
Südamerika rüstet sich gegen „Super-Niño“: Energieengpässe, marode Brücken und Seuchengefahr
Die erwartete starke El-Niño-Phase setzt Andenstaaten unter Druck: Kolumbien drohen Stromausfälle, Peru kämpft mit verfallener Infrastruktur, und in Brasilien warnt man vor steigenden Dengue-Fällen.
Die meteorologischen Behörden mehrerer südamerikanischer Länder bestätigen das Eintreffen eines außergewöhnlich intensiven El Niño. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und des peruanischen ENFEN liegt die Wahrscheinlichkeit für ein „sehr starkes“ Ereignis bei 81 Prozent; es könnte bis April 2027 andauern. Bereits jetzt verzeichnen Regionen wie Lambayeque an der Küste Perus einen Stillstand der handwerklichen Fischerei, während in Kolumbien die Pegel der Wasserkraftreservoire unter dem langjährigen Mittel liegen. Historische Daten aus Uruguay, wo das Sistema Nacional de Emergencias (Sinae) auf Aufzeichnungen seit 1998 zurückgreift, zeigen ein ungleichmäßiges Schadensmuster, das die Regierung Orsi für eine gezielte Ressourcenlenkung nutzen will.
Besonders prekär ist die Lage in Kolumbien, wo das Energiesystem ohnehin unter strukturellen Defiziten leidet. Der von Präsident Petro verhängte nationale Katastrophenzustand erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die zentrale Gasregasifizierungsanlage in Cartagena vom 30. Juli an für mehrere Tage abgeschaltet wird. Dies setzt 76,6 Prozent der thermischen Kapazität im karibischen Netzgebiet außer Betrieb. Das Ministerium für Bergbau und Energie hat deshalb angewiesen, Telearbeit und virtuelle Schulstunden zu fördern, um die Stromnachfrage zu dämpfen. Unternehmensverbände wie die ANDI und Andesco warnten indes vor einem drohenden „Blackout“ und machten die zögerliche Genehmigung von Übertragungsprojekten sowie eine ideologisch getriebene Energiepolitik für die Engpässe verantwortlich. Der Versorger EPM bezifferte das Defizit an fester Leistung auf 700 Megawatt und forderte einen schnelleren Ausbau von Gaskraftwerken und Speichern.
In Peru offenbart sich parallel ein Investitionsstau bei der Infrastruktur. Laut der Aufsichtsbehörde Ositrán sind mehr als 80 Brücken auf nationalen Fernstraßen in kritischem Zustand; nur sechs von ursprünglich 99 als sanierungsbedürftig gemeldeten Bauwerken wurden instandgesetzt. Die designierte Präsidentin Keiko Fujimori sprach nach der Überprüfung der Amtsübergabe von einem „katastrophal hinterlassenen Staat“: In den Ministerien fehlten Notfallpläne für El Niño, Medikamentenvorräte seien abgelaufen. Der Landwirtschaftsverband AGAP warnt, dass über acht Millionen Menschen und 2,5 Millionen Hektar Anbaufläche im Hochrisikogebiet liegen. Die nationale Gesundheitsbehörde Brasiliens wiederum richtet ihre Aufmerksamkeit auf die erwartete Zunahme von Arbovirosen: Die Stiftung Fiocruz rechnet für 2027 mit bis zu 1,7 Millionen Dengue-Fällen, ein Anstieg, der durch wärmebedingte Brutplatzvermehrung der Aedes-Mücke begünstigt wird. Während die uruguayische Regierung schon kommende Woche eine interinstitutionelle Abstimmung mit den Departementschefs ansetzt, steht für Kolumbien die kurzfristige Bewältigung des Wartungsfensters an der Regasifizierungsanlage obenan – der nächste Härtetest für die Übergangsregierung.
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