
US-Militär setzt weiteren Tanker vor iranischer Küste außer Gefecht
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen feuern US-Kräfte auf ein Schiff, das die Seeblockade gegen Iran zu durchbrechen versucht. Washingtons militärische Mäßigung wird begleitet von diplomatischen Signalen Teherans.
Das regionale Hauptquartier der US-Streitkräfte hat nach eigenen Angaben am Freitag im Golf von Oman einen Handelstanker beschossen und fahruntüchtig gemacht. Nach Darstellung des US Central Command (Centcom) unternahm die unter der Flagge eines Drittstaates fahrende „MT Lavin“ mindestens vier Anläufe, die von Washington verhängte maritime Sperrzone vor iranischen Häfen zu durchbrechen. Trotz wiederholter Warnungen habe die Besatzung die Anweisungen missachtet, woraufhin amerikanische Kräfte gezielt auf den Maschinenraum gefeuert hätten. Es ist nach Centcom-Angaben der zweite derartige Vorfall, seit die USA die Blockade in der zweiten Juliwoche reaktiviert haben. Zudem seien zwölf weitere Schiffe zum Abdrehen gezwungen worden.
Aus Washingtoner Sicht ist die Blockade eine Reaktion auf die von Iran seit Ende Februar verfügte Schließung der Straße von Hormus. Während Teheran darauf pocht, die Kontrolle über die für den globalen Öltransport zentrale Wasserstraße auszuüben, wertet die amerikanische Regierung dies als völkerrechtswidrigen Eingriff in die freie Schifffahrt. Die erneute Eskalation auf See fällt in eine Phase intensiver, aber ergebnisloser Gespräche zwischen beiden Ländern. US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag im Weißen Haus, er habe noch nicht über weiterreichende Militärschläge entschieden, sehe aber eine zunehmende „Ernsthaftigkeit“ auf iranischer Seite. Als rote Linie bekräftigte Trump die Entwicklung einer iranischen Nuklearwaffe.
Die diplomatische Dynamik wird in der Region mit Skepsis verfolgt. Aus europäischer Perspektive, insbesondere in Berlin, wächst die Sorge vor einem Flächenbrand, der die Energieversorgung und die Stabilität des Nahen Ostens gefährden könnte. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert wird, ist für die deutsche und europäische Industrie von erheblicher Bedeutung. Eine dauerhafte Störung der Passage könnte die Rohstoffpreise in die Höhe treiben und Lieferketten belasten.
Centcom betonte, der jüngste Einsatz habe sich strikt gegen den Antrieb des Tankers gerichtet; über Verletzte unter der Besatzung lagen zunächst keine Erkenntnisse vor. Das Schiff sei nicht mehr auf Kurs Iran. Beobachter in Washington werten die erneute Deaktivierung eines zivilen Frachters als Signal militärischer Entschlossenheit, das zugleich eine Schwelle zu einem offenen Waffengang nicht überschreitet. Die weitere Entwicklung hängt auch davon ab, ob es gelingt, die Gespräche über das iranische Atomprogramm mit konkreten Vereinbarungen zu unterlegen. Ein nächstes Treffen der Vermittler ist bislang nicht offiziell angesetzt.
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