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Ausgabe von 16:00 CETSamstag, 11. Juli 2026
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Gesellschaft & KulturSamstag, 11. Juli 2026

Die Sehnsucht nach dem Kind und die Angst vor der Miete

In Dhaka hadert ein Angestellter mit dem zweiten Kind, in Buenos Aires hält eine Mehrheit Elternschaft nicht mehr für zentral – eine globale Umfrage offenbart den Riss zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Imran Hossain sitzt in seiner Mietwohnung im Stadtteil Agargaon und rechnet. Der Angestellte aus Dhaka hat ein Kind, seine Frau wünscht sich ein zweites. Doch während er spricht, kreisen seine Gedanken nicht um Namen oder Kinderzimmer, sondern um die Kosten: die Arztbesuche, das Krankenhaus, die Babynahrung, die Windeln, später die Schulgebühren. „Ein weiteres Kind würde die Ausgaben sprunghaft erhöhen, aber mein Gehalt steigt nicht im gleichen Maß“, sagt er. „Ich weiß nicht, ob ich zwei Kinder gut versorgen und ihnen Bildung ermöglichen kann.“ Die Szene, festgehalten von der bengalischen Tageszeitung Prothom Alo, ist kein Einzelfall. Sie ist das private Echo einer globalen Verunsicherung, die der UN-Bevölkerungsfonds in einer Erhebung unter mehr als 108.000 jungen Menschen in 73 Ländern vermessen hat.

Die Umfrage, die anlässlich des Weltbevölkerungstags veröffentlicht wurde, fördert einen scheinbaren Widerspruch zutage: Acht von zehn Befragten halten die Freude, die Kinder in eine Familie bringen, für den wichtigsten Grund, Eltern zu werden. Zwei Drittel blicken optimistisch in die Zukunft, zwei Drittel wollen heiraten. Doch zugleich nennen 88 Prozent finanzielle Sicherheit als Voraussetzung für die Familiengründung, 87 Prozent einen festen Arbeitsplatz, und mehr als die Hälfte sieht in wirtschaftlicher Not und Wohnungsmangel die größten Hindernisse. Die Demografin Letizia Mencarini von der Università Bocconi, die an der Auswertung beteiligt war, bringt es auf den Punkt: „Die jungen Leute wenden sich nicht von der Familie ab. Sie schaffen es nur nicht, jene Voraussetzungen zu erreichen, die sie für unverzichtbar halten – Zugang zu Wohnraum und ein stabiles Einkommen.“

Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt sich in den Weltregionen auf unterschiedliche Weise. In Bangladesch, wo Imran Hossain lebt, ist die Geburtenrate zuletzt sogar leicht gestiegen – von 2,3 auf 2,4 Kinder pro Frau –, was Fachleute auf ein stagnierendes Familienplanungsprogramm und Versorgungsengpässe bei Verhütungsmitteln zurückführen. In Argentinien hingegen, das mit 1,2 Kindern pro Frau eine „ultraniedrige“ Fruchtbarkeit verzeichnet, hält nur noch ein Drittel der 18- bis 34-Jährigen Elternschaft für sehr wichtig für ein erfülltes Leben; vor zehn Jahren waren es 77 Prozent. In Mexiko erklären Studierende der UNAM, sie verzichteten aus Sorge vor wirtschaftlicher Instabilität und Klimakrise auf Kinder. Und in Italien, wo die Geburtenrate ebenfalls auf historischem Tiefstand liegt, zeigt die UNFPA-Studie, dass vor allem die Mittelschicht unter dem Druck von prekärer Arbeit und hohen Mieten den Kinderwunsch aufschiebt – während ärmere und reichere Schichten häufiger Nachwuchs bekommen.

Was sich in diesen Zahlen abzeichnet, ist ein kultureller Wandel, der die Selbstverständlichkeit der Elternschaft auflöst. Die Entscheidung für ein Kind konkurriert heute mit anderen Lebensentwürfen: beruflicher Entwicklung, Mobilität, dem Wunsch nach Autonomie. In Argentinien gaben 57 Prozent derjenigen, die keine Kinder wollen, an, dass Elternschaft schlicht nicht Teil ihres Lebensplans sei. In Mexiko sagt eine Absolventin: „Ich möchte keine Mutter sein – wegen des Hungers, der Wirtschaft, des Klimawandels und wegen genetischer Krankheiten in meiner Familie.“ Die Forscherin Verónica Montes de Oca von der UNAM betont, dass dieser Bewusstseinswandel seit Jahrzehnten im Gange ist und längst nicht mehr nur die Industrieländer erfasst.

