Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETDonnerstag, 2. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen775 Briefings heute
Justiz & RechtDienstag, 30. Juni 2026

EU-Staatsanwaltschaft durchsucht Büros in vier Ländern wegen mutmaßlicher Zweckentfremdung von ID-Geldern

Die Europäische Staatsanwaltschaft vollzieht in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien Ermittlungsmaßnahmen gegen die frühere Rechtsaußen-Fraktion Identität und Demokratie.

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat am Dienstag in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien Durchsuchungen durchgeführt. Sie richten sich gegen die frühere Fraktion Identität und Demokratie (ID) im Europäischen Parlament, der in der Legislaturperiode 2019 bis 2024 unter anderem das Rassemblement National (RN), die Lega und die AfD angehörten. Nach Angaben der EPPO besteht der Verdacht, dass die Fraktion in diesem Zeitraum EU-Gelder in Höhe von rund 4,33 Millionen Euro zweckentfremdet hat. Die Durchsuchungen fanden laut übereinstimmenden Medienberichten bei Kommunikationsdienstleistern statt, die für die Fraktion tätig waren. Die Ermittlungen waren im Juli 2025 nach einem Bericht der Direktion für Finanzangelegenheiten des Parlaments eingeleitet worden.

Aus den Reihen des Rassemblement National wird der Zeitpunkt der Aktion scharf kritisiert. Parteichef Jordan Bardella sprach auf der Plattform X von einer „Schikane-Operation“ und verwies darauf, dass die Justizverfahren stets den Wahlkalender ankündigten. In Pariser Beobachterkreisen wird diese Reaktion mit der anstehenden Entscheidung des Berufungsgerichts vom 7. Juli in Verbindung gebracht: Dann soll über die Bestätigung der Unwählbarkeit Marine Le Pens im Verfahren um parlamentarische Assistenten entschieden werden. Die EPPO hingegen betont ihre Unabhängigkeit als Organ der Union, das allein dem Schutz der finanziellen Interessen der EU verpflichtet sei, und lehnt weitergehende Auskünfte ab, um den Verfahrensausgang nicht zu gefährden.

Die Durchsuchungen erweitern die juristischen Belastungen für das RN und seine Bündnispartner. Neben dem Berufungsverfahren gegen Le Pen, das ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 blockieren könnte, berichtet die französische Presse über ein mögliches weiteres Ermittlungsverfahren gegen Bardella selbst. Dabei geht es um eine wenige Monate dauernde Tätigkeit als parlamentarischer Assistent aus dem Jahr 2015. Die Antikorruptionsvereinigung Anticor hat in dieser Sache Strafanzeige erstattet und die Einsetzung eines Untersuchungsrichters beantragt. Bardella erklärte, man habe sich nichts vorzuwerfen und werde dies belegen.

Die Fraktion Identität und Demokratie wurde nach der Europawahl 2024 aufgelöst; ein Teil ihrer Mitglieder ist in der neugegründeten Fraktion Patrioten für Europa (PFE) unter Bardellas Vorsitz aufgegangen. Die EPPO, offiziell 2021 errichtet, ist für die strafrechtliche Verfolgung von Delikten zum Nachteil des EU-Haushalts zuständig. Die aktuellen Maßnahmen sind Teil eines laufenden Ermittlungsverfahrens, zu dem die Behörde vorerst keine weiteren Einzelheiten nennt. Als nächster verfahrensrelevanter Termin gilt der 7. Juli, an dem das Pariser Berufungsgericht über die politische Zukunft Marine Le Pens befinden wird.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

0%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseAtlantische / angloamerikanische Presse
Kontinentaleuropäische Presse
EmpörungAlarmSchadenfreude

Die Ermittlungen bestätigen den Verdacht, dass die frühere Fraktion Identität und Demokratie zwischen 2019 und 2024 4,33 Millionen Euro an EU-Geldern zweckentfremdet hat. Razzien in vier Ländern zielen auf Dienstleister des Rassemblement National und legen ein undurchsichtiges Finanzierungssystem der extremen Rechten offen. Die kontinentale Öffentlichkeit verfolgt mit einer Mischung aus Alarm und Schadenfreude den Fall jener, die sich als Transparenzhüter aufspielten.

