
Goldpreis fällt auf Zwei-Wochen-Tief – Ölpreisschub schürt Inflationssorgen
Der Goldpreis fiel auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen, erholte sich dann aber leicht, während steigende Ölpreise infolge der US-iranischen Spannungen die Inflationserwartungen und Zinserhöhungsspekulationen anheizten.
Der Goldpreis fiel am Dienstag im frühen Handel auf 3.993,83 Dollar je Feinunze und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Auslöser war ein kräftiger Anstieg der Rohölpreise um rund 9 Prozent am Vortag, nachdem sich die militärischen Spannungen zwischen den USA und Iran im Persischen Golf verschärft hatten. Die US-Streitkräfte flogen in der dritten Nacht in Folge Angriffe auf iranische Stellungen, und in der Straße von Hormus gerieten zwei Tanker unter Beschuss. Der Ölpreisschub nährte Inflationssorgen und ließ die Erwartung weiterer Leitzinserhöhungen in den Vereinigten Staaten steigen, was den zinslosen Goldpreis belastete. Im weiteren Verlauf erholte sich das Edelmetall jedoch leicht und notierte bei 4.021 Dollar, da die Märkte auf die anstehenden US-Inflationsdaten warteten.
Der Mechanismus ist bekannt: Höhere Energiekosten treiben die Verbraucherpreise, was die Federal Reserve zu einer strafferen Geldpolitik veranlassen könnte. Christopher Waller, Gouverneur der Notenbank, hatte am Montag erklärt, die Zinsen könnten „kurzfristig“ steigen, falls die Daten eine anhaltend hohe Inflation oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels zeigten. Die Terminmärkte preisten daraufhin eine Zinserhöhung im September mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 76 Prozent ein, verglichen mit 57 Prozent eine Woche zuvor. Aus Washingtoner Sicht steht die Geldpolitik damit an einem „Scheideweg“, wie Waller betonte.
Auch andere Edelmetalle gerieten unter Druck: Silber fiel um 1,2 Prozent auf 56,98 Dollar, Platin gab um 1 Prozent auf 1.589,35 Dollar nach, und Palladium verlor 0,4 Prozent auf 1.242,54 Dollar. An den Devisenmärkten zeigte sich der Dollar-Index mit 101,18 Punkten kaum verändert, während der Euro leicht auf 1,1392 Dollar zulegte. Der japanische Yen notierte mit 162,30 je Dollar in der Nähe seines 40-Jahres-Tiefs; Finanzministerin Satsuki Katayama hatte zuvor angedeutet, Tokio könne die Anlagestrategie des staatlichen Pensionsfonds überdenken, um heimische Anlagen zu stärken. Der australische und der neuseeländische Dollar legten hingegen zu, da auch dort Zinserhöhungserwartungen zunahmen.
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise für Juni im Tagesverlauf sowie auf die Erzeugerpreise und die halbjährliche Anhörung von Notenbankchef Kevin Warsh vor dem Kongress in dieser Woche. Diese Daten werden als entscheidend für den kurzfristigen Zins- und Goldpreispfad angesehen. Aus Brüsseler Perspektive rückte zudem der Goldhandel in den Fokus: Die Europäische Union verhängte neue Sanktionen gegen den Sudan, die auf den Goldsektor abzielen, der nach EU-Angaben zur Finanzierung des dortigen Militärkonflikts genutzt wird.
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