Zurück in Dhaka, in der Mietwohnung von Imran Hossain, bleibt die Rechnung offen. Er hat noch keine Entscheidung getroffen. Die Sorge, dass das Gehalt nicht mit den Kosten Schritt hält, ist kein abstrakter Indikator, sondern ein tägliches Abwägen am Küchentisch. Es ist diese leise, private Ungewissheit, die in den globalen Statistiken widerhallt – und die zeigt, dass der Wunsch nach Familie nicht verschwunden ist, sondern an Bedingungen geknüpft wird, die für immer mehr junge Menschen unerreichbar scheinen.

Divergenz — wer erzählt sie wie
Achse: Fertility crisis vs. cultural evolution
23%Niedrig
4 Blöcke · Positionen von −0.60 bis 0.00
High fertility alarmLow fertility acceptance
INDLATEURJPK
Abweichung zwischen Presseblöcken
Indische & südasiatische Presse−0.60critical
Lateinamerikanische Presse0.00neutral
Kontinentaleuropäische Presse−0.40critical
Japanisch-koreanische Presse−0.50critical
Indische & südasiatische Presse−0.60
Stimme

Die bangladeschische Regierung hat es versäumt, die Familienplanung sicherzustellen, und gefährdet damit die Zukunft des Landes.

Mechanismusallarmismo demografico

Der Block stützt seine Argumentation auf alarmierende Statistiken und die Schuldzuweisung an die Regierung, wodurch ein Gefühl der Dringlichkeit entsteht.

Auslassung

Der Block lässt den globalen Trend sinkender Fruchtbarkeit und die wirtschaftlichen Hürden aus, die junge Menschen dazu bringen, die Elternschaft hinauszuzögern, was in anderen Blöcken zentral ist.

AlarmEmpörung
Lateinamerikanische Presse0.00
Stimme

Die argentinische Gesellschaft entwickelt sich weiter, und der Rückgang der Fruchtbarkeit ist ein Zeichen des Fortschritts, kein Problem.

Mechanismusnormalizzazione del cambiamento

Der Block normalisiert den Trend, indem er ihn als natürliche Folge von Entwicklung und persönlicher Wahl darstellt und langfristige kulturelle Daten zur Untermauerung seiner Position verwendet.

Auslassung

Der Block lässt die wirtschaftlichen und sozialen Zwänge aus, die zur Kinderlosigkeit führen, sowie die potenziellen negativen Folgen einer alternden Bevölkerung, die in anderen Blöcken hervorgehoben werden.

PragmatismusDistanz
Kontinentaleuropäische Presse−0.40
Stimme

Europäische junge Menschen sind bereit, Kinder zu bekommen, aber die Wirtschaft lässt sie im Stich, besonders die Mittelschicht.

Mechanismusdeterminismo economico

Der Block verwendet eine klassenbasierte Analyse, um zu argumentieren, dass wirtschaftliche Bedingungen, nicht kultureller Wandel, die Ursache sind, und zitiert Umfragedaten zu Wünschen.

Auslassung

Der Block lässt den kulturellen Wandel hin zur Kinderlosigkeit und die positiven Aspekte des Fruchtbarkeitsrückgangs sowie die Rolle der Regierungspolitik bei der Unterstützung von Familien aus.

AlarmPragmatismus
Japanisch-koreanische Presse−0.50
Stimme

Japanische Frauen werden zu Unrecht dafür verurteilt, keine Kinder zu haben, obwohl die Gesellschaft es ihnen schwer macht, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Mechanismusdenuncia sociale

Der Block nutzt persönliche Erzählungen und Prognosen, um die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Normen und der Realität aufzuzeigen und Mitgefühl für kinderlose Frauen zu wecken.

Auslassung

Der Block lässt die wirtschaftlichen und wohnungsbezogenen Hürden aus, die in anderen Blöcken betont werden, sowie die breiteren demografischen Bedenken des Bevölkerungsrückgangs.

