
Horn im Gesicht, Handy am Horn: Pamplonas fünfter Encierro zwischen Hemingway-Jubiläum und wilden Stieren
Ein schwarzer Stier durchbricht die Menge und verletzt eine Läuferin schwer, ein als Joker verkleideter Amerikaner filmt sich selbst – und am Nachmittag trotzt ein Torero einer „schrecklichen Corrida“.
Der schwarze Stier löste sich schon auf den ersten Metern aus der Gruppe. Auf dem engen Kopfsteinpflaster der Calle Mercaderes, wo die Menge am dichtesten stand, pflügte er in eine Traube von Läufern und traf eine Frau mit voller Wucht am seitlichen Gesicht. Das Horn durchschlug die Haut, während andere Körper zu Boden gingen und sich in den folgenden zweieinhalb Minuten immer neue Knäuel aus stolpernden Menschen bildeten. Sechs Tiere der Zucht José Escolar, begleitet von zahmen Ochsen, donnerten an diesem Samstagmorgen durch Pamplona; am Ende zählte das Universitätsklinikum von Navarra eine Läuferin mit einer Hornverletzung im Gesicht und zwölf weitere Verletzte mit Prellungen und Schürfwunden.
Fast zeitgleich lieferte ein anderer Läufer das Gegenbild zum anonymen Sturz: Lacey Mrzena, ein junger Amerikaner, der sich als Joker verkleidet hatte, filmte sich mit dem Handy, während er neben einem der Stiere herlief, und berührte das Tier sogar. Die Kameras der Regionalfernsehens RTVE hielten fest, wie er nach einem Sturz wieder aufstand und sein Mobiltelefon in die Höhe hielt, Sekunden bevor ihn die Hörner erreichen konnten. Der baskische Encierro-Experte Teo Lázaro kommentierte live: „Dieser junge Mann sollte nicht beim Encierro sein, und ich hoffe, er wird bestraft.“ Die Stadtpolizei griff Mrzena noch in der Arena auf und verhängte ein Bußgeld – die örtliche Verordnung sieht für das Filmen während des Laufs bis zu 6.000 Euro vor. Es war nicht der erste Auftritt des selbsternannten „Jokers“: Tage zuvor hatte ihn bei einem Kuhfest in derselben Arena eine Kuh zu Boden geschleudert.
Der fünfte Encierro fiel in ein Jahr, in dem Pamplona den hundertsten Jahrestag von Ernest Hemingways Roman „Fiesta“ („The Sun Also Rises“) begeht. Hemingways schmales Buch hatte die Sanfermines 1926 in die internationale Literatur katapultiert und zieht seither Generationen von Ausländern an. Nach Angaben des Rathauses stellten US-Amerikaner 2022 mit 16 Prozent die größte Gruppe ausländischer Läufer – viermal so viele wie Franzosen. Einer von ihnen ist der 44-jährige Bill Hillmann aus Chicago, der nach eigener Aussage als 19-Jähriger die Nacht durchlas und beschloss, Schriftsteller und Stierläufer zu werden. Hillmann, inzwischen dreimal von Hörnern aufgespießt, steht in diesem Jahr wieder in den Gassen. Die Faszination speist sich aus einem Versprechen, das Hemingway in die Welt setzte: die Möglichkeit, für einen kurzen, rauschhaften Moment die Kontrolle zu verlieren und doch mit dem Leben davonzukommen.
Am Nachmittag desselben Tages betraten dieselben sechs Escolar-Stiere die Arena. Was dort geschah, beschrieb die Madrider Zeitung „El Mundo“ als „schreckliche Corrida“ mit „wilden, prähistorischen“ Tieren, die keinerlei Anzeichen von Kampfgeist zeigten, dafür einen „fleischfressenden Instinkt“. Der mexikanische Torero Isaac Fonseca bot dem sechsten Stier die Brust, als dieser ihn in einem letzten, wütenden Ansturm verfolgte, und schnitt ihm schließlich ein Ohr ab – die einzige Trophäe eines Nachmittags, der mehr als zweieinhalb Stunden dauerte. Sein Kollege Juan de Castilla wurde vom fünften Stier mit solcher Gewalt zu Boden geschleudert, dass er sich einen Fuß brach und mit einer blutenden Schläfe in die Krankenstation humpelte, während die Menge seinen Mut beklatschte.
So schloss sich an diesem Samstag der Kreis, der San Fermín seit jeher prägt: Am Morgen hatte der schwarze Stier eine Frau niedergestreckt, am Abend stand er vor dem Mann mit der roten Muleta. Das Ohr, das Fonseca dem Tier abrang, war nicht nur eine sportliche Trophäe, sondern das letzte Bild einer langen, blutigen Choreographie, die vom Kopfsteinpflaster der Altstadt bis in den Sand der Arena reicht – und die in diesem Jahr so viele Amerikaner anzieht wie nie zuvor.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.80 | critical |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
Der Stierlauf von San Fermín ist ein gefährliches Ereignis, das Verletzungen verursacht hat.
Durch die Nennung der Verletztenzahl und die Beschreibung des Chaos wird das Ereignis als Sicherheitsvorfall dargestellt, der für sich selbst spricht.
Der Bericht lässt jeden Hinweis auf den Gruppenvergewaltigungsfall von 2016 (La Manada) aus, der mit dem Festival in Verbindung gebracht wird.
Das San-Fermín-Fest ist ein Ort systemischer sexueller Gewalt, exemplarisch dargestellt durch den Fall La Manada.
Indem der Vergewaltigungsfall von 2016 auf das aktuelle Festival projiziert wird, macht die Erzählung den Stierlauf zu einem Symbol patriarchaler Gewalt statt zu einem eigenständigen Ereignis.
Der Bericht lässt die Details des Stierlaufs (Stöße, Verletzungen, Chaos der Menge) aus, um sich ausschließlich auf den sexuellen Übergriff zu konzentrieren.
Der Stierlauf von San Fermín war aufgrund eines ausbrechenden Stiers gefährlich chaotisch, und der anschließende Stierkampf war künstlerisch enttäuschend.
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