
Zolldrohung wegen Salat: Trump verknüpft Gesundheitskrise mit Handelsstreit
Nach dem Ausbruch einer Cyclosporiasis-Erkrankungswelle in den USA, die mit mexikanischem Eisbergsalat in Verbindung gebracht wird, droht US-Präsident Trump mit einem „großen Zoll“ – während Tests in Mexiko negativ ausfallen und die Beweislage widersprüchlich bleibt.
US-Präsident Donald Trump hat für den Fall einer bestätigten Kontamination von importiertem Salat mit einem „großen Zoll“ auf mexikanische Waren gedroht. Bei einem Pressegespräch im Oval Office am 24. Juli reagierte er auf eine Reporterfrage zu einem Ausbruch der Cyclosporiasis – einer von dem Parasiten Cyclospora cayetanensis ausgelösten Durchfallerkrankung – mit der Bemerkung: „Ich glaube, wir werden einen großen Zoll auf Mexiko wegen des Salats erheben.“ Zugleich kündigte er „einen großen Zoll auf Kanada wegen des Rauchs“ an, in Anspielung auf Waldbrandrauch, der aus Kanada in die USA zieht. Die Äußerungen fallen in eine Phase erhöhter handelspolitischer Spannungen; erst am 21. Juli waren 50-prozentige Zölle auf zahlreiche kanadische Produkte verhängt worden.
Ausgangspunkt ist eine seit Wochen anhaltende Infektionswelle in neun US-Bundesstaaten. Die amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) melden 1.947 laborbestätigte Fälle von Cyclosporiasis, mit weiteren 11.573 möglichen Erkrankungen; viele Betroffene berichten von Mahlzeiten bei der Restaurantkette Taco Bell. Die Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA führte den Ausbruch zunächst auf zerkleinerten Eisbergsalat zurück, der von dem kalifornischen Unternehmen Taylor Farms aus seinem Werk im mexikanischen Guanajuato bezogen wurde. Eine Probe wurde positiv auf den Parasiten getestet, doch die Behörde räumte umgehend ein, es habe sich um ein falsch-positives Ergebnis gehandelt und entschuldigte sich bei dem Unternehmen. Gleichwohl hält die FDA an ihrer epidemiologischen Bewertung fest, wonach die Rückverfolgung weiterhin auf diesen Salat als wahrscheinliche Quelle hindeutet.
Mexikanische Gesundheitsbehörden widersprechen dieser Einschätzung. Die Bundesbehörde für den Schutz vor Gesundheitsrisiken (Cofepris) und das Landwirtschaftsministerium (Senasica) analysierten 14 Proben aus dem Werk von Taylor Farms – darunter Salat und Wasser – und wiesen weder Cyclospora noch fäkale Coliforme nach. Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte eine epidemiologische Studie an, um eine mexikanische Quelle endgültig zu bestätigen oder auszuschließen. Aus Sicht der Agrarindustrie des Landes unterstreicht der Vorfall die Notwendigkeit einer besseren Finanzierung der Lebensmittelsicherheit: Der Haushalt von Senasica ist seit 2018 um mehr als ein Viertel gesunken, obwohl die Exporte in die USA, die 97 Prozent der mexikanischen Salatausfuhren aufnehmen, gestiegen sind. Branchenvertreter fordern, die Überwachung als nationale Sicherheitsaufgabe zu behandeln.
Die Trumpsche Zolldrohung fügt dem ohnehin komplexen Bild eine handelspolitische Dimension hinzu. Rechtlich wäre ein solcher Zoll nur schwer mit den Handelsregeln des USMCA vereinbar, solange keine zweifelsfreie Kontamination nachgewiesen ist. Zudem untersuchen einzelne US-Bundesstaaten wie North Carolina alternative Quellen wie Koriander. An den Finanzmärkten blieben unmittelbare Reaktionen aus, doch die Rhetorik signalisiert eine anhaltende Bereitschaft Washingtons, nichttarifäre Handelshemmnisse auch bei ungeklärter Sachlage einzusetzen. Der nächste Entwicklungsschritt ist der Abschluss der mexikanischen epidemiologischen Untersuchung; ihre Ergebnisse könnten entweder den Konflikt entschärfen oder neuen handelspolitischen Zündstoff liefern.
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