
Vom Bildschirm auf den Gemüsemarkt: Wenn KI die Träume der Schauspieler erntet
In China verliert ein Serienstar durch künstliche Intelligenz seine Rollen und verkauft nun Gemüse – während andere Prominente mit öffentlichem Gegenwind kämpfen und Touristen aus Währungsvorteilen Kapital schlagen.
Xu Peng lenkt das klapprige Elektroauto seiner Familie über die staubigen Straßen der ländlichen Provinz Shandong. Auf der Ladefläche türmen sich nicht mehr Drehbücher oder Kostüme, sondern frisch geerntetes Gemüse aus dem Garten seines Großvaters. Noch vor wenigen Monaten stand der 30-Jährige als „dominanter CEO“ in den Mikro-Dramen Chinas vor der Kamera, umschwärmt von Fans und mit Tagesgagen, die heute unerreichbar scheinen. Jetzt feilscht er auf dem lokalen Markt um den Preis für Chinakohl – ein Bild, das in den sozialen Medien viral ging und das Ende einer kurzen, aber intensiven Karriere markiert.
Der Absturz des Schauspielers ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer Branche, die von künstlicher Intelligenz umgepflügt wird. Im ersten Quartal 2026 wurden in China rund 122.000 der insgesamt 128.000 neu veröffentlichten Kurzdramen mithilfe von KI produziert – mehr als 95 Prozent. Was früher wochenlange Dreharbeiten mit menschlichen Teams erforderte, entsteht heute in wenigen Tagen zu einem Bruchteil der Kosten. Die Folgen für die Beschäftigten sind dramatisch: Spitzenverdiener, die einst umgerechnet bis zu 53 Millionen Rupiah pro Tag erhielten, müssen sich nun mit einem Zwanzigstel begnügen und finden kaum noch Engagements. Xu Peng selbst hatte nach seinem letzten Projekt im März keine einzige Rolle mehr angeboten bekommen.
Parallel dazu entlädt sich in der chinesischen Öffentlichkeit eine wachsende Skepsis gegenüber Prominenz ohne Substanz. Die Moderatorin Xie Na, ein landesweit bekannter Fernsehstar, musste ihre geplante Konzerttournee in Peking abrupt absagen, nachdem ihre Gesangsfähigkeiten im Internet verspottet worden waren. Ein Artikel der Parteizeitung der Provinz Zhejiang warf ihr vor, nicht künstlerische Träume, sondern allein „Profit“ zu jagen, und die staatliche People’s Daily sekundierte mit beißender Ironie über eine Berühmtheit, der es an echten musikalischen Werken fehle. Die Empörung, so der australische Internetforscher Jian Xu, speise sich auch aus der Frustration junger Chinesen über wirtschaftliche Ungleichheit und hohe Arbeitslosigkeit nach der Pandemie.
Während in China die Debatte über den Wert von Ruhm tobt, nutzen chinesische Touristen in Seoul die Schwäche des südkoreanischen Won für ausgedehnte Einkaufstouren. Eine junge Frau aus China erwarb dort kürzlich einen Verlobungsring von Chaumet für umgerechnet 37.000 Yuan – rund 11.000 Yuan weniger, als sie in der Heimat gezahlt hätte. Der Wechselkursvorteil, der einen Yuan im Juni auf etwa 226 Won hob, verwandelt Luxusartikel und Lifestyle-Dienstleistungen in Schnäppchen. Gleichzeitig lockt Indonesien südkoreanische Besucher mit einer ganz anderen Währung: der Schönheit der Natur, die der indonesische Tourismusverband ICPI als Hauptanziehungskraft ausmacht.
Abseits der asiatischen Schauplätze spendeten Taylor Swift und Travis Kelce kurz vor ihrer Hochzeit 26 Millionen Dollar an 20 amerikanische Wohltätigkeitsorganisationen, und Toyota erlebte das Paradox, dass die Verkaufszahlen des eingestellten Sportcoupés GR Supra um 72 Prozent in die Höhe schnellten – Knappheit als letzter Treiber der Begierde. Xu Peng indes plant, eine Schauspielschule zu gründen und weiterhin Live-Action-Kurzdramen zu produzieren. Auf dem Markt in Shandong halten ihm Fans die Treue; manche kommen nur, um ihm Gemüse abzukaufen und ein Selfie mit dem Mann zu machen, der sich weigert, seinen Traum der Maschine kampflos zu überlassen.
| Südostasiatische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.10 | neutral |
| Chinesische Presse | +0.30 | aligned |
Die Geschichte eines chinesischen Schauspielers, der einst dominante CEOs spielte und nun Gemüse verkauft, verdeutlicht die brutalen Auswirkungen von KI auf kreative Arbeiter. Ohne laufende Kameras stehen diese Mikrodrama-Stars vor einer ungewissen Zukunft, ersetzt durch Algorithmen. Der Beitrag weckt Mitgefühl für diejenigen, die der technologische Fortschritt zurücklässt.
Während KI die Unterhaltungsbranche umgestaltet, gehören Chinas Mikrodrama-Schauspieler zu den ersten, die die Auswirkungen spüren, viele sind gezwungen, ihren Beruf aufzugeben. Der Bericht untersucht den strukturellen Wandel und stellt fest, dass sich nur wenige Arbeitnehmer bewusst sind, wie schnell ihre Jobs überflüssig werden könnten. Er fordert eine pragmatische Diskussion über Anpassung und die Zukunft der Arbeit.
Chinas Mikrodrama-Darsteller passen sich dem KI-Zeitalter an, indem sie neue Rollen in der digitalen Wirtschaft erkunden, einige wenden sich dem Unternehmertum zu. Der Staat unterstützt diesen Wandel und betrachtet KI als Treiber der industriellen Modernisierung und nicht als Bedrohung. Der Beitrag unterstreicht die Bedeutung des Wandels und das Engagement des Landes für eine hochwertige Entwicklung.
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