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Gesellschaft & KulturMontag, 22. Juni 2026

Die neue Stille der Mailänder Modewoche: Prada, Armani und die Abkehr vom Überfluss

In Mailand zeigten die grossen Häuser für den Sommer 2027 eine Rückbesinnung auf Substanz und Handwerk – eine leise Revolution gegen das Design des Überflüssigen.

Auf der transparenten Plexiglas-Bühne, hinterleuchtet von kaltem Neonlicht, erschien zum Auftakt der Mailänder Modewoche ein Bild, das in seiner Kargheit irritierte: Ein kurzes Denim-Jäckchen, direkt auf der Haut getragen, ersetzte das T-Shirt. Darunter ein einziges Hosenmodell, trocken im Schnitt, das sich durch die gesamte Kollektion ziehen sollte. Miuccia Prada und Raf Simons hatten den ersten Look ihrer Frühjahr/Sommer-Schau 2027 nicht als Stilübung, sondern als Bruch mit den Konventionen des Luxus inszeniert. «Wir haben aus Instinkt gearbeitet», sagten sie hinter der Bühne, «diese Kollektion ist eine Abkehr von der Übertreibung, den komplizierten Materialien und dem nutzlosen Design.»

Was folgte, war ein Destillat: Statt Vielfalt setzte Prada auf Wiederholung. Derselbe Hosenentwurf kehrte in unzähligen Stoffen und Farben wieder, die Jacke erschien in Denim, Nylon oder klassischem Herrenstoff, stets verkürzt, mit Dreiviertelärmeln, eng am Körper. Accessoires wurden nicht hinzugefügt, sondern umfunktioniert – Taschen hingen als Gürteltaschen an den Hüften, Seidentücher dienten als Hosenbund. «Es gibt nichts, was ich derzeit mehr verabscheue als nutzloses Design», erklärte das Duo. Die Reduktion war kein Minimalismus von der Stange, sondern eine präzise, fast autoritäre Geste, die das Publikum im Deposito der Fondazione Prada in eine ungewohnte Stille versetzte.

Diese Stille zog sich durch die Woche. Giorgio Armani, der die Schauen am Dienstag beschloss, schickte seine von Leo Dell’Orco unter der kreativen Leitung des Hauses entwickelte Kollektion auf eine imaginäre Mittelmeerreise. Leinen, Baumwolle und Shantung-Seide flossen in entspannten Silhouetten; die Jacken waren entstrukturiert, die Hosen schmal, die Hemden luftig. Keine Nostalgie, sondern Kontinuität: Armani erinnerte daran, dass authentischer Luxus nicht im Neuen liegt, sondern im Bleibenden. Dolce & Gabbana wiederum kehrten mit «Vacanze Siciliane» zu ihren sizilianischen Wurzeln zurück. Im Metropol-Theater zeigten sie bestickte Korallenmotive, Postkartendrucke, Spitzenhemden und Applikationen, die an sizilianische Karren erinnerten. Stefano Gabbana, der kurz zuvor das Präsidium der Firma niedergelegt hatte, verabschiedete sich im T-Shirt mit dem Konterfei Madonnas – eine persönliche Note in einer Kollektion, die das handwerkliche Erbe der Insel beschwor.

Einen anderen Ton brachte Ralph Lauren in seinen Palazzo im Zentrum Mailands. Der amerikanische Designer, der nach Jahren der Abwesenheit zum zweiten Mal in diesem Jahr zurückkehrte, inszenierte eine intime Residenz-Atmosphäre mit Gästen wie Lewis Hamilton und Henry Golding. Auf die massgeschneiderten Zweiteiler der Purple Label in sanften Neutraltönen und Indigo folgte eine farbexplosive Polo-Linie mit Patchwork und texturierten Stoffen. Golding geriet über einen marineblauen Smoking ins Schwärmen: «¡Dios mío, era fenomenal!» Lauren selbst, nicht anwesend, beschrieb seinen Ansatz als filmisch: «Ich erschaffe visuelle Geschichten und Welten, zu denen man aufblicken kann.» Die Mailänder Woche, deren Kalender in diesem Jahr schlanker ausfiel – Gucci, Fendi und Emporio Armani setzen auf gemischte Schauen, Zegna präsentierte in Los Angeles –, zeigte so zwei Pole: die italienische Konzentration auf das Essenzielle und die amerikanische Erzählung eines aspirierten Lebensstils.

