
Orlando Gill entreißt Deutschland den Elfmeter-Nimbus – Paraguay im Achtelfinale
Mit zwei gehaltenen Elfmetern gegen Havertz und Woltemade besiegelte der 26-jährige Schlussmann das überraschende Aus des viermaligen Weltmeisters und schrieb Geschichte.
Im Gillette Stadium von Foxborough endete eine deutsche Gewissheit: Erstmals in der WM-Geschichte verlor eine Mannschaft des DFB ein Elfmeterschießen. Paraguays Torhüter Orlando Gill parierte die Versuche von Kai Havertz und Nick Woltemade, Jonathan Tah setzte seinen Schuss über das Tor, und José Canale verwandelte den entscheidenden Strafstoß zum 4:3. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden – Julio Enciso per Kopf (42.) und Havertz (54.) hatten die Treffer erzielt. Paraguay steht im Achtelfinale, Deutschland scheidet in der Runde der letzten 32 aus.
Die Partie folgte einem klaren Muster: Deutschland kontrollierte den Ball, Paraguay verteidigte tief und suchte den Konter. In der ersten Halbzeit kam die Mannschaft von Julian Nagelsmann auf fast 80 Prozent Ballbesitz, doch klare Chancen blieben Mangelware. Ein Eckball führte zur Führung der Südamerikaner, als Enciso eine Flanke von Matías Galarza einköpfte. Nach dem Ausgleich durch Havertz, der eine Flanke von Florian Wirtz verwertete, drängte Deutschland auf den Sieg. In der Verlängerung wurde ein Kopfballtor von Tah nach Videobeweis wegen eines Fouls an Gill aberkannt. Der Schlussmann hielt sein Team mit mehreren Paraden im Spiel, ehe er im Elfmeterschießen endgültig zur prägenden Figur wurde.
Gill, 26 Jahre alt und 1,99 Meter groß, steht beim argentinischen Klub San Lorenzo unter Vertrag. Sein Aufstieg verlief nicht geradlinig: Nach seinem Wechsel aus der paraguayischen Provinz musste er monatelang auf eine Spielgenehmigung warten, setzte sich dann aber als Stammtorhüter durch. Südamerikanische Medien berichten, dass er in jungen Jahren Trikots und Ausrüstung verkaufte, um die medizinische Versorgung seines Sohnes zu finanzieren. Nach dem Spiel widmete er den Erfolg einem kranken Neffen: „Ich habe ihm versprochen, dass der Sieg für ihn ist, wenn ich zum Mann des Spiels werde.“ Gegenüber Reportern erklärte er, man habe „jeden Spieler und jedes Detail der deutschen Elfmeterschützen analysiert“. Zuvor war Gill von Paraguays Torwartlegende José Luis Chilavert öffentlich kritisiert worden, er kommuniziere zu wenig – eine Kritik, die er mit seiner Leistung auf dem Platz beantwortete.
Für den deutschen Fußball bedeutet das Ausscheiden das Ende einer bemerkenswerten Serie: In vier WM-Elfmeterschießen – 1982, 1986, 1990 und 2006 – war die DFB-Auswahl stets siegreich geblieben. Aus deutscher Perspektive wiegt die Niederlage schwer, zumal die Mannschaft über weite Strecken dominierte, aber an der eigenen Chancenverwertung und an Gill scheiterte. Paraguay trifft im Achtelfinale auf den Sieger der Partie Frankreich gegen Schweden. Der südamerikanische Außenseiter hat mit diesem Erfolg nicht nur ein Kapitel WM-Geschichte geschrieben, sondern auch die Aufmerksamkeit auf einen Torhüter gelenkt, dessen Marktwert zuletzt auf sechs Millionen Euro taxiert wurde.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Orlando Gill, der paraguayische Riese, wandelte sich von der Kritik zum Ruhm und wurde zum Nationalhelden, der Deutschlands Träume zerstörte. Nachdem er persönliche Opfer gebracht hatte, darunter die Verlosung seiner Trikots, um seinen Sohn zu retten, zeigte er eine historische Leistung, hielt zwei Elfmeter und führte Paraguay ins Achtelfinale. Seine Geschichte ist eine von Wiedergutmachung und Opferbereitschaft, gefeiert als unvergessliche Nacht für den paraguayischen Fußball.
Orlando Gill führte seine entscheidende Leistung gegen Deutschland auf eine akribische Vorbereitung zurück, bei der er jeden Spieler und jedes Detail studierte. Der Torhüter von San Lorenzo hielt zwei Elfmeter und schickte Paraguay ins Achtelfinale, wobei er die Bedeutung der Analyse für seine Heldentat betonte. Sein ruhiger, technischer Ansatz war die Grundlage für die Überraschung.
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