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Gesellschaft & KulturSonntag, 28. Juni 2026

Pilger, Pixel und Milliarden: Wie die islamische Ökonomie die Welt neu vernetzt

Von Jakarta über Baku bis Kuala Lumpur zeichnet sich ein globaler Wirtschaftsraum ab, der Halal-Tourismus, Risikoabsicherung und IT-Stipendien zu einem Ökosystem verknüpft.

Am Abend des 26. Juni 2026, zum Auftakt der International Islamic Expo (IIE) in Jakarta, stand Masruroh, die Stabsexpertin des indonesischen Tourismusministeriums, vor rund hundert Gästen aus sechzehn Ländern und sprach von einem „Momentum, um Partnerschaften zu stärken und neue Kooperationen im muslimfreundlichen Tourismus zu eröffnen“. Im selben Saal, nur wenige Stunden zuvor, hatte Mochamad Irfan Yusuf, der Minister für Haddsch und Umra, ein anderes Wort ins Zentrum gerückt: „Würde“ – die Würde der Pilger, die künftig durch schnellere Visaverfahren und integrierte Datensysteme geschützt werden solle. Die IIE 2026, ein Forum aus Ausstellung, B2B-Treffen und Diskussionspanels, brachte an drei Tagen zusammen, was in der globalen islamischen Ökonomie derzeit Rang und Namen hat: Reiseveranstalter, Hotelketten, Investoren, Exportkreditversicherer und IT-Bildungsinitiativen.

Während in Jakarta um Verträge und Netzwerke gerungen wurde, hatte eine andere Nachricht bereits für Aufsehen gesorgt: Die indonesische Provinz West-Java war auf dem Halal In Travel Global Summit in Singapur als „Most Promising Muslim-Friendly Region of the Year“ ausgezeichnet worden. Der Preis, vergeben von Mastercard-CrescentRating auf Basis des Global Muslim Travel Index, würdigte nicht nur Gebetsräume und Halal-Zertifikate, sondern ein ganzes Geflecht aus digitaler Buchbarkeit, kulinarischer Infrastruktur und kulturellem Erbe. In derselben Index-Logik rangiert Indonesien insgesamt auf Platz zwei der muslimfreundlichsten Destinationen weltweit – ein Prädikat, das die Regierung in Jakarta nun strategisch nutzt, um aus dem Nischensegment ein Standbein der Volkswirtschaft zu machen. Der Markt ist gewaltig: 2025 zählte der GMTI 186 Millionen internationale muslimische Reisen, für 2030 werden 245 Millionen erwartet.

Parallel dazu, aber mit anderer Tonalität, arbeitet Malaysia an seiner touristischen Erneuerung. Während des Malaysia Cultural Festival in Meru Raya, Perak, erklärte Vize-Tourismusminister Chiew Choon Man, man wolle nicht nur die klassischen Quellmärkte China und Indien bedienen, sondern auch „Langstreckenmärkte wie Russland, Deutschland und Australien“ diversifizieren. Das viertägige Fest mit über hundert Aktivitäten – von Kunsthandwerk bis Kulinarik – soll, so der Ministerpräsident von Perak, Saarani Mohamad, beweisen, „wie Kultur als Katalysator für Entwicklung dienen kann, die den Menschen unmittelbar zugutekommt“. Die Zahlen geben dem Optimismus recht: 2025 verzeichnete Malaysia 42,2 Millionen internationale Ankünfte, ein Plus von 11,2 Prozent. Anders als Indonesien setzt Malaysia weniger auf das islamische Label als auf eine weltoffene, multikulturelle Erzählung – doch die Infrastruktur aus Halal-Gastronomie und Gebetsräumen gehört längst zum Standard.

Dass die neue Landkarte des islamischen Tourismus ohne finanzielle Flankierung nicht zu zeichnen wäre, zeigte sich wenige Tage zuvor in Baku. Am Rande der Jahrestagung der Islamischen Entwicklungsbank (IsDB) unterzeichnete die zur Bankengruppe gehörende Versicherungsgesellschaft ICIEC sieben Abkommen mit einem Volumen von über einer Milliarde US-Dollar. Kreditversicherungen, Exportgarantien und Investitionsabsicherungen sollen Kapital in Infrastrukturprojekte lenken, die wiederum Tourismus-, Handels- und Logistikkorridore von Zentralasien bis Afrika ermöglichen. In Baku diskutierten rund 300 Teilnehmer, wie sich regionale Integration „bankfähig“ machen lässt – ein technokratischer Terminus, der doch den Kern der Sache trifft: Ohne schariakonforme Risikoübernahme bleiben viele Vorhaben bloß Ambition.

Zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, schrieben sich in Bangladesch junge Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge für IT-Stipendien des IsDB-BISEW ein. Das Programm, das aus Mitteln der Islamischen Entwicklungsbank finanziert wird, bildet Fachkräfte für Webentwicklung, Netzwerkadministration und Cloud Computing aus – Qualifikationen, die in der digitalen Buchungs- und Zertifizierungswelt des Halal-Tourismus ebenso gefragt sind wie in den Handelsplattformen, die ICIEC absichert. Der Kreis schließt sich leise, ohne Fanfaren: In Meru Raya probten unterdessen Tänzer für die Abendvorstellung des Kulturfestivals, während in den Hallen des Jakarta Convention Center die letzten Visitenkarten getauscht wurden.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Südostasiatische PresseArabische Golfpresse
Südostasiatische Presse
TriumphPragmatismus

Die Regierungen Südostasiens bauen aktiv ein Ökosystem für Halal-Tourismus auf und nutzen große Messen und strategische Partnerschaften, um Investoren anzuziehen und Besucherzahlen zu steigern. Der Sektor wird als aufstrebende wirtschaftliche Säule mit globaler Anerkennung dargestellt, belegt durch Auszeichnungen und ministerielles Engagement für Innovationen bei Hadsch- und Umrah-Diensten.

Arabische Golfpresse
PragmatismusDistanz

Multilaterale islamische Finanzinstitutionen bauen ihre Rolle in der globalen Halal-Wirtschaft aus und unterzeichnen milliardenschwere Abkommen zur Unterstützung von Handel, Investitionen und Entwicklung in den Mitgliedsländern. Der Fokus liegt auf strategischen Partnerschaften und Scharia-konformen Instrumenten, die langfristigen Wohlstand fördern.

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Pilger, Pixel und Milliarden: Wie die islamische Ökonomie die Welt neu vernetzt

Von Jakarta über Baku bis Kuala Lumpur zeichnet sich ein globaler Wirtschaftsraum ab, der Halal-Tourismus, Risikoabsicherung und IT-Stipendien zu einem Ökosystem verknüpft.

Am Abend des 26. Juni 2026, zum Auftakt der International Islamic Expo (IIE) in Jakarta, stand Masruroh, die Stabsexpertin des indonesischen Tourismusministeriums, vor rund hundert Gästen aus sechzehn Ländern und sprach von einem „Momentum, um Partnerschaften zu stärken und neue Kooperationen im muslimfreundlichen Tourismus zu eröffnen“. Im selben Saal, nur wenige Stunden zuvor, hatte Mochamad Irfan Yusuf, der Minister für Haddsch und Umra, ein anderes Wort ins Zentrum gerückt: „Würde“ – die Würde der Pilger, die künftig durch schnellere Visaverfahren und integrierte Datensysteme geschützt werden solle. Die IIE 2026, ein Forum aus Ausstellung, B2B-Treffen und Diskussionspanels, brachte an drei Tagen zusammen, was in der globalen islamischen Ökonomie derzeit Rang und Namen hat: Reiseveranstalter, Hotelketten, Investoren, Exportkreditversicherer und IT-Bildungsinitiativen.