Atlantische / angloamerikanische Presse
AlarmDringlichkeitIronie

Eine großangelegte Aktion in vier europäischen Ländern erschüttert die extreme Rechte des Kontinents: Der früheren Fraktion Identität und Demokratie wird vorgeworfen, Millionen an EU-Geldern abgezweigt zu haben. Die Razzien im Morgengrauen befeuern die Erzählung eines Skandals, der finanzielle Undurchsichtigkeit mit souveränistischer Rhetorik verbindet. Angloamerikanische Medien betonen die Ironie, dass ausgerechnet Anti-Brüssel-Parteien wegen Missbrauchs von Unionsgeldern ermittelt werden.

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Trump nutzt erstmals den von Katar geschenkten Präsidentenjet – ethische und sicherheitspolitische Bedenken·Russischer Großangriff auf Kiew: Tote und Zerstörung nach Raketen- und Drohnensalven·Erste Fahrzeuge für Gaza-Stabilisierungstruppe eingetroffen – politische Blockade hält an·Wimbledon: Grant scheitert an Bouzkova, Sonego im dritten Satz in Bedrängnis·Chinas technologische Breitseite: J-15T auf allen Trägern, mobile EMALS und Muskelmonitor im All·EU öffnet Markt für 80 Prozent der armenischen Exporte als Replik auf Moskaus Handelsrestriktionen·Weltbank stuft Vietnam, Philippinen und Sri Lanka höher – neue Dynamik in Asien·Nigeria: Mindestens 18 Tote bei Landkonflikt, UN-Bericht spricht von 48 Opfern·Trump nutzt erstmals den von Katar geschenkten Präsidentenjet – ethische und sicherheitspolitische Bedenken·Russischer Großangriff auf Kiew: Tote und Zerstörung nach Raketen- und Drohnensalven·Erste Fahrzeuge für Gaza-Stabilisierungstruppe eingetroffen – politische Blockade hält an·Wimbledon: Grant scheitert an Bouzkova, Sonego im dritten Satz in Bedrängnis·Chinas technologische Breitseite: J-15T auf allen Trägern, mobile EMALS und Muskelmonitor im All·EU öffnet Markt für 80 Prozent der armenischen Exporte als Replik auf Moskaus Handelsrestriktionen·Weltbank stuft Vietnam, Philippinen und Sri Lanka höher – neue Dynamik in Asien·Nigeria: Mindestens 18 Tote bei Landkonflikt, UN-Bericht spricht von 48 Opfern·
Akt. 20:373 Sprachen · 6 Quellen
6 Quellen|3 Sprachen|2 Min. Lesezeit
Dienstag, 30. Juni 2026

EU-Staatsanwaltschaft durchsucht Büros in vier Ländern wegen mutmaßlicher Zweckentfremdung von ID-Geldern

Die Europäische Staatsanwaltschaft vollzieht in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien Ermittlungsmaßnahmen gegen die frühere Rechtsaußen-Fraktion Identität und Demokratie.

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat am Dienstag in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien Durchsuchungen durchgeführt. Sie richten sich gegen die frühere Fraktion Identität und Demokratie (ID) im Europäischen Parlament, der in der Legislaturperiode 2019 bis 2024 unter anderem das Rassemblement National (RN), die Lega und die AfD angehörten. Nach Angaben der EPPO besteht der Verdacht, dass die Fraktion in diesem Zeitraum EU-Gelder in Höhe von rund 4,33 Millionen Euro zweckentfremdet hat. Die Durchsuchungen fanden laut übereinstimmenden Medienberichten bei Kommunikationsdienstleistern statt, die für die Fraktion tätig waren. Die Ermittlungen waren im Juli 2025 nach einem Bericht der Direktion für Finanzangelegenheiten des Parlaments eingeleitet worden.

