
Ein Saal, eine Geste, ein Versprechen: Wie Bildung weltweit neue Wege findet
Zwischen Jakarta, Singapur und Moskau verflechten sich islamische Sozialfonds, staatliche Reformen und internationale Stipendien zu einem neuen Mosaik der Wissensvermittlung.
An einem Donnerstag im Juli, in der fünften Etage des BAZNAS-Gebäudes in Jakarta, wurden fünfzehn junge Menschen feierlich übergeben. Nicht als Ware, sondern als Lernende: Der Studiengang Islamische Ökonomie der Universitas Muhammadiyah Jakarta entsandte seine Studenten in ein kollektives Praktikum bei der nationalen Zakat-Behörde. Im nüchternen Saal mit Blick auf die Metropole lauschten sie den Worten des stellvertretenden Direktors Arifin Purwakananta, der von Fundraising, strategischer Planung und der Transparenz sprach, die eine moderne Verwaltung der Almosensteuer ausmacht. Die symbolische Geste – eine kurze Zeremonie, bei der die Hochschule ihre Schützlinge offiziell an die Behörde übergab – war mehr als ein bürokratischer Akt. Sie stand für ein wachsendes Vertrauen darin, dass sich religiös fundierte Solidarität und professionelles Management nicht ausschließen.
Dieses Vertrauen nährt sich aus einem breiteren Geflecht. Nur wenige Tage zuvor hatten der indonesische Rat der Religionsgelehrten (MUI) und die Stiftung Sharing Happiness auf dem Kongress der indonesischen Islamgemeinschaft (KUII VIII) eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ihr Ziel: die Bündelung von Zakat, Spenden und frommen Stiftungen (Wakaf) für Programme der wirtschaftlichen Stärkung, Bildung und Gesundheitsfürsorge. Aus Singapur wiederum meldete der Islamische Religionsrat (MUIS), er werde im laufenden Haushaltsjahr über acht Millionen Dollar aus Wakaf-Erträgen ausschütten – ein Teil davon fließt in den Unterhalt von Moscheen, Koranschulen und Gemeindeorganisationen. Bei der feierlichen Übergabe im Islamic Centre von Singapur betonte MUIS-Chef Kadir Maideen die generationenübergreifende Verantwortung: Die Erträge aus dem verwalteten Vermögen sollen nachhaltig wirken, nicht nur heute.
Während in Südostasien religiös motivierte Fonds den Wissenserwerb befördern, setzen andere Weltgegenden auf staatliche oder zwischenstaatliche Programme. Die Europäische Union etwa entsendet im kommenden Studienjahr 90 indonesische Studierende im Rahmen des Erasmus-Mundus-Masterprogramms an europäische Hochschulen – 78 von ihnen mit vollen Stipendien. EU-Botschafter Denis Chaibi sprach von einer „Investition in die Zukunft Indonesiens“ und der Schaffung dauerhafter Netzwerke. Gleichzeitig lancierte die Union in Jakarta einen Jugend-Alumni-Kreis, der den Austausch über die Studienzeit hinaus verfestigen soll. Auf der anderen Seite des Globus eröffnet die Organisation Amerikanischer Staaten (OEA) gemeinsam mit der Universidad Europea 75 virtuelle Studienplätze: Lateinamerikanische Berufstätige, darunter Argentinier, können mit 50-prozentigem Rabatt spanische Masterabschlüsse in Feldern wie Bioinformatik, Ernährungslehre oder digitalem Marketing erwerben – gelernt wird online, ein Abschluss aus Europa, ohne das Heimatland zu verlassen.
Eine gänzlich andere Route schlägt Russland ein. Bis 2030 sollen sämtliche Hochschulen des Landes auf ein dreistufiges System umgestellt haben, das ein vier- bis sechsjähriges Basisstudium, eine spezialisierte Master- oder Facharztphase sowie eine davon getrennte Aspirantur vorsieht. Das Pilotprojekt, an dem derzeit 17 Universitäten mit etwa 12.000 Studierenden teilnehmen, wird von Moskau aus behutsam gesteuert: Vizebildungsminister Konstantin Mogilewski mahnte, das konservative Feld der Bildung verlange ein „umsichtiges und konsequentes“ Vorgehen, um die Qualität nicht zu gefährden. Während in Jakarta und Singapur private Zuwendungen und Stiftungen wirken, ist es hier der Staat, der mit langem Atem die Architektur des Wissens neu justiert.
Die Geschichten gleichen Mosaiksteinen, die aus unterschiedlichstem Material geformt sind: Almosen, Stipendien, Reformen. Am Ende der kurzen Zeremonie im fünften Stock von Jakarta blieben die fünfzehn Studenten noch einen Moment lang beisammen, bevor sie auf ihre Abteilungen verteilt wurden – Fundraising, Marketing, Personal. In ihrem Schweigen lag die Erwartung, dass sich das Versprechen der Geste einlösen möge. Und irgendwo zwischen den Kontinenten lud in diesen Tagen eine junge Frau aus Buenos Aires das Zulassungsformular für eine spanische Online-Masterklasse herunter.
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