
KI-Boom treibt Südkoreas Wachstumsprognose – und stürzt Aktienmarkt in Baisse
Die Regierung in Seoul hebt die Konjunkturprognose für 2026 auf 3 Prozent an, doch der KOSPI verliert ein Viertel seines Wertes, weil hochverschuldete Privatanleger unter Verkaufsdruck geraten.
Die südkoreanische Regierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr 2026 von 2 auf 3 Prozent angehoben. Finanzminister Koo Yun-cheol begründete den Schritt mit dem Boom bei Halbleiterexporten, der von der globalen Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz getrieben wird. Die Schätzung liegt deutlich über den Prognosen des Internationalen Währungsfonds, der OECD und der Asiatischen Entwicklungsbank, die jeweils 2,6 Prozent erwarten. Das Finanzministerium rechnet mit einem Anstieg der Ausfuhren um 40 Prozent und einem historischen Leistungsbilanzüberschuss von 290 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wurde die Inflationserwartung wegen höherer Ölpreise und der Nahost-Spannungen von 2,1 auf 2,6 Prozent korrigiert.
Dieselbe KI-getriebene Chipkonjunktur, die den Exportmotor antreibt, hat den KOSPI-Index in den vergangenen Monaten auf Rekordhöhen von über 9.000 Punkten katapultiert. Doch dieser Höhenflug ist in eine scharfe Korrektur umgeschlagen. Der Leitindex notiert inzwischen unter 7.000 Punkten und hat seit seinem Höchststand Ende Juni rund ein Viertel an Wert verloren – ein Bärenmarkt. Auslöser ist eine massive Entschuldungswelle unter Privatanlegern, die sich während der Rally mit Krediten in Rekordhöhe eingedeckt hatten. Die ausstehenden Margin-Schulden erreichten 38 Billionen Won (etwa 248 Milliarden Dollar), konzentriert auf die Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix, die zusammen mehr als die Hälfte der KOSPI-Marktkapitalisierung ausmachen.
Mit dem Kursrutsch wurden nach Angaben der Finanzaufsicht rund 120.000 gehebelte Anlegerkonten mit Nachschussforderungen konfrontiert; etwa 32.000 bis 36.000 davon mussten zwangsglattgestellt werden. Die Einlagen der Privatanleger bei den Brokern schrumpften binnen eines Monats um 30 Billionen Won. Ausländische Investoren zogen in diesem Jahr bereits die Rekordsumme von nahezu 110 Milliarden Dollar aus südkoreanischen Aktien ab, was den Verkaufsdruck verstärkte. Die Notenbank signalisierte unterdessen für ihre Sitzung am 16. Juli eine mögliche Zinserhöhung, da die Inflation über dem Zielwert von 2 Prozent liegt. Die Finanzaufsicht kündigte an, die Vermarktung von Einzelaktien-ETFs zu überprüfen.
Die Regierung in Seoul will die sprudelnden Steuereinnahmen aus dem Chipboom nutzen, um einen „Zukunftsfonds“ für Investitionen in Schlüsselindustrien, Jugend, Regionalentwicklung und Bildung aufzulegen. Präsident Lee Jae Myung sprach von einem „goldenen Fenster“. Zugleich mahnte das Finanzministerium eine wachsame Politik an, um der wachsenden Vermögenspolarisierung entgegenzuwirken. Der weitere Kursverlauf am KOSPI dürfte maßgeblich von der Zinsentscheidung der Bank of Korea und der Stabilisierung der US-Halbleiterwerte abhängen.
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