Aus den Reihen des Rassemblement National wird der Zeitpunkt der Aktion scharf kritisiert. Parteichef Jordan Bardella sprach auf der Plattform X von einer „Schikane-Operation“ und verwies darauf, dass die Justizverfahren stets den Wahlkalender ankündigten. In Pariser Beobachterkreisen wird diese Reaktion mit der anstehenden Entscheidung des Berufungsgerichts vom 7. Juli in Verbindung gebracht: Dann soll über die Bestätigung der Unwählbarkeit Marine Le Pens im Verfahren um parlamentarische Assistenten entschieden werden. Die EPPO hingegen betont ihre Unabhängigkeit als Organ der Union, das allein dem Schutz der finanziellen Interessen der EU verpflichtet sei, und lehnt weitergehende Auskünfte ab, um den Verfahrensausgang nicht zu gefährden.

Die Durchsuchungen erweitern die juristischen Belastungen für das RN und seine Bündnispartner. Neben dem Berufungsverfahren gegen Le Pen, das ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 blockieren könnte, berichtet die französische Presse über ein mögliches weiteres Ermittlungsverfahren gegen Bardella selbst. Dabei geht es um eine wenige Monate dauernde Tätigkeit als parlamentarischer Assistent aus dem Jahr 2015. Die Antikorruptionsvereinigung Anticor hat in dieser Sache Strafanzeige erstattet und die Einsetzung eines Untersuchungsrichters beantragt. Bardella erklärte, man habe sich nichts vorzuwerfen und werde dies belegen.

Die Fraktion Identität und Demokratie wurde nach der Europawahl 2024 aufgelöst; ein Teil ihrer Mitglieder ist in der neugegründeten Fraktion Patrioten für Europa (PFE) unter Bardellas Vorsitz aufgegangen. Die EPPO, offiziell 2021 errichtet, ist für die strafrechtliche Verfolgung von Delikten zum Nachteil des EU-Haushalts zuständig. Die aktuellen Maßnahmen sind Teil eines laufenden Ermittlungsverfahrens, zu dem die Behörde vorerst keine weiteren Einzelheiten nennt. Als nächster verfahrensrelevanter Termin gilt der 7. Juli, an dem das Pariser Berufungsgericht über die politische Zukunft Marine Le Pens befinden wird.

Divergenz der Quellen

Justiz & Recht · 6 Quellen · 3 Sprachen

0%Niedrig

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Kritisch100%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseAtlantische / angloamerikanische Presse
Kontinentaleuropäische Presse
EmpörungAlarmSchadenfreude

Die Ermittlungen bestätigen den Verdacht, dass die frühere Fraktion Identität und Demokratie zwischen 2019 und 2024 4,33 Millionen Euro an EU-Geldern zweckentfremdet hat. Razzien in vier Ländern zielen auf Dienstleister des Rassemblement National und legen ein undurchsichtiges Finanzierungssystem der extremen Rechten offen. Die kontinentale Öffentlichkeit verfolgt mit einer Mischung aus Alarm und Schadenfreude den Fall jener, die sich als Transparenzhüter aufspielten.

Atlantische / angloamerikanische Presse
AlarmDringlichkeitIronie

Eine großangelegte Aktion in vier europäischen Ländern erschüttert die extreme Rechte des Kontinents: Der früheren Fraktion Identität und Demokratie wird vorgeworfen, Millionen an EU-Geldern abgezweigt zu haben. Die Razzien im Morgengrauen befeuern die Erzählung eines Skandals, der finanzielle Undurchsichtigkeit mit souveränistischer Rhetorik verbindet. Angloamerikanische Medien betonen die Ironie, dass ausgerechnet Anti-Brüssel-Parteien wegen Missbrauchs von Unionsgeldern ermittelt werden.

Diese Nachricht erschien in

6 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Trump fliegt erstmals mit von Katar geschenkter Präsidentenmaschine

10 Sprachen · 26 Quellen

Aus Economy & Markets

Washington verweigert Verlängerung des nordamerikanischen Handelsabkommens um 16 Jahre

7 Sprachen · 20 Quellen

Aus Technology

Indien stoppt WhatsApps Nutzernamen-Funktion – Sorge vor Identitätsbetrug

4 Sprachen · 21 Quellen

Mehr lesen