
Sieg der Sozialistin Kiros in Colorado vertieft Richtungsstreit der US-Demokraten
Die 29-jährige Melat Kiros besiegte in der Vorwahl des 1. Kongressdistrikts die langjährige Abgeordnete Diana DeGette und setzt damit eine Serie linker Erfolge fort.
Die demokratische Sozialistin Melat Kiros hat in der parteiinternen Vorwahl für den ersten Kongressdistrikt Colorados die seit 1997 amtierende Abgeordnete Diana DeGette geschlagen. Nach übereinstimmenden Projektionen mehrerer US-Medien entfielen auf die 29-jährige Juristin rund 51 Prozent der Stimmen, auf DeGette etwa 42 Prozent. Der Wahlkreis umfasst das stark demokratisch geprägte Denver, weshalb Kiros mit hoher Wahrscheinlichkeit im November in das Repräsentantenhaus einziehen wird. Ihr Sieg ist der jüngste in einer Reihe von Vorwahