
Trump nimmt 20-Prozent-Zoll für Hormuz-Schiffe zurück – Golfstaaten sagen Investitionen zu
Nach breiter internationaler Kritik und Telefonaten mit arabischen Führungen ersetzt Washington die geplante Transitgebühr durch Handelsabkommen, hält aber an der Seeblockade gegen den Iran fest.
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag die erst am Vortag angekündigte 20-prozentige Abgabe auf Frachtschiffe im Hormuz-Strait zurückgezogen. Stattdessen sollen die Golfstaaten im Gegenzug für den Schutz der Wasserstraße durch die US-Marine umfangreiche Handels- und Investitionsabkommen mit den Vereinigten Staaten schließen. Gleichzeitig trat am Abend eine vollständige Seeblockade gegen Schiffe mit Ziel oder Herkunft Iran sowie gegen iranische Ladung in Kraft. Die Ankündigung führte zu einem kurzfristigen Rückgang der Ölpreise, die zuvor aufgrund der Eskalation zwischen Washington und Teheran auf ein Vierwochenhoch gestiegen waren.
Trump erklärte auf Truth Social, die Entscheidung beruhe auf „hochproduktiven Gesprächen mit der Führung des Nahen Ostens“. In einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten sagte er, Könige und Emire hätten ihn angerufen und stattdessen Milliardeninvestitionen in den USA angeboten. Aus Washingtoner Regierungskreisen hieß es, die Golfstaaten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und Kuwait hätten sich für diesen Weg ausgesprochen. Teheran wies die US-Ansprüche scharf zurück. Das iranische Militärkommando betonte, man werde keine „Einmischung“ der USA in der Straße von Hormuz dulden, und warnte die Golfnachbarn vor einer Kooperation mit Washington. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hatte zuvor sarkastisch erklärt, der Iran als eigentlicher „Wächter“ der Meerenge werde künftig selbst eine „gerechtere“ Gebühr erheben.
Die Kehrtwende folgte auf breite internationale Kritik. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) der Vereinten Nationen hatte erklärt, es gebe keine rechtliche Grundlage für obligatorische Transitgebühren in internationalen Wasserstraßen. Auch US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident J.D. Vance hatten zuvor betont, dass internationale Wasserstraßen gebührenfrei bleiben müssten. Große Reedereien wie die deutsche Hapag-Lloyd bezeichneten die Abgabe als „grundlegend falsch“ und warnten vor steigenden Transportkosten und einer Beeinträchtigung der globalen Lieferketten. Regierungen in Australien und Großbritannien lehnten den Vorstoß ebenfalls ab, während Japan Zurückhaltung übte und auf fehlende Details verwies.
Der Konflikt um die Meerenge, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggashandels floss, hatte sich in den Tagen zuvor erheblich verschärft. Nach dem faktischen Scheitern eines im Juni unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens flogen die USA in der dritten Nacht in Folge Angriffe auf iranische Stellungen, unter anderem in den Hafenstädten Bushehr und Bandar Abbas. Iran reagierte mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien und Bahrain sowie auf zwei Öltanker unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate, wobei ein Besatzungsmitglied getötet wurde. Die UNO warnte vor schwerwiegenden humanitären Folgen einer erneuten Blockade für die Zivilbevölkerung in der gesamten Region. Die nun geltende Blockade gegen iranische Häfen und die fortgesetzten Militärschläge lassen eine baldige Rückkehr zu einer diplomatischen Lösung unwahrscheinlich erscheinen; Beobachter in europäischen Hauptstädten rechnen mit anhaltenden Spannungen und volatilen Energiemärkten.
| Lateinamerikanische Presse | −0.90 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.60 | critical |
| Arabische Golfpresse | −0.50 | critical |
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