Am Ende blieb das Bild eines Jacketts, das nicht mehr protzen will. Ob das kurze Denim-Modell von Prada, das die Haut atmen lässt, oder die Leinen-Sahariana von Armani, die das Licht der Hafenstädte gespeichert zu haben schien – die Mailänder Modewoche verabschiedete sich vom Lärm der Logos und der überdrehten Silhouetten. Was blieb, war die Frage, wie lange diese Stille trägt, wenn in Paris bereits die nächste Welle hybrider Männlichkeiten und spektakulärer Inszenierungen anrollt. Doch für einen Moment hatte die Mode das Tempo gedrosselt und sich auf das besonnen, was bleibt, wenn alles Überflüssige verschwindet.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 4 Sprachen

0%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusDistanz

Die lateinamerikanische Presse betrachtet die Mailänder Herrenmode mit einem marktorientierten, pragmatischen Blick: Ralph Lauren begeistert alle Generationen, Paris stellt hybride Männlichkeit in Aussicht, und Dolce & Gabbana kehrt zu sizilianischen Wurzeln zurück, während der Präsident zurücktritt. Die Berichterstattung bleibt distanziert und hebt Markenstrategien sowie Unternehmensschritte hervor.

Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
SkepsisDistanz

Die kontinentaleuropäische Presse, insbesondere die italienische, stellt Pradas Kollektion als minimalistisches Gegenmittel zu den Übertreibungen der Mode dar. Das Kreativduo lehnt nutzloses Design ab und destilliert einen essenziellen Stil ohne jeden Schnörkel. Der Ton ist skeptisch gegenüber vorherrschenden Trends und ruhig analytisch.

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Montag, 22. Juni 2026

Die neue Stille der Mailänder Modewoche: Prada, Armani und die Abkehr vom Überfluss

In Mailand zeigten die grossen Häuser für den Sommer 2027 eine Rückbesinnung auf Substanz und Handwerk – eine leise Revolution gegen das Design des Überflüssigen.

Auf der transparenten Plexiglas-Bühne, hinterleuchtet von kaltem Neonlicht, erschien zum Auftakt der Mailänder Modewoche ein Bild, das in seiner Kargheit irritierte: Ein kurzes Denim-Jäckchen, direkt auf der Haut getragen, ersetzte das T-Shirt. Darunter ein einziges Hosenmodell, trocken im Schnitt, das sich durch die gesamte Kollektion ziehen sollte. Miuccia Prada und Raf Simons hatten den ersten Look ihrer Frühjahr/Sommer-Schau 2027 nicht als Stilübung, sondern als Bruch mit den Konventionen des Luxus inszeniert. «Wir haben aus Instinkt gearbeitet», sagten sie hinter der Bühne, «diese Kollektion ist eine Abkehr von der Übertreibung, den komplizierten Materialien und dem nutzlosen Design.»

Was folgte, war ein Destillat: Statt Vielfalt setzte Prada auf Wiederholung. Derselbe Hosenentwurf kehrte in unzähligen Stoffen und Farben wieder, die Jacke erschien in Denim, Nylon oder klassischem Herrenstoff, stets verkürzt, mit Dreiviertelärmeln, eng am Körper. Accessoires wurden nicht hinzugefügt, sondern umfunktioniert – Taschen hingen als Gürteltaschen an den Hüften, Seidentücher dienten als Hosenbund. «Es gibt nichts, was ich derzeit mehr verabscheue als nutzloses Design», erklärte das Duo. Die Reduktion war kein Minimalismus von der Stange, sondern eine präzise, fast autoritäre Geste, die das Publikum im Deposito der Fondazione Prada in eine ungewohnte Stille versetzte.

