
Argentiniens Inflation fällt im Juni auf 1,9 Prozent – niedrigster Stand seit zehn Monaten
Die monatliche Teuerung durchbrach erstmals seit August 2025 die Zwei-Prozent-Marke, während die Grundnahrungsmittelkörbe weiter überdurchschnittlich stiegen.
Die argentinische Verbraucherpreisinflation sank im Juni auf 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, nach 2,1 Prozent im Mai. Das nationale Statistikamt Indec meldete zudem eine Kerninflationsrate von 1,6 Prozent – den niedrigsten Wert seit Juli 2025. Auf Jahressicht beträgt die Teuerung 33,5 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 summiert sie sich auf 16,8 Prozent. In der Provinz Córdoba lag der Anstieg ebenfalls bei 1,9 Prozent, die dortige Halbjahresrate bei 15,9 Prozent.
Der Rückgang unter die psychologisch wichtige Schwelle von zwei Prozent wurde vor allem durch eine moderate Entwicklung bei Nahrungsmitteln getragen. Der Teilindex für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke stieg nur um 1,3 Prozent, wobei stabile Fleischpreise dämpfend wirkten, während Gemüse – insbesondere Tomaten mit einem Plus von 22,5 Prozent – deutlich anzog. Saisonale Faktoren trieben dagegen die Preise für Pauschalreisen und damit den Bereich Freizeit und Kultur um 4,2 Prozent in die Höhe. Wohnkosten legten um 3,3 Prozent zu, belastet von Mietsteigerungen, höheren Stromtarifen und gestiegenen Lohnnebenkosten für Hauswarte, die auf die Nebenkosten durchschlugen.
Aus Sicht der Regierung von Präsident Javier Milei festigt das Ergebnis den eingeschlagenen Desinflationskurs. Wirtschaftsminister Luis Caputo sprach von der niedrigsten Monatsteuerung seit zehn Monaten und verwies auf die rückläufige Dreimonatsdurchschnittsrate. Die sozialen Kosten der Rosskur bleiben indes sichtbar: Der Warenkorb der Grundsicherung (CBT) verteuerte sich im Juni um 2,2 Prozent, der reine Nahrungsmittelkorb (CBA) um 1,3 Prozent. Eine vierköpfige Familie benötigte damit 1,53 Millionen Pesos, um die Armutsgrenze zu überschreiten, und knapp 690.000 Pesos, um nicht als bedürftig zu gelten. Regional zeigten sich Unterschiede: Während die Pampa-Region mit 2,0 Prozent über dem Landesdurchschnitt lag, verzeichneten Cuyo und Patagonien mit 1,6 Prozent die geringsten Anstiege.
Für die kommenden Monate richtet sich der Blick auf die Nachhaltigkeit des Unterschreitens der Zwei-Prozent-Marke. Der Peso wertete im Juni um gut fünf Prozent ab, ohne dass sich dies unmittelbar in den Verbraucherpreisen niederschlug – Beobachter in Buenos Aires führen dies auf eine schwache Binnennachfrage oder noch ausstehende Überwälzungseffekte zurück. Der nächste Inflationsbericht für Juli wird zeigen, ob der Abwärtstrend trotz saisonaler Effekte und des weiterhin angespannten sozialen Umfelds Bestand hat.
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