
Fragmentiertes Inflationsbild: Marokko verzeichnet Entspannung, Brasilien und Oman unter Druck
Während die Teuerung in Marokko auf 1,2 Prozent zurückgeht und der Notenbank Spielraum verschafft, treiben steigende Inflationserwartungen in Brasilien die Zinsprognosen in die Höhe.
Die marokkanische Statistikbehörde HCP meldete für Mai einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 1,7 Prozent im April. Der Rückgang geht maßgeblich auf um 0,7 Prozent gesunkene Nahrungsmittelpreise zurück, während nicht-alimentäre Güter – angeführt von Transportkosten mit plus 8,1 Prozent – weiter zulegten. Auf Monatssicht fiel das Preisniveau sogar um 0,9 Prozent, getrieben von saisonalen Rückgängen bei Gemüse, Fisch und Fleisch. Die Kerninflation, die volatile Preise ausklammert, lag mit minus 0,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Aus Sicht der Zentralbank in Rabat eröffnet die nachlassende Teuerung zusätzlichen Spielraum, um mit einer stabilen Geldpolitik das Wirtschaftswachstum zu stützen.
Ein gegensätzliches Bild zeigt sich in Brasilien. Dort weitete sich die Kluft zwischen Notenbank und Finanzmarkt nach der jüngsten Zinsentscheidung des Copom aus. Die im „Focus“-Bulletin erhobenen Inflationserwartungen für 2026 stiegen in der vierzehnten Woche in Folge auf 5,30 Prozent, für 2027 auf 4,10 Prozent. Händler und Ökonomen in São Paulo werten die Kommunikation des Zentralbankchefs als zu nachgiebig gegenüber dem Inflationsziel von 3 Prozent. Die impliziten Inflationsraten, abgeleitet aus der Differenz nominaler und realer Staatsanleihen, sprangen in der Folge deutlich an. Die Marktteilnehmer preisten daraufhin einen höheren Leitzins ein: Die Selic-Prognose für Ende 2026 kletterte auf 13,75 Prozent, für 2027 auf 12 Prozent.
Auch in anderen Regionen bleibt der Preisdruck uneinheitlich. In Oman stieg der Verbraucherpreisindex im Mai um 3,8 Prozent im Jahresvergleich, angetrieben von persönlichen Gütern und Dienstleistungen (9,6 Prozent) sowie Transport (9,2 Prozent). Die ghanaische Erzeugerpreisinflation sprang von 2,7 auf 5,8 Prozent, vor allem wegen eines Schubs im Bergbau (11,0 Prozent). Das Statistikamt in Accra mahnte eine engere Überwachung der Lieferketten an, um ein Durchschlagen auf die Verbraucherpreise zu verhindern. In Libanon lag die Jahresteuerung im Mai bei 19,04 Prozent, wobei die Preiserhebung in der Provinz Nabatäa aufgrund der Sicherheitslage nur eingeschränkt möglich war.
Für die kommenden Wochen richten sich die Blicke auf die geldpolitischen Signale aus Rabat und Brasília. Während die marokkanische Notenbank auf eine Fortsetzung des disinflationären Trends hofft, wird der Copom in seinem nächsten Sitzungsprotokoll erläutern müssen, wie er die auseinanderdriftenden Erwartungen wieder einfangen will. Die vorläufige Verbraucherstimmung in der Eurozone, die an diesem Montag erwartet wird, könnte zudem Hinweise auf die Nachfragedynamik im gemeinsamen Währungsraum liefern.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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In Marokko sank die Inflation im Mai auf 1,2%, begünstigt durch fallende Lebensmittelpreise, während im Libanon der Verbraucherpreisindex weiter stieg und die Jahresrate auf 19% kletterte. Die Kluft verdeutlicht eine wachsende Spaltung zwischen sich stabilisierenden Volkswirtschaften und solchen, die noch in Preisspiralen gefangen sind.
Nach der jüngsten Copom-Entscheidung preisten die Märkte eine höhere Inflation ein und sahen die Zentralbank als zu nachsichtig an. Die impliziten Inflationsmaße schossen in die Höhe, der Real schwächte sich ab und die Inflationsprognosen der Analysten für 2026 stiegen die 14. Woche in Folge.
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