
Ukrainische Drohnenangriffe drücken russische Benzinproduktion auf 65 Prozent des Bedarfs
Die Treibstoffknappheit zwingt Moskau zu Exportstopps und Importen; in fast allen Regionen bilden sich Schlangen an Tankstellen.
Die russische Benzinproduktion deckt nach Branchenangaben nur noch rund 65 Prozent des saisonalen Spitzenbedarfs. Das tägliche Defizit beläuft sich auf 40.000 bis 45.000 Tonnen, nachdem es im Juni noch bei 25 Prozent gelegen hatte. Auslöser sind massive ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien, Terminals und Tankschiffe, die am 10. Juli erneut Anlagen in Krasnodar, Leningrad und Rostow sowie zehn Tanker im Asowschen Meer trafen.
Die Schäden haben die beiden größten Benzinproduzenten des Landes – die Anlagen NORSI von Lukoil und Omsk von Gazprom Neft – sowie das Saratower Werk von Rosneft zum Stillstand gezwungen. Aus Kiewer Militärkreisen heißt es, Ziel sei es, die Treibstoffversorgung der russischen Truppen einzuschränken und die Krim zu isolieren. Westliche Nachrichtenagenturen berichten unter Berufung auf Industriequellen, dass die Ausfälle inzwischen fast alle der 83 russischen Regionen betreffen; in Nowosibirsk wurde erhöhte Bereitschaft ausgerufen, in Transbaikalien warten Autofahrer tagelang auf Kraftstoff.
Die Regierung in Moskau hat mit einem vollständigen Exportstopp für Diesel, Benzin und Flugkraftstoff reagiert und bezieht zunehmend Importe. Aus Belarus erreichen täglich bis zu 6.000 Tonnen Benzin Russland, zudem hat der Seetransport aus Indien begonnen. Vizepremier Alexander Nowak räumte öffentlich ein, dass es „Probleme und ein Defizit“ gebe, verursacht durch die „Einschläge“ der Drohnen. Präsident Putin bezeichnete die Angriffe als Versuch, der Wirtschaft zu schaden und Unruhe in der Gesellschaft zu stiften. Zur kurzfristigen Entspannung prüft die Regierung eine vorübergehende Absenkung der Umweltnormen auf Euro-2 sowie Swap-Geschäfte zur Optimierung der Logistik.
Branchenvertreter erwarten eine Besserung in der zweiten Julihälfte, sofern keine weiteren Angriffe erfolgen und die Raffinerien die Produktion wieder aufnehmen. Strukturell bleibt der russische Treibstoffmarkt jedoch anfällig: Die Reparaturzeiten sind lang, und die Importabhängigkeit steigt. Der ukrainische Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj erklärte unterdessen, ein Wendepunkt im Krieg sei „noch weit entfernt“.
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