
Hudson-Pilot Sullenberger macht frühe Alzheimer-Diagnose öffentlich
Der 75-jährige Chesley Sullenberger, dessen Notwasserung 2009 alle 155 Menschen an Bord rettete, will mit der Bekanntgabe seiner Erkrankung im Frühstadium andere Betroffene ermutigen.
Der ehemalige US-Airways-Kapitän Chesley „Sully“ Sullenberger hat am Dienstag bekanntgegeben, dass bei ihm eine Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium diagnostiziert wurde. Die Mitteilung erfolgte über seine persönliche Website sowie in einem Interview mit dem Magazin „People“. Sullenberger, der im Januar 2009 nach einem Vogelschlag eine Airbus A320 auf dem Hudson River notlandete und dadurch weltweit bekannt wurde, berichtete, er habe vor etwas mehr als einem Jahr ein Nachlassen seines zuvor fotografischen Gedächtnisses bemerkt. Die Diagnose sei im August des vergangenen Jahres gestellt worden.
Die Erkrankung befinde sich in einem sehr frühen Stadium, so Sullenberger. Zu den ersten Symptomen zählten Schwierigkeiten, sich Namen zu merken, das Vergessen kürzlich erzählter Geschichten sowie ein gestörter Schlaf. Er werde von einem Arzt der University of California, San Francisco, betreut. Die Alzheimer-Krankheit, eine neurodegenerative Erkrankung, für die es bislang keine heilende Therapie gibt, betrifft nach Angaben der US-amerikanischen National Library of Medicine allein in den Vereinigten Staaten rund 7,2 Millionen Menschen über 65 Jahren. Sullenberger erklärte, er hoffe, durch das Teilen seiner Diagnose andere Familien, die im Verborgenen mit der Krankheit lebten, zu ermutigen, ebenfalls an die Öffentlichkeit zu treten.
Seine Ehefrau Lorrie, mit der er seit 37 Jahren verheiratet ist, betonte, ihr Mann sei vor und nach der Diagnose derselbe ausgeglichene Mensch geblieben. Sullenberger selbst verwies auf den Satz, den er nach dem erfolgreichen Ausgang von Flug 1549 oft wiederholt habe: „Mut kann ansteckend sein.“ Nun brauche es diesen Mut im Kampf gegen die Krankheit. Der Pilot, der 2010 in den Ruhestand trat, hatte sich in den vergangenen Jahren als prominenter Fürsprecher für Flugsicherheit profiliert, unter anderem bei Anhörungen zur Boeing-737-MAX-Krise. Seine Bekanntheit will er nun nutzen, um für die Alzheimer-Forschung und die Entstigmatisierung der Erkrankung zu sensibilisieren.
Ein nächster öffentlicher Auftritt ist für September vorgesehen: Sullenberger wird in die National Aviation Hall of Fame der USA aufgenommen. Dort dürfte er Gelegenheit haben, über seinen Umgang mit der Diagnose zu sprechen. Die Zeremonie bietet eine Plattform, um die Aufmerksamkeit auf die Früherkennung und den Alltag mit Alzheimer zu lenken – ein Schritt, der aus Sicht von Betroffenenorganisationen dazu beitragen kann, die Krankheit aus der gesellschaftlichen Tabuzone zu holen.
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