Diese Stille zog sich durch die Woche. Giorgio Armani, der die Schauen am Dienstag beschloss, schickte seine von Leo Dell’Orco unter der kreativen Leitung des Hauses entwickelte Kollektion auf eine imaginäre Mittelmeerreise. Leinen, Baumwolle und Shantung-Seide flossen in entspannten Silhouetten; die Jacken waren entstrukturiert, die Hosen schmal, die Hemden luftig. Keine Nostalgie, sondern Kontinuität: Armani erinnerte daran, dass authentischer Luxus nicht im Neuen liegt, sondern im Bleibenden. Dolce & Gabbana wiederum kehrten mit «Vacanze Siciliane» zu ihren sizilianischen Wurzeln zurück. Im Metropol-Theater zeigten sie bestickte Korallenmotive, Postkartendrucke, Spitzenhemden und Applikationen, die an sizilianische Karren erinnerten. Stefano Gabbana, der kurz zuvor das Präsidium der Firma niedergelegt hatte, verabschiedete sich im T-Shirt mit dem Konterfei Madonnas – eine persönliche Note in einer Kollektion, die das handwerkliche Erbe der Insel beschwor.

Einen anderen Ton brachte Ralph Lauren in seinen Palazzo im Zentrum Mailands. Der amerikanische Designer, der nach Jahren der Abwesenheit zum zweiten Mal in diesem Jahr zurückkehrte, inszenierte eine intime Residenz-Atmosphäre mit Gästen wie Lewis Hamilton und Henry Golding. Auf die massgeschneiderten Zweiteiler der Purple Label in sanften Neutraltönen und Indigo folgte eine farbexplosive Polo-Linie mit Patchwork und texturierten Stoffen. Golding geriet über einen marineblauen Smoking ins Schwärmen: «¡Dios mío, era fenomenal!» Lauren selbst, nicht anwesend, beschrieb seinen Ansatz als filmisch: «Ich erschaffe visuelle Geschichten und Welten, zu denen man aufblicken kann.» Die Mailänder Woche, deren Kalender in diesem Jahr schlanker ausfiel – Gucci, Fendi und Emporio Armani setzen auf gemischte Schauen, Zegna präsentierte in Los Angeles –, zeigte so zwei Pole: die italienische Konzentration auf das Essenzielle und die amerikanische Erzählung eines aspirierten Lebensstils.

Am Ende blieb das Bild eines Jacketts, das nicht mehr protzen will. Ob das kurze Denim-Modell von Prada, das die Haut atmen lässt, oder die Leinen-Sahariana von Armani, die das Licht der Hafenstädte gespeichert zu haben schien – die Mailänder Modewoche verabschiedete sich vom Lärm der Logos und der überdrehten Silhouetten. Was blieb, war die Frage, wie lange diese Stille trägt, wenn in Paris bereits die nächste Welle hybrider Männlichkeiten und spektakulärer Inszenierungen anrollt. Doch für einen Moment hatte die Mode das Tempo gedrosselt und sich auf das besonnen, was bleibt, wenn alles Überflüssige verschwindet.

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Lateinamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusDistanz

Die lateinamerikanische Presse betrachtet die Mailänder Herrenmode mit einem marktorientierten, pragmatischen Blick: Ralph Lauren begeistert alle Generationen, Paris stellt hybride Männlichkeit in Aussicht, und Dolce & Gabbana kehrt zu sizilianischen Wurzeln zurück, während der Präsident zurücktritt. Die Berichterstattung bleibt distanziert und hebt Markenstrategien sowie Unternehmensschritte hervor.

Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
SkepsisDistanz

Die kontinentaleuropäische Presse, insbesondere die italienische, stellt Pradas Kollektion als minimalistisches Gegenmittel zu den Übertreibungen der Mode dar. Das Kreativduo lehnt nutzloses Design ab und destilliert einen essenziellen Stil ohne jeden Schnörkel. Der Ton ist skeptisch gegenüber vorherrschenden Trends und ruhig analytisch.

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