
KI-Investitionen schaffen mehr Stellen, als sie abbauen – doch die Verteilung bleibt ungeklärt
Eine breit angelegte US-Studie zeigt, dass Unternehmen mit hohen KI-Ausgaben ihre Belegschaft ausbauen, während zugleich Steuervermeidung und regionale Ungleichgewichte die Debatte prägen.
Unternehmen, die am stärksten in künstliche Intelligenz investieren, bauen entgegen verbreiteter Befürchtungen keine Arbeitsplätze ab, sondern stellen schneller ein als ihre Wettbewerber. Das ist das zentrale Ergebnis einer Untersuchung der US-Technologieunternehmen Ramp und Revelio Labs, die Personaldaten von 22.000 amerikanischen Firmen im Zeitraum von Januar 2021 bis Februar 2026 auswertete. Demnach wuchs die Beschäftigtenzahl bei den intensivsten KI-Anwendern – definiert als Firmen mit monatlichen Ausgaben von rund 34 Dollar pro Mitarbeiter – innerhalb von zwei Jahren nach Einführung der Technologie um 10,2 Prozent. Die Einstellungen für Berufseinsteiger legten im selben Zeitraum um 12 Prozent zu. Die Autoren raten jungen Arbeitsuchenden, sich bei der Wahl des Arbeitgebers für jene zu entscheiden, die KI nutzen.
Die Zahlen nähren eine Neubewertung des Zusammenhangs von Automatisierung und Beschäftigung. Auf der Klausurtagung der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra betonte Ronnie Chatterji, Chefökonom von OpenAI, dass die bloße Exposition einer Tätigkeit gegenüber KI nicht deren Ersatz bedeute. Er verwies auf die Softwareentwicklung, in der ein befürchteter massiver Stellenabbau ausgeblieben sei. Gleichzeitig warnten Marketingverantwortliche auf dem Werbefestival Cannes Lions, dass menschliches Urteilsvermögen und Geschmack zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil würden, je mehr KI die Inhaltsproduktion demokratisiere. Qualcomms Marketingchef Don McGuire sprach von einem Pendel, das zu einem realistischeren Ort zurückschwinge: „Es geht um Menschen und KI gemeinsam, nicht um das eine oder das andere.“
Die Verteilung der Gewinne aus dem KI-Boom wirft indes Fragen auf. Ein Bericht des Climate and Community Institute in Washington beziffert die Steuervermeidung der drei Technologiekonzerne Alphabet, Amazon und Meta im vergangenen Jahr auf 49,7 Milliarden Dollar – während dieselben Unternehmen zusammen 250 Milliarden Dollar für KI und Rechenzentren zusagten. Aus Accra wiederum kommt ein anderer Akzent: Ghanas im April verabschiedete nationale KI-Strategie will bis 2033 zehntausend KI-Forscher ausbilden und eine Million Jugendliche fit für die digitale Wirtschaft machen. In Lateinamerika sehen sich Länder wie Kolumbien als aufstrebende Exporteure digitalen Wissens; brasilianische Unternehmen setzen KI einer Umfrage zufolge vor allem zur Texterstellung ein, wobei die Reifegrade noch stark streuen.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane beobachtet in Europa eine im Vergleich zu früheren Basistechnologien rasche Übernahme von KI und erwartet positive Effekte auf Produktivität und Investitionen. Die US-Studie verweist jedoch auf ein Produktivitätsparadoxon: Zwar erledigten Beschäftigte Aufgaben schneller, doch schlage sich dies noch nicht konsistent in höherer Gesamtproduktivität oder steigenden Unternehmensgewinnen nieder. Die nächsten sachlichen Wegmarken sind die Fortschreibung der Beschäftigungsdaten über den Informationssektor hinaus, die Umsetzung der ghanaischen Ausbildungsziele sowie die Frage, ob die Effizienzgewinne der KI in den kommenden Quartalen in belastbare Produktivitätskennziffern münden.
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Unternehmen, die stark in KI investieren, bauen keine Arbeitsplätze ab, sondern stellen schneller ein als ihre Konkurrenten, auch für Einstiegspositionen. Feldforschung zeigt jedoch, dass KI die Arbeitsmuster auf unerwartete Weise verändert, Aufgaben ausweitet und zeitliche Grenzen verschwimmen lässt – das Bild ist also komplexer als bloße Arbeitsplatzvernichtung.
Künstliche Intelligenz kommt viel schneller als erwartet und wirft dringende Fragen auf, welche Berufe in fünf Jahren noch relevant sein werden. Während neue KI-bezogene Jobs als Rückgrat der zukünftigen Industrie entstehen, sehen sich Millionen Arbeitnehmer mit Unsicherheit konfrontiert, da Maschinen Aufgaben übernehmen, die einst als ausschließlich menschlich galten.
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