
Unerlaubte Abnehmspritzen und Peptide: Regulierungsbehörden weltweit verschärfen Massnahmen
Gleichzeitige Verbote, Razzien und Warnungen in Brasilien, den Emiraten und den USA zeigen, wie ein boomender Graumarkt für nicht zugelassene Wirkstoffe die Arzneimittelaufsicht unter Druck setzt.
Innerhalb weniger Tage haben mehrere Regulierungsbehörden auf drei Kontinenten Schritte gegen nicht zugelassene Peptidpräparate und injizierbare Füllstoffe unternommen. In Brasilien beschlagnahmte die Zoll- und Gesundheitsbehörde in Foz do Iguaçu allein im ersten Quartal 2026 illegale Einfuhren im Wert von mehr als 11 Millionen Reais – eine Summe, die bereits das gesamte Vorjahresvolumen übersteigt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten leitete die Emirates Drug Establishment Massnahmen gegen 71 Quellen ein, darunter 14 bei lokalen Behörden registrierte Einrichtungen sowie 14 Influencer, die an die nationale Medienaufsicht gemeldet wurden. Parallel dazu beschlossen Brasiliens Bundesräte für Medizin und für Odontologie das Verbot des dauerhaften Füllstoffs Polymethylmethacrylat (PMMA) für ästhetische Zwecke; ein Beratungsgremium der US-amerikanischen FDA stimmte knapp dafür, sechs umstrittene Peptide für die Rezepturherstellung freizugeben.
Den Kern des Problems bildet eine neue Generation von Substanzen, die unter Begriffen wie «Peptide» oder «Canetas emagrecedoras» vermarktet werden und an die Erfolgsgeschichte der GLP-1-Präparate anknüpfen. Im Zentrum steht Retatrutida, ein noch in Phase-III-Studien befindlicher Dreifachrezeptor-Agonist von Eli Lilly, für den – so betonen Anvisa und die Firma selbst – weltweit noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Dennoch tauchen angebliche Retatrutida-Injektoren in sozialen Medien auf, beworben von brasilianischen Influencern, die an Firmenveranstaltungen in Paraguay teilnahmen. Weitere nicht zugelassene Peptide wie BPC-157 oder TB-500 werden in Kliniken off-label angeboten, ohne dass Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit bei injizierbarer Anwendung vorliegen; das brasilianische Ärztekammer-Gremium sprach von einer «Versuchspersonen-Situation».
Der Druck auf die Aufsichtsbehörden wächst von zwei Seiten. Einerseits melden Gesundheitsbehörden steigende Komplikationszahlen: In Brasilien registrierte die Anvisa zuletzt 85 Fälle von hypervitaminosenartigen Beschwerden nach intravenösen Vitamininfusionen, während das Konsumenten-Dekanat in São João de Meriti Ermittlungen gegen eine Betreiberin von Pumping-Verfahren mit PMMA führt, die bei 20 Patienten schwere bleibende Schäden verursacht haben soll. Andererseits argumentieren Teile der US-amerikanischen Beratergremien, dass eine regulierte Freigabe für Apotheken den Verbraucher vom unkontrollierten Schwarzmarkt fernhalten könnte – ein Standpunkt, den FDA-Wissenschaftler wegen fehlender klinischer Daten und möglicher Immunreaktionen geschlossen ablehnten.
Die nächsten Schritte sind vorgezeichnet, aber zeitlich offen. Die FDA muss über die nicht bindende Empfehlung ihres Beratungsausschusses entscheiden; eine Frist wurde nicht genannt. In Brasilien ermittelt die Zivilpolizei weiter gegen die untergetauchte Klinikbetreiberin, während Anvisa und Steuerbehörde ihre Kontrollen an der paraguayischen Grenze intensiviert haben. Für Retatrutida bleibt der Abschluss der klinischen Programme der Lilly-Studien – darunter die über 2.300 Probanden umfassende TRIUMPH-1-Studie, die einen Gewichtsverlust von durchschnittlich 28,3 Prozent zeigte – die entscheidende Hürde vor einem möglichen Zulassungsantrag.
Erweitere deinen Horizont
Rom wird Schauplatz der nächsten Runde im israelisch-libanesischen Grenzstreit
7 Sprachen · 15 Quellen
Aus Economy & MarketsBrasilien ruft WTO gegen neue US-Strafzölle an – Handelsstreit erreicht nächste Eskalationsstufe
1 Sprache · 9 Quellen
Aus TechnologySpeicherkosten-Schock: KI-Nachfrage macht Smartphones unter 100 Dollar unrentabel
4 Sprachen · 7 Quellen