
Neue Daten beziffern die zivilen Opferzahlen in den Konflikten Myanmars und Nigerias
Während in Myanmar seit dem Putsch 2021 über 100.000 Menschen getötet wurden, dokumentiert ein Bericht für Nigeria 79.323 Todesopfer in sechs Jahren – und eine religiöse Dimension der Gewalt.
In Myanmar sind seit dem Militärputsch vom Februar 2021 nach Erhebungen der amerikanischen Nichtregierungsorganisation Acled (Armed Conflict Location and Event Data) mindestens 100.114 Menschen durch Kampfhandlungen getötet worden. Die Organisation, die konfliktbezogene Vorfälle auf Basis von Medienberichten erfasst, verzeichnete damit den höchsten Stand ziviler Opfer seit der Machtübernahme der Junta. Parallel dazu legte das Observatory for Religious Freedom in Africa (ORFA) eine Sechs-Jahres-Untersuchung vor, der zufolge in Nigeria zwischen 2020 und 2025 insgesamt 79.323 Personen bei terroristisch motivierter Gewalt ums Leben kamen und 34.773 Zivilisten entführt wurden. Beide Datensätze zeichnen das Bild zweier der opferreichsten Konflikte der Gegenwart.
Aus südostasiatischer Perspektive gilt der Bürgerkrieg in Myanmar, der nach dem Sturz der gewählten Regierung von Aung San Suu Kyi eskalierte, als der tödlichste aktive Konflikt Asiens. Die Junta und bewaffnete Widerstandsgruppen, darunter die Volksverteidigungskräfte (PDF) sowie ethnische Milizen, werden von den Vereinten Nationen und Amnesty International für schwere Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung verantwortlich gemacht. Laut Amnesty International stieg die Zahl der Luftangriffe 2025 um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr; über 3,5 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Die humanitäre Lage wird durch den Wegfall ausländischer Hilfsgelder, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, verschärft, was nach Angaben von Hilfsorganisationen zur Schließung von Krankenhäusern in Flüchtlingslagern und zu wachsender Ernährungsunsicherheit führt.
Für Nigeria zeichnet der ORFA-Bericht ein differenzierteres Bild der Gewaltdynamik, als es die internationale Wahrnehmung bisher nahelegt. Während die Dschihadistengruppen Boko Haram und der Islamische Staat in Westafrika (ISWAP) in der öffentlichen Debatte als Haupttreiber gelten, entfielen ihnen zufolge lediglich zwölf Prozent der zivilen Todesopfer auf diese Gruppierungen. 44 Prozent der getöteten Zivilisten – insgesamt 18.577 Personen – schreibt die Organisation bewaffneten Gruppen zu, die sie als „Fulani-Terrorgruppen“ klassifiziert, wobei sie ausdrücklich zwischen diesen Milizen und der ethnischen Gruppe der Fulani insgesamt unterscheidet. Aus nigerianischer Sicht unterstreicht der Bericht zudem eine religiöse Komponente: Christen wurden demnach in den betroffenen Bundesstaaten 4,4-mal häufiger getötet als Muslime, und christliche Geiseln sehen sich höheren Lösegeldforderungen sowie einem größeren Risiko von Hinrichtungen und sexualisierter Gewalt ausgesetzt.
Ungeachtet der anhaltenden Gewalt verweist der nigerianische Strafvollzugsdienst (NCoS) auf Fortschritte bei der Entlastung der überfüllten Haftanstalten. Mit Inkrafttreten des Nigerian Correctional Service Act 2019 wurden gemeinnützige Arbeit, Bewährung, Strafaussetzung und Programme zur restaurativen Justiz als Alternativen zur Inhaftierung eingeführt. Nach jüngsten Angaben des NCoS verbüßen derzeit 1.271 Straftäter landesweit solche nicht-freiheitsentziehenden Maßnahmen, darunter 1.038 Personen im gemeinnützigen Einsatz. Die Reform, die schrittweise in Bundesstaaten wie Lagos, Kano und Plateau umgesetzt wird, soll die Resozialisierung fördern und die chronische Überbelegung der Gefängnisse mildern. Beobachter in Abuja werten dies als einen Baustein einer umfassenderen Strategie zur Stabilisierung des Landes, während die Sicherheitslage in vielen Landesteilen prekär bleibt. Die vorgelegten Daten dürften in den kommenden Wochen Gegenstand von Debatten im UN-Menschenrechtsrat sowie in regionalen Sicherheitsgremien sein.
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In Myanmar sind seit dem Putsch von 2021 über 100.000 Menschen in einem zersplitterten Bürgerkrieg ums Leben gekommen. Der Konflikt hat sich in mehr als tausend bewaffnete Gruppen aufgespalten, mit massiven Übergriffen auf Zivilisten. Die Weltgemeinschaft wird aufgerufen, der sich verschärfenden humanitären Katastrophe entgegenzutreten.
Eine sechsjährige Untersuchung zeigt, dass in Nigeria zwischen 2020 und 2025 79.323 Menschen durch terrorismusbezogene Gewalt getötet und 34.773 entführt wurden. Der Bericht stellt das vereinfachende Etikett 'Boko Haram' infrage und argumentiert, dass die Welt die komplexe Gewalt des Landes falsch versteht. Er fordert ein differenzierteres Verständnis der religiösen und ethnischen Dimensionen.
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