
Freiwillige Abgänge und Rentenreform: Europas Unternehmen passen sich dem Strukturwandel an
Santander und Renault verhandeln Vorruhestandsregelungen für Tausende Beschäftigte, während die UBS eine grundlegende Reform des Schweizer Vorsorgesystems anmahnt.
Innerhalb weniger Tage haben mit dem spanischen Banco Santander und dem französischen Automobilhersteller Renault zwei grosse europäische Konzerne Gespräche über umfangreiche Personalanpassungen auf freiwilliger Basis aufgenommen. Santander verhandelt mit den Gewerkschaften über ein Vorruhestandsprogramm, das nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen bis zu 3.000 der rund 20.000 Beschäftigten in Spanien betreffen könnte – das Institut selbst nennt keine Zielzahl. Renault kündigte einen Plan an, der bis Ende 2027 den Abbau von 800 Ingenieurstellen in Frankreich vorsieht, vornehmlich durch vorzeitige Pensionierungen und freiwillige Austritte. Beide Programme sind Teil einer Neuausrichtung, die auf Automatisierung, Künstliche Intelligenz und verschärften internationalen Wettbewerb reagiert.
Die Mechanismen ähneln sich: Santander bietet Beschäftigten zwischen 55 und 57 Jahren 74 Prozent des jährlichen Bruttogehalts, ab 58 Jahren 76 Prozent, und stellt die Fortführung von Betriebsrentenbeiträgen sowie die Weiterversicherung in Aussicht. Die Gewerkschaften fordern eine Ausweitung der Konditionen über das Niveau des letzten ERE von 2020 hinaus und verweisen auf die Rekordgewinne des Instituts. Renault kombiniert den Stellenabbau mit der internen Versetzung von rund 500 Ingenieuren und der Neueinstellung von 150 bis 200 Fachkräften für Software, Künstliche Intelligenz und Elektrifizierung. Beide Unternehmen betonen die Freiwilligkeit; betriebsbedingte Kündigungen sind nicht vorgesehen.
Die Verhandlungen bei Santander sollen bis Juli dauern und könnten sich auf einen Zeitraum bis 2028 erstrecken. Bereits 2025 verliessen etwa 800 Beschäftigte das Institut über ein ähnliches Programm, in diesem Jahr waren es bislang 400. In Spanien hat Santander seit 2016 mehr als die Hälfte seiner Filialen geschlossen und beschäftigte zuletzt noch 1.607 Geschäftsstellen. Renault begründet den Umbau seiner Ingenieurssparte mit dem wachsenden Marktanteil chinesischer Hersteller in Europa, der von unter 3 Prozent im Jahr 2024 auf 8,8 Prozent Ende Mai gestiegen ist. Frankreich bleibe jedoch das zentrale Ingenieurszentrum des Konzerns.
Parallel zu diesen betrieblichen Anpassungen hat die UBS eine Studie zur Zukunft der Altersvorsorge in der Schweiz vorgelegt. Die Ökonomen der Grossbank schlagen ein Massnahmenpaket vor, das einen vierten Pfeiler, die Stärkung der AHV und eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters umfasst. Die Vorschläge seien bewusst als Kompromiss gedacht, um die politische Blockade zu überwinden, erklärte UBS-Ökonom James Mazeau. Sie spiegeln den demografischen Druck, der auch die Personalstrategien der Unternehmen prägt: Wo die Erwerbsbevölkerung altert und digitale Technologien Routinetätigkeiten ersetzen, werden Vorruhestandsmodelle und Rentenreformen zu zwei Seiten derselben medaille.
Die nächsten konkreten Schritte sind die Fortsetzung der Tarifverhandlungen bei Santander mit dem Ziel einer Einigung bis Mitte Juli sowie die Umsetzung des Renault-Plans, der bis Ende 2027 abgeschlossen sein soll. In der Schweiz dürfte die UBS-Studie in die laufende rentenpolitische Debatte einfliessen, ohne dass unmittelbare Gesetzesinitiativen angekündigt wären.
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Europäische Unternehmen begegnen dem Strukturwandel mit freiwilligen Vorruhestandsregelungen und Rentenreformen. Im Mittelpunkt stehen langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Sozialpartnerschaft, während Vorschläge wie ein Vier-Säulen-Modell die Altersvorsorge zukunftsfest machen sollen.
Große europäische Konzerne greifen zu Massenentlassungen, die als freiwillige Vorruhestandsregelungen getarnt sind, angetrieben von künstlicher Intelligenz und chinesischer Konkurrenz. Die Beschäftigten tragen die Kosten der Umstrukturierung, während die Gewerkschaften ohne feste Zusagen verhandeln.
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