Telefonate zusammenbrechen; Behörden in Argentinien und anderen Nachbarländern rieten Angehörigen, auf SMS und vorab vereinbarte Kontaktzeiten auszuweichen. Gleichzeitig warnten Sicherheitsexperten vor gefälschten Spendenaufrufen, manipulierten QR-Codes und betrügerischen Krypto-Wallets, die die Notlage ausnutzen. Für iPhone-Nutzer bleibt die Lage fragmentiert: Apple bietet über die Wetter-App regionale Warnungen an, ein vergleichbares crowdsourcing-basiertes System existiert nicht.
Die nächste Wegmarke ist regulatorischer Natur. Die europäischen Datenschutzbehörden haben noch keine Stellungnahme zur Zulässigkeit solcher Dienste abgegeben. Eine Entscheidung darüber, ob die lebensrettende Technik mit den Prinzipien der DSGVO in Einklang gebracht werden kann, steht aus.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das Android-Erdbebenwarnsystem hat in Venezuela Leben gerettet, aber die Datenschutzdebatte neu entfacht. Die Technologie macht jedes Smartphone zu einem Sensor und bietet einen lebensrettenden Dienst, der jedoch die Frage aufwirft, welche Daten Google sammelt und wie sie verwendet werden. Die Wirksamkeit ist erwiesen, der Preis für die Privatsphäre bleibt offen.
Nach den Erdbeben in Venezuela brachen die Kommunikationsnetze zusammen, und die Menschen suchten nach alternativen Wegen, um ihre Angehörigen zu erreichen. Android-Warnungen lieferten wertvolle Sekunden, aber die Notlage brachte auch Betrug und gefälschte Spendenaktionen mit sich. Praktische Anleitungen erklären, wie man Erdbebenbenachrichtigungen auf dem iPhone aktiviert und sicher spendet, ohne auf Betrug hereinzufallen.
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