
Nach WM-Aus: Polizei durchsucht DFB-Zentrale wegen Korruptionsverdachts bei EM 2024
Nur 36 Stunden nach dem deutschen WM-Aus durchsuchten über 150 Beamte die DFB-Zentrale und Rathäuser mehrerer Städte – im Zentrum steht der Verdacht illegaler Ticketvergabe bei der Heim-EM 2024.
Am Mittwochmorgen, kaum dass die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem überraschenden Ausscheiden im WM-Achtelfinale gegen Paraguay den Heimflug angetreten hatte, durchsuchten mehr als 150 Kriminalbeamte die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt. Zeitgleich fanden Razzien in Rathäusern und Stadtverwaltungen jener zehn Städte statt, die vor zwei Jahren die Europameisterschaft ausgerichtet hatten. Die Aktion, über die zuerst die Bild-Zeitung berichtete, steht im Zusammenhang mit Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung im Umfeld der Euro 2024.
Der Zeitpunkt der Durchsuchungen – nur 36 Stunden nach dem Aus der DFB-Elf im Elfmeterschießen gegen Paraguay – verleiht der ohnehin angespannten Lage im deutschen Fußball eine zusätzliche Brisanz. Die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann war als klarer Favorit in die Partie gegangen, scheiterte jedoch wie schon 2018 und 2022 frühzeitig. Aus internationaler Perspektive, etwa in italienischen und arabischen Medien, wird die Koinzidenz von sportlichem Misserfolg und justizieller Aufarbeitung als Sinnbild einer tiefen Krise des viermaligen Weltmeisters gedeutet.
Im Kern der Ermittlungen steht die Euro 2024 GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von DFB und UEFA, das für die Organisation des Turniers verantwortlich war. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass ein 46-jähriger französischer Mitarbeiter dieser Gesellschaft, zuständig für die Beziehungen zu den Ausrichterstädten, lokale Amtsträger zu Spitzenpartien einlud und ihnen exklusive Vorkaufsrechte für Tickets einräumte. Ein 66-jähriger ehemaliger Bediensteter der Stadt Gelsenkirchen soll auf diese Weise eine Einladung zum Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich in München erhalten haben – inklusive Reise und Hotel, was einen geldwerten Vorteil von rund 2.400 Euro bedeutet haben soll. Nach Darstellung der Behörden könnten auf diese Weise mehrere tausend Karten unrechtmäßig an bevorzugte Gäste vergeben worden sein. Der deutsche Beschuldigte war bereits früher wegen Betrugs und Untreue polizeilich in Erscheinung getreten; der französische Staatsbürger gilt bislang als unbescholten. Beiden steht die Unschuldsvermutung zu, eine Stellungnahme liegt noch nicht vor.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kündigte ein hartes Durchgreifen an: „Ein Fußball-Ticket ist kein Gehaltsbestandteil. Wer im öffentlichen Dienst die Hand aufhält, bekommt von uns Besuch.“ Aus Sicht der Landesregierung wiegt der Verdacht schwer, weil er das Vertrauen in die Integrität von Sportgroßveranstaltungen und Behörden beschädigen könne. Die Durchsuchungen erstreckten sich neben der DFB-Zentrale auf Rathäuser in Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München sowie auf mehrere Privatunternehmen. In Leipzig wurde eine Herausgabeanordnung erlassen. Die Ermittlungen reihen sich ein in eine Serie von Justizaffären um den DFB, die von der Aufarbeitung der WM 2006 bis zu Steuerstrafverfahren reichen.
Für den DFB, der sich nach dem erneuten WM-Debakel ohnehin mit internen Konflikten und der Zukunft von Bundestrainer Nagelsmann auseinandersetzen muss, wird die juristische Aufarbeitung zur zusätzlichen Belastungsprobe. Die nächste sportliche Bewährungsprobe steht mit der Nations League im Herbst an, doch die Glaubwürdigkeit des Verbandes ist durch die neuerlichen Vorwürfe massiv beschädigt. Die Ermittlungen werden den Verband noch über Monate beschäftigen und die sportliche Neuausrichtung überschatten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Razzia beim DFB wird als weiterer Schlag für den deutschen Fußball dargestellt, der bereits durch das Ausscheiden bei der WM 2026 gedemütigt wurde. Die Ermittlungen zu angeblichen Unregelmäßigkeiten bei Eintrittskarten für die EM 2024 werden als ausgewachsener Skandal inszeniert, mit über 150 eingesetzten Ermittlern.
Deutsche Behörden durchsuchten die DFB-Zentrale und weitere Orte im Rahmen von Korruptionsermittlungen im Zusammenhang mit der EM 2024. Im Fokus stehen Mitarbeiter von Gastgeberstädten, die angeblich Einladungen und Tickets zu Vorzugskonditionen von den Organisatoren erhalten haben.
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