
Erster EU-Staatsbesuch in Syrien: Macron in Damaskus zu Gesprächen mit al-Scharaa
Der französische Präsident Emmanuel Macron ist als erster EU-Staatschef seit dem Sturz Assads nach Damaskus gereist, um über Wiederaufbau, Sicherheit und regionale Stabilität zu verhandeln.
Emmanuel Macron ist am Montagabend als erster Staatschef eines EU-Mitglieds seit dem Umsturz vom Dezember 2024 in der syrischen Hauptstadt Damaskus eingetroffen. Der französische Präsident wurde von Außenminister Asaad al-Schaibani empfangen und besuchte gemeinsam mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa die Umayyaden-Moschee. Im Gepäck hatte Macron 23 archäologische Objekte, die Syrien 2010 an das Institut du Monde Arabe in Paris ausgeliehen hatte und die wegen des Krieges nicht zurückgegeben werden konnten. Begleitet wird er von den Vorstandsvorsitzenden der Energiekonzerne TotalEnergies und des Reedereiriesen CMA CGM, was die wirtschaftliche Dimension der Reise unterstreicht. Die Visite war aus Sicherheitsgründen nicht vorab angekündigt worden; erst am Donnerstag waren bei einem Bombenanschlag auf ein Café in Damaskus zehn Menschen getötet worden.
Aus Sicht des Élysée-Palasts krönt die Reise eine über Jahre hinweg kohärente Politik der Unterstützung des syrischen Volkes. Paris will nach eigenen Angaben den Übergang zu einem freien, pluralistischen Staat fördern, der alle Bevölkerungsgruppen respektiert und zur Stabilisierung der Region beiträgt. Die syrische Staatsagentur SANA bezeichnete den Besuch als „historisch“ und als „entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung der internationalen Präsenz Syriens“. Al-Scharaa würdigte in einem Interview mit BFMTV die „konstruktive Rolle“ Frankreichs bei der Aufhebung der Sanktionen und kündigte die Unterzeichnung mehrerer Abkommen in den Bereichen Infrastruktur, Finanzwesen und Landwirtschaft an. In französischen Medien wird hingegen die Sorge laut, Paris könne seine menschenrechtspolitischen Grundsätze wirtschaftlichen Interessen opfern; so warnte der französisch-syrische Journalist Omar Youssef Souleimane in Le Figaro vor einem Ausverkauf von Werten.
Die Gespräche sollen neben dem Wiederaufbau auch die Sicherheitslage thematisieren. Frankreich erwartet von Damaskus eine wirksame Grenzkontrolle zu Libanon und eine Zusage, sich nicht in die dortigen Angelegenheiten einzumischen. Zudem drängt Paris auf den Schutz von Minderheiten, nachdem es im vergangenen Jahr zu sektiererischer Gewalt in den alawitischen und drusischen Gebieten gekommen war. Ein weiteres Thema ist der Verbleib einer kleinen Zahl französischer Dschihadisten auf syrischem Boden sowie die Einbindung Syriens in die internationale Koalition gegen die Terrororganisation Islamischer Staat, der sich Damaskus im vergangenen Jahr angeschlossen hat. Die kurdische Frage, die nach einer von Washington vermittelten Integrationsvereinbarung zwischen Damaskus und den kurdisch geführten Kräften im Februar an Brisanz verloren hat, dürfte ebenfalls zur Sprache kommen.
Die Reise Macrons ist Teil einer breiteren diplomatischen Neuausrichtung. Nachdem al-Scharaa im Mai 2025 in Paris und später in Washington empfangen worden war, haben die EU und die USA den Großteil ihrer Sanktionen gegen Syrien aufgehoben. Am Dienstag wird Macron in Damaskus offizielle Gespräche führen und anschließend zum NATO-Gipfel nach Ankara weiterreisen, wo US-Präsident Donald Trump am Rande mit al-Scharaa zusammentreffen soll. Aus Sicht westlicher Diplomaten unterstreicht die Visite die geopolitische Transformation Syriens unter einem früheren Al-Qaida-Kommandeur, der nun um internationale Legitimität und wirtschaftlichen Wiederaufbau wirbt. Die nächsten konkreten Schritte sind die Unterzeichnung von Absichtserklärungen am Dienstag sowie die Gespräche am Rande des NATO-Gipfels.
| Russische & GUS-Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | +0.30 | aligned |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
Macrons Besuch ist eine inszenierte Fototermin-Aktion; Frankreich versucht, mit einer leeren Geste nach Syrien zurückzukehren, wobei es mehr auf das Äußere als auf den Inhalt achtet.
Indem ein triviales Detail (die Sonnenbrille) hervorgehoben und die diplomatische Agenda ignoriert wird, reduziert die Erzählung den Besuch auf ein Eitelkeitsprojekt, das den französischen Präsidenten abgehoben und selbstverliebt erscheinen lässt.
Die Erzählung lässt die substanzielle diplomatische Agenda aus, einschließlich der Gespräche über Verfassung, Minderheitenrechte und die Rückgabe archäologischer Artefakte, sowie den historischen Kontext des ersten Besuchs eines westeuropäischen Staatsoberhaupts seit dem Sturz Assads.
Frankreich setzt auf das neue Syrien, bringt Unterstützung für einen pluralistischen Staat und kulturelle Achtung, wie die Rückgabe von Artefakten und der Besuch der Umayyaden-Moschee zeigen.
Indem die historische Bedeutung des Besuchs und die symbolischen Gesten (Rückgabe von Artefakten, Moscheebesuch) betont werden, legitimiert die Erzählung die neue syrische Führung und stellt Frankreich als wohlwollenden Partner im Übergang dar.
Die Erzählung lässt die kritische französische Innenperspektive aus, die fragt, ob Frankreich seine Werte für wirtschaftliche Verträge opfert, sowie die spöttische Verharmlosung des Besuchs, die in anderen Presseblöcken zu finden ist.
Frankreich riskiert, seine Werte für Geschäfte zu verraten; Macrons Besuch ist ambivalent, eine Mischung aus diplomatischer Normalisierung und potenziellem wirtschaftlichem Opportunismus.
Indem die erklärten Werte von Freiheit und Pluralismus den wirtschaftlichen Interessen der Delegation gegenübergestellt werden, erzeugt die Erzählung ein moralisches Dilemma und hinterfragt die Aufrichtigkeit von Frankreichs Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien.
Die Erzählung lässt die positiven symbolischen Gesten des Besuchs aus, wie die Rückgabe archäologischer Artefakte und den Besuch der Umayyaden-Moschee, sowie die historische Bedeutung als erster Besuch eines westeuropäischen Staatsoberhaupts seit dem Sturz Assads.
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