
Peking gelingt erstmals kontrollierte Rückkehr einer orbitalen Raketenstufe
China hat am Freitag erstmals die erste Stufe einer Trägerrakete nach einem Orbitalflug geborgen und damit einen historischen Durchbruch in der Mehrwegtechnologie erzielt.
China ist am Freitag der erstmalige kontrollierte Rücktransport der ersten Stufe einer orbitalen Trägerrakete gelungen. Die Long March 10B startete um 12:15 Uhr Ortszeit vom kommerziellen Weltraumbahnhof Wenchang auf Hainan und setzte etwa sechs Minuten nach der Stufentrennung vertikal auf einer schwimmenden Plattform im Südchinesischen Meer auf. Die staatliche China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) sprach von einem „historischen Durchbruch“. Unmittelbar nach der Bekanntgabe stiegen die Aktien der börsennotierten chinesischen Raumfahrtunternehmen China Spacesat und China Satellite Communications um den maximal zulässigen Tageswert von zehn Prozent.
Anders als die Falcon 9 von SpaceX, die mit ausklappbaren Landebeinen auf Drohnenschiffen aufsetzt, setzt die Long March 10B auf ein Netzfangsystem. Spezielle Landehaken am Booster greifen in ein über der Plattform gespanntes Kabelnetz. Diese Methode reduziert nach Angaben der China Academy of Launch Vehicle Technology (CALT) das Gewicht der Rakete und vergrößert das zulässige Zielfenster. Die zweistufige, mit Kerosin und Flüssigsauerstoff betriebene Rakete kann in der wiederverwendbaren Konfiguration bis zu 16 Tonnen Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen. China ist damit nach den US-Unternehmen SpaceX (2015) und Blue Origin (2025) der dritte Akteur, der eine orbitale Booster-Rückführung beherrscht.
Der Testflug fällt in eine Woche erhöhter strategischer Sichtbarkeit der chinesischen Raumfahrt- und Militärkapazitäten. Wenige Tage zuvor hatte Peking den Test einer nuklearfähigen Langstreckenrakete von einem Atom-U-Boot in den Südpazifik bestätigt. Die Rakete schlug innerhalb der atomwaffenfreien Zone des Vertrags von Rarotonga ein. Pazifische Inselstaaten, darunter Tonga, Tuvalu und die Salomonen, verurteilten den Test scharf. Tongas Premierminister Fakafānua sprach von „geschaffenen Spannungen“, während der salomonische Regierungschef Wale erklärte, so etwas tue „ein Freund nicht“. Aus Washingtoner Sicht unterstrich das US-Außenministerium die Sorge vor dem „schnellen und undurchsichtigen Ausbau“ des chinesischen Nukleararsenals.
Für die zivile Raumfahrt bedeutet die erfolgreiche Bergung einen Kostensprung. CASC kündigte an, die geborgene Stufe noch in diesem Jahr wiedereinzusetzen. Die Long March 10B ist Teil der für bemannte Mondmissionen vor 2030 entwickelten Raketenfamilie. Parallel arbeiten mehrere private chinesische Firmen an eigenen Mehrwegraketen, nachdem frühere Landeversuche von LandSpace und Sast im Dezember gescheitert waren. Der nächste Meilenstein ist der geplante Wiederflug der Stufe, mit dem Peking die Betriebstauglichkeit des Systems demonstrieren will.
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China schließt die Lücke zu den USA und fordert deren Vorherrschaft in der Technologie wiederverwendbarer Raketen heraus.
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