EmpörungSkepsis

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Die Sehnsucht nach dem Kind und die Angst vor der Miete

In Dhaka hadert ein Angestellter mit dem zweiten Kind, in Buenos Aires hält eine Mehrheit Elternschaft nicht mehr für zentral – eine globale Umfrage offenbart den Riss zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Imran Hossain sitzt in seiner Mietwohnung im Stadtteil Agargaon und rechnet. Der Angestellte aus Dhaka hat ein Kind, seine Frau wünscht sich ein zweites. Doch während er spricht, kreisen seine Gedanken nicht um Namen oder Kinderzimmer, sondern um die Kosten: die Arztbesuche, das Krankenhaus, die Babynahrung, die Windeln, später die Schulgebühren. „Ein weiteres Kind würde die Ausgaben sprunghaft erhöhen, aber mein Gehalt steigt nicht im gleichen Maß“, sagt er. „Ich weiß nicht, ob ich zwei Kinder gut versorgen und ihnen Bildung ermöglichen kann.“ Die Szene, festgehalten von der bengalischen Tageszeitung Prothom Alo, ist kein Einzelfall. Sie ist das private Echo einer globalen Verunsicherung, die der UN-Bevölkerungsfonds in einer Erhebung unter mehr als 108.000 jungen Menschen in 73 Ländern vermessen hat.

Die Umfrage, die anlässlich des Weltbevölkerungstags veröffentlicht wurde, fördert einen scheinbaren Widerspruch zutage: Acht von zehn Befragten halten die Freude, die Kinder in eine Familie bringen, für den wichtigsten Grund, Eltern zu werden. Zwei Drittel blicken optimistisch in die Zukunft, zwei Drittel wollen heiraten. Doch zugleich nennen 88 Prozent finanzielle Sicherheit als Voraussetzung für die Familiengründung, 87 Prozent einen festen Arbeitsplatz, und mehr als die Hälfte sieht in wirtschaftlicher Not und Wohnungsmangel die größten Hindernisse. Die Demografin Letizia Mencarini von der Università Bocconi, die an der Auswertung beteiligt war, bringt es auf den Punkt: „Die jungen Leute wenden sich nicht von der Familie ab. Sie schaffen es nur nicht, jene Voraussetzungen zu erreichen, die sie für unverzichtbar halten – Zugang zu Wohnraum und ein stabiles Einkommen.“

Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt sich in den Weltregionen auf unterschiedliche Weise. In Bangladesch, wo Imran Hossain lebt, ist die Geburtenrate zuletzt sogar leicht gestiegen – von 2,3 auf 2,4 Kinder pro Frau –, was Fachleute auf ein stagnierendes Familienplanungsprogramm und Versorgungsengpässe bei Verhütungsmitteln zurückführen. In Argentinien hingegen, das mit 1,2 Kindern pro Frau eine „ultraniedrige“ Fruchtbarkeit verzeichnet, hält nur noch ein Drittel der 18- bis 34-Jährigen Elternschaft für sehr wichtig für ein erfülltes Leben; vor zehn Jahren waren es 77 Prozent. In Mexiko erklären Studierende der UNAM, sie verzichteten aus Sorge vor wirtschaftlicher Instabilität und Klimakrise auf Kinder. Und in Italien, wo die Geburtenrate ebenfalls auf historischem Tiefstand liegt, zeigt die UNFPA-Studie, dass vor allem die Mittelschicht unter dem Druck von prekärer Arbeit und hohen Mieten den Kinderwunsch aufschiebt – während ärmere und reichere Schichten häufiger Nachwuchs bekommen.

Was sich in diesen Zahlen abzeichnet, ist ein kultureller Wandel, der die Selbstverständlichkeit der Elternschaft auflöst. Die Entscheidung für ein Kind konkurriert heute mit anderen Lebensentwürfen: beruflicher Entwicklung, Mobilität, dem Wunsch nach Autonomie. In Argentinien gaben 57 Prozent derjenigen, die keine Kinder wollen, an, dass Elternschaft schlicht nicht Teil ihres Lebensplans sei. In Mexiko sagt eine Absolventin: „Ich möchte keine Mutter sein – wegen des Hungers, der Wirtschaft, des Klimawandels und wegen genetischer Krankheiten in meiner Familie.“ Die Forscherin Verónica Montes de Oca von der UNAM betont, dass dieser Bewusstseinswandel seit Jahrzehnten im Gange ist und längst nicht mehr nur die Industrieländer erfasst.

