
Spionage-Affäre: FA klagt deutschen Southampton-Trainer Eckert an
Dem 33-jährigen Berliner werden drei Verstöße gegen die Verbandsregeln vorgeworfen, nachdem sein Klub bereits aus den Play-offs ausgeschlossen und mit Punktabzug bestraft wurde.
Der englische Fußballverband FA hat den deutschen Trainer Tonda Eckert offiziell wegen Fehlverhaltens angeklagt. Wie die FA am Mittwoch mitteilte, soll der 33-Jährige in drei Fällen die Ausspähung gegnerischer Trainingseinheiten angeordnet oder genehmigt haben. Betroffen sind die Vorbereitungen von Oxford United, Ipswich Town und Middlesbrough auf Partien gegen Southampton im Dezember 2025 sowie im April und Mai 2026. Eckert, der zwischen 2011 und 2014 als Analyst beim Deutschen Fußball-Bund arbeitete, hat bis zum 28. Juli Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Der Spionage-Skandal hatte Southampton bereits im Mai hart getroffen. Ein Vereinsanalyst war beim Filmen des Abschlusstrainings von Middlesbrough ertappt worden. Obwohl die Saints das Halbfinale der Championship-Play-offs mit 2:1 nach zwei Spielen gewannen, schloss eine unabhängige Disziplinarkommission den Klub vom Finale in Wembley aus und brummte ihm vier Minuspunkte für die kommende Saison auf. Middlesbrough rückte nach und unterlag im Endspiel Hull City. Die Kommission sprach von einem „ausgeklügelten und entschlossenen Plan von oben nach unten“, der von Eckert autorisiert worden sei.
Aus Londoner Verbandssicht wiegt der Fall schwer, weil er die Integrität des Wettbewerbs untergräbt. Der Aufstieg in die Premier League hätte Southampton nach Schätzungen Einnahmen von rund 200 Millionen Pfund beschert. Die FA leitete nach dem EFL-Urteil eigene Ermittlungen ein, um die individuelle Verantwortung zu klären. Der Verband stützt sich auf Regel E3.1, die ungebührliches Verhalten und Rufschädigung des Spiels sanktioniert. Sollte Eckert für schuldig befunden werden, drohen ihm eine hohe Geldstrafe oder eine lange Sperre.
Der Klub und sein Trainer haben die Vorwürfe eingeräumt und kooperieren nach eigenen Angaben vollumfänglich mit der FA. Eckert übernahm im Juni öffentlich die Verantwortung und entschuldigte sich bei Spielern und Anhängern. Er verwies darauf, dass die Beobachtung gegnerischer Trainings in anderen Ligen, in denen er tätig war, gängige Praxis sei. Southampton-Eigentümer Dragan Solak stellte sich trotz der Affäre hinter den Coach und nannte die bereits verhängten Strafen ausreichend. Der Klub betonte, man konzentriere sich nun auf die Vorbereitung der neuen Championship-Saison.
Der Fall ist nicht der erste seiner Art im englischen Fußball, markiert aber eine Verschärfung der Gangart. 2019 hatte Leeds United für ähnliche Spionageaktionen ein Bußgeld von 200.000 Pfund gezahlt, damals existierte noch kein explizites Verbot in den EFL-Statuten. Die aktuelle Anklage gegen Eckert reiht sich zudem in eine internationale Tendenz ein, Regelverstöße im Bereich der unerlaubten Beobachtung konsequenter zu ahnden – so wurde etwa die kanadische Frauen-Olympiamannschaft in Paris wegen Drohneneinsatzes gegen Neuseeland sanktioniert. Für Eckert und Southampton geht es nun darum, den sportlichen Neuanfang in der zweiten Liga zu gestalten; das erste Ligaspiel ist für den 16. August bei Watford angesetzt.
| Russische & GUS-Presse | −0.10 | neutral |
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