Während in Jakarta um Verträge und Netzwerke gerungen wurde, hatte eine andere Nachricht bereits für Aufsehen gesorgt: Die indonesische Provinz West-Java war auf dem Halal In Travel Global Summit in Singapur als „Most Promising Muslim-Friendly Region of the Year“ ausgezeichnet worden. Der Preis, vergeben von Mastercard-CrescentRating auf Basis des Global Muslim Travel Index, würdigte nicht nur Gebetsräume und Halal-Zertifikate, sondern ein ganzes Geflecht aus digitaler Buchbarkeit, kulinarischer Infrastruktur und kulturellem Erbe. In derselben Index-Logik rangiert Indonesien insgesamt auf Platz zwei der muslimfreundlichsten Destinationen weltweit – ein Prädikat, das die Regierung in Jakarta nun strategisch nutzt, um aus dem Nischensegment ein Standbein der Volkswirtschaft zu machen. Der Markt ist gewaltig: 2025 zählte der GMTI 186 Millionen internationale muslimische Reisen, für 2030 werden 245 Millionen erwartet.

Parallel dazu, aber mit anderer Tonalität, arbeitet Malaysia an seiner touristischen Erneuerung. Während des Malaysia Cultural Festival in Meru Raya, Perak, erklärte Vize-Tourismusminister Chiew Choon Man, man wolle nicht nur die klassischen Quellmärkte China und Indien bedienen, sondern auch „Langstreckenmärkte wie Russland, Deutschland und Australien“ diversifizieren. Das viertägige Fest mit über hundert Aktivitäten – von Kunsthandwerk bis Kulinarik – soll, so der Ministerpräsident von Perak, Saarani Mohamad, beweisen, „wie Kultur als Katalysator für Entwicklung dienen kann, die den Menschen unmittelbar zugutekommt“. Die Zahlen geben dem Optimismus recht: 2025 verzeichnete Malaysia 42,2 Millionen internationale Ankünfte, ein Plus von 11,2 Prozent. Anders als Indonesien setzt Malaysia weniger auf das islamische Label als auf eine weltoffene, multikulturelle Erzählung – doch die Infrastruktur aus Halal-Gastronomie und Gebetsräumen gehört längst zum Standard.

Dass die neue Landkarte des islamischen Tourismus ohne finanzielle Flankierung nicht zu zeichnen wäre, zeigte sich wenige Tage zuvor in Baku. Am Rande der Jahrestagung der Islamischen Entwicklungsbank (IsDB) unterzeichnete die zur Bankengruppe gehörende Versicherungsgesellschaft ICIEC sieben Abkommen mit einem Volumen von über einer Milliarde US-Dollar. Kreditversicherungen, Exportgarantien und Investitionsabsicherungen sollen Kapital in Infrastrukturprojekte lenken, die wiederum Tourismus-, Handels- und Logistikkorridore von Zentralasien bis Afrika ermöglichen. In Baku diskutierten rund 300 Teilnehmer, wie sich regionale Integration „bankfähig“ machen lässt – ein technokratischer Terminus, der doch den Kern der Sache trifft: Ohne schariakonforme Risikoübernahme bleiben viele Vorhaben bloß Ambition.

Zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, schrieben sich in Bangladesch junge Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge für IT-Stipendien des IsDB-BISEW ein. Das Programm, das aus Mitteln der Islamischen Entwicklungsbank finanziert wird, bildet Fachkräfte für Webentwicklung, Netzwerkadministration und Cloud Computing aus – Qualifikationen, die in der digitalen Buchungs- und Zertifizierungswelt des Halal-Tourismus ebenso gefragt sind wie in den Handelsplattformen, die ICIEC absichert. Der Kreis schließt sich leise, ohne Fanfaren: In Meru Raya probten unterdessen Tänzer für die Abendvorstellung des Kulturfestivals, während in den Hallen des Jakarta Convention Center die letzten Visitenkarten getauscht wurden.

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