Zurück in Dhaka, in der Mietwohnung von Imran Hossain, bleibt die Rechnung offen. Er hat noch keine Entscheidung getroffen. Die Sorge, dass das Gehalt nicht mit den Kosten Schritt hält, ist kein abstrakter Indikator, sondern ein tägliches Abwägen am Küchentisch. Es ist diese leise, private Ungewissheit, die in den globalen Statistiken widerhallt – und die zeigt, dass der Wunsch nach Familie nicht verschwunden ist, sondern an Bedingungen geknüpft wird, die für immer mehr junge Menschen unerreichbar scheinen.

Divergenz — wer erzählt sie wie
Achse: Fertility crisis vs. cultural evolution
23%Niedrig
4 Blöcke · Positionen von −0.60 bis 0.00
High fertility alarmLow fertility acceptance
INDLATEURJPK
Abweichung zwischen Presseblöcken
Indische & südasiatische Presse−0.60critical
Lateinamerikanische Presse0.00neutral
Kontinentaleuropäische Presse−0.40critical
Japanisch-koreanische Presse−0.50critical
Indische & südasiatische Presse−0.60
Stimme

Die bangladeschische Regierung hat es versäumt, die Familienplanung sicherzustellen, und gefährdet damit die Zukunft des Landes.

Mechanismusallarmismo demografico

Der Block stützt seine Argumentation auf alarmierende Statistiken und die Schuldzuweisung an die Regierung, wodurch ein Gefühl der Dringlichkeit entsteht.

Auslassung

Der Block lässt den globalen Trend sinkender Fruchtbarkeit und die wirtschaftlichen Hürden aus, die junge Menschen dazu bringen, die Elternschaft hinauszuzögern, was in anderen Blöcken zentral ist.

AlarmEmpörung
Lateinamerikanische Presse0.00
Stimme

Die argentinische Gesellschaft entwickelt sich weiter, und der Rückgang der Fruchtbarkeit ist ein Zeichen des Fortschritts, kein Problem.

Mechanismusnormalizzazione del cambiamento

Der Block normalisiert den Trend, indem er ihn als natürliche Folge von Entwicklung und persönlicher Wahl darstellt und langfristige kulturelle Daten zur Untermauerung seiner Position verwendet.

Auslassung

Der Block lässt die wirtschaftlichen und sozialen Zwänge aus, die zur Kinderlosigkeit führen, sowie die potenziellen negativen Folgen einer alternden Bevölkerung, die in anderen Blöcken hervorgehoben werden.

PragmatismusDistanz
Kontinentaleuropäische Presse−0.40
Stimme

Europäische junge Menschen sind bereit, Kinder zu bekommen, aber die Wirtschaft lässt sie im Stich, besonders die Mittelschicht.

Mechanismusdeterminismo economico

Der Block verwendet eine klassenbasierte Analyse, um zu argumentieren, dass wirtschaftliche Bedingungen, nicht kultureller Wandel, die Ursache sind, und zitiert Umfragedaten zu Wünschen.

Auslassung

Der Block lässt den kulturellen Wandel hin zur Kinderlosigkeit und die positiven Aspekte des Fruchtbarkeitsrückgangs sowie die Rolle der Regierungspolitik bei der Unterstützung von Familien aus.

AlarmPragmatismus
Japanisch-koreanische Presse−0.50
Stimme

Japanische Frauen werden zu Unrecht dafür verurteilt, keine Kinder zu haben, obwohl die Gesellschaft es ihnen schwer macht, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Mechanismusdenuncia sociale

Der Block nutzt persönliche Erzählungen und Prognosen, um die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Normen und der Realität aufzuzeigen und Mitgefühl für kinderlose Frauen zu wecken.

Auslassung

Der Block lässt die wirtschaftlichen und wohnungsbezogenen Hürden aus, die in anderen Blöcken betont werden, sowie die breiteren demografischen Bedenken des Bevölkerungsrückgangs.

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