
Moskau überträgt Akzo-Nobel-Vermögen an Gesellschaft mit Rostec-Hintergrund
Per Präsidialdekret wurden die russischen Töchter des niederländischen Lackherstellers derselben Verwaltungsgesellschaft unterstellt, die bereits Rockwool- und Canpack-Werke kontrolliert.
Präsident Wladimir Putin hat die russischen Tochtergesellschaften des niederländischen Farben- und Lackkonzerns Akzo Nobel per Dekret unter die vorübergehende Verwaltung der Aktiengesellschaft „Raswitije stroitelnych aktiwow“ (RSA) gestellt. Betroffen sind die Anteile an den drei Einheiten „Akzo Nobel Dekor“, „Akzo Nobel Koutings“ und „Akzo Nobel Lakokraska“, wie aus dem auf dem offiziellen Rechtsportal veröffentlichten Dokument hervorgeht. Die RSA mit Sitz in Moskau war bereits Ende 2025 mit der Verwaltung der russischen Werke des dänischen Dämmstoffherstellers Rockwool sowie des polnisch-amerikanischen Verpackungsproduzenten Canpack betraut worden.
Aus Moskauer Sicht reiht sich der Schritt in eine seit Februar 2022 praktizierte Gegenmaßnahme ein: Vermögenswerte von Unternehmen aus „unfreundlichen“ Staaten können demnach vorübergehend unter russische Verwaltung gestellt werden, wenn russisches Eigentum im Ausland beschränkt oder entzogen wird. Akzo Nobel erklärte in einer Stellungnahme, man prüfe das Dekret und bleibe dem Schutz der Mitarbeiter sowie der eigenen Aktionärsinteressen verpflichtet. Der Konzern betonte, nach den EU-Sanktionen von 2022 einen Großteil des Russlandgeschäfts eingestellt zu haben; die verbliebenen Aktivitäten im Bereich dekorativer Farben seien vollständig lokalisiert, abgeschottet und ohne finanzielle Unterstützung der Muttergesellschaft fortgeführt worden. Niederländische Medien wie NRC hatten hingegen unter Berufung auf Finanzberichte berichtet, dass die Umsätze der russischen Töchter 2023 entgegen den Erwartungen um acht Prozent gestiegen seien und die Einheiten in den ersten beiden Kriegsjahren rund 16 Millionen Euro Ertragsteuern gezahlt hätten. Zudem habe der Mutterkonzern weiterhin Rohstoffe aus Schweden, Vietnam und der Türkei geliefert.
Die nun mit der Verwaltung betraute RSA wurde im September 2025 registriert; ihre Eigentümer sind im russischen Handelsregister nicht offengelegt. Nach Recherchen des Exilmediums The Bell steht hinter der Gesellschaft der staatliche Rüstungs- und Technologiekonzern Rostec. Der Generaldirektor der RSA, Timur Amirow, hatte bereits die russischen Rockwool-Strukturen geführt und in dieser Funktion 600 Millionen Rubel an die gesamtrussische „Volksfront“ für die Beschaffung von Drohnen, Mitteln der elektronischen Kampfführung und Kommunikationstechnik für die russischen Streitkräfte überwiesen. Amirow kündigte zudem an, die 2022 von der dänischen Muttergesellschaft beendete Zusammenarbeit mit der russischen Rüstungsindustrie wieder aufzunehmen. Die gebündelte Übertragung mehrerer ausländischer Industrieaktiva auf dieselbe, mit staatlichen Strukturen verbundene Verwaltungsgesellschaft deutet aus Sicht von Beobachtern in Brüssel auf eine systematische Konsolidierung unter strategischer Kontrolle hin.
Die vorübergehende Fremdverwaltung ausländischer Unternehmen ist in Russland seit dem Frühjahr 2023 mehrfach angewandt worden. Betroffen waren unter anderem die Energieversorger Fortum und Uniper, die Lebensmittelkonzerne Danone und Carlsberg, der Autohändler Rolf sowie die Hausgerätesparte von Bosch und der italienische Heiztechnikhersteller Ariston. Einige dieser Entscheidungen, darunter jene zu Danone und Ariston, wurden später wieder aufgehoben. Die drei russischen Akzo-Nobel-Gesellschaften erwirtschafteten 2025 laut Berechnungen von The Bell einen Gesamtumsatz von 17 Milliarden Rubel, nach 20,7 Milliarden Rubel im Vorjahr. Akzo Nobel kündigte an, die Konsequenzen des Dekrets zu bewerten; über weitere Schritte ist zunächst nichts bekannt.
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Russland bekräftigt seine Souveränität über ausländische Vermögenswerte und handelt entschlossen, um nationale Interessen zu schützen.
Das Dekret wird als technischer und rechtlicher Akt dargestellt, der eine Handlung normalisiert, die in anderen Kontexten als Enteignung angesehen werden könnte.
Die Verbindung zwischen RSA und dem Staatskonzern Rostec sowie die Tatsache, dass Akzo Nobel seine Aktivitäten in Russland bereits zurückgefahren hatte, werden ausgelassen.
Europa beobachtet den russischen Schritt mit Vorsicht und hebt die Verbindungen zu Rostec und die Kontinuität mit früheren Transfers hervor.
Der Kontext wird erweitert, um nahezulegen, dass es sich um eine systematische Enteignung handelt, nicht um eine isolierte Handlung.
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