
Trump: Keine Entscheidung über massive Iran-Angriffe – Teheran wird ernster
Trotz laufender Gespräche, in denen Iran größere Ernsthaftigkeit signalisiert, drohen die USA mit militärischer Eskalation; Saudi-Arabien attackiert derweil Huthi-Ziele im Jemen.
US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Worten noch nicht über einen massiven Militärschlag gegen Iran entschieden. Gegenüber Journalisten erklärte er am Freitag im Weißen Haus, die Gespräche mit Teheran dauerten an und die iranische Führung werde „von Tag zu Tag ernster“. Trump stellte zugleich die Alternative in Aussicht: Entweder eine diplomatische Einigung oder eine „viel höhere Stufe“ der Angriffe, nachdem die US-Streitkräfte bereits fast zwei Wochen lang Ziele in Iran bombardiert hatten. Die militärischen Operationen begründete Washington mit der Notwendigkeit, eine von Iran angedrohte Schließung der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu unterbinden.
Aus iranischer Perspektive sind die Gespräche von amerikanischem Druck überschattet. Außenminister Abbas Araghchi wies jegliche Drohgebärden zurück und erklärte, Iran werde sich nicht der „Einschüchterung und Nötigung“ beugen. Teheran reklamierte seinerseits Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte in Bahrain, Jordanien und Kuwait, bei denen nach Pentagon-Angaben vier amerikanische Soldaten ums Leben kamen. Zudem behaupteten die Revolutionsgarden, ein Rechenzentrum des Technologiekonzerns Amazon in Bahrain angegriffen zu haben – eine Darstellung, die weder das Unternehmen noch die bahrainischen Behörden bestätigten.
Parallel weitete sich das Konfliktgeschehen auf Jemen aus. Die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen feuerten auf saudische Schiffe im Roten Meer und riefen eine maritime Blockade gegen das Königreich aus. Riad reagierte mit Luftschlägen auf die Hafenstadt Hodeidah, die von den Huthis kontrolliert wird. Diese Entwicklungen stellen eine erhebliche Gefahr für die globalen Öllieferungen dar, da Saudi-Arabien als weltweit größter Rohölexporteur auf sichere Seewege angewiesen ist. Die Huthis selbst brachten ihre Attacken in direkten Zusammenhang mit dem iranisch-amerikanischen Konflikt.
Diplomatisch bemüht sich Peking um Vermittlung. Chinas Außenminister Wang Yi traf seinen Amtskollegen Araghchi in Kirgisistan und rief laut amtlichen chinesischen Berichten zur zügigen Wiederaufnahme von Gesprächen auf. Trump unterstrich derweil sein Vertrauen in die Zusagen von Staatspräsident Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin, Iran nicht militärisch zu unterstützen – entgegen Berichten über nachrichtendienstliche Hilfen. Aus europäischer Sicht bleibt die Lage volatil; die wiederholten Angriffe auf Militäreinrichtungen in der Golfregion bergen das Risiko einer weiteren Internationalisierung des Konflikts, von der auch Verbündete wie Deutschland nicht unberührt blieben.
Der Krieg, den Trump ursprünglich nach vier bis fünf Wochen für beendet erklären wollte, dauert bereits fünf Monate an und belastet innenpolitisch die Republikaner vor den Kongresswahlen im November. Ein für kommende Woche anberaumtes Treffen Trumps mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu könnte weitere Auskunft über den künftigen Kurs Washingtons geben. Ob es gelingt, auf dem Verhandlungsweg eine tragfähige Waffenruhe zu erreichen, oder ob die US-Regierung doch auf eine massive Eskalation setzt, ist gegenwärtig nicht absehbar.
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