
Eskalation am Persischen Golf: USA fliegen vierte Angriffsrunde und reaktivieren Seeblockade gegen Iran
Das US-Zentralkommando meldet neue Präzisionsschläge auf iranische Militäranlagen und die sofortige Wiederaufnahme der Seeblockade, während Teheran jede Verpflichtung aus dem Waffenstillstandsabkommen zurückweist.
Die Vereinigten Staaten haben am 14. Juli eine weitere Serie von Luft- und Seeangriffen gegen iranische Militäranlagen im Bereich der Straße von Hormus durchgeführt und gleichzeitig die Seeblockade gegen sämtliche iranische Häfen wieder in Kraft gesetzt. Laut Mitteilung des US-Zentralkommandos (CENTCOM) begannen die Einsätze um 16.00 Uhr Ostküstenzeit (22.00 Uhr MESZ) und zielten darauf ab, „die iranischen Fähigkeiten weiter zu schwächen, die für Angriffe auf die kommerzielle Schifffahrt genutzt werden“. Mit mehr als 20 Kriegsschiffen und hunderten Militärflugzeugen im Nahen Osten wird die Blockade gegen ein- und auslaufende Schiffe wie schon zwischen April und Juni durchgesetzt. Es handelt sich um die vierte Nacht in Folge, in der US-Streitkräfte Ziele im Iran bombardieren.
Aus Washingtoner Sicht ist die Operation notwendig, um die Freiheit der Schifffahrt in einer der weltweit wichtigsten Energiehandelsrouten zu gewährleisten. Präsident Donald Trump hatte zunächst eine Gebühr von 20 Prozent des Warenwerts für passierende Schiffe als Gegenleistung für den Schutz durch die USA angekündigt, zog diesen Vorschlag jedoch wenige Stunden später zurück und verwies stattdessen auf Handels- und Investitionsabkommen mit Golfstaaten. Teheran hingegen erklärte über Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi, der Iran betrachte sich nicht mehr an das im Juni unterzeichnete vierzehn Punkte umfassende Memorandum of Understanding von Islamabad gebunden. Das Abkommen habe einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand vorgesehen, der durch die Wiederaufnahme der Blockade und die fortgesetzten Militärschläge von amerikanischer Seite obsolet geworden sei. Die Islamische Republik, so Gharibabadi, werde ihre Souveränität über die Straße von Hormus ohne Rücksicht auf die Kosten ausüben.
Die erneute Blockade trifft den iranischen Seehandel unmittelbar, nachdem bereits in der ersten Phase von April bis Juni mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun weitere mangels Befolgung manövrierunfähig gemacht worden waren. Militärisch meldet CENTCOM präzise Schläge gegen Raketen- und Drohnenstellungen, Marinestützpunkte und Küstenverteidigungssysteme, während die Revolutionsgarden ihrerseits Angriffe auf US-Stellungen in Bahrain und Kuwait sowie auf zwei unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate fahrende Tanker für sich reklamierten. Dabei kamen ein Besatzungsmitglied ums Leben, acht weitere wurden verletzt. Das US-Militär setzte nach eigenen Angaben Patriot-Raketen zur Verteidigung Kuwaits ein, wies jedoch auf begrenzte Reserven hin. Ölpreise stiegen infolge der Spannungen auf den höchsten Stand seit vier Wochen.
Die Eskalation bedeutet faktisch das Ende des vor einem Monat unter Vermittlung Omans zustande gekommenen Waffenstillstands zwischen den Präsidenten Trump und Pezeshkian. Bereits in der Vorwoche waren die Kampfhandlungen wieder aufgeflammt, nachdem sich Washington und Teheran gegenseitig vorgeworfen hatten, den vereinbarten Rahmen für die Straße von Hormus zu verletzen. Der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte warnte, eine längere Unterbrechung des Schiffsverkehrs könne gravierende sozioökonomische und humanitäre Folgen haben. Für das deutschsprachige Europa ist der Konflikt wegen möglicher Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten von Belang, auch wenn akute Versorgungsrisiken vorerst nicht bestehen.
Konkrete diplomatische Auswege sind derzeit nicht erkennbar. Die iranische Führung schloss Verhandlungen unter militärischem Druck kategorisch aus, während das Weiße Haus auf die Entschlossenheit der Streitkräfte verwies, die Sicherheit der Seewege dauerhaft durchzusetzen. Der Stillstand auf politischer Ebene und die fortgesetzte beiderseitige Gewaltanwendung lassen eine weitere Verschärfung des Konflikts in der Region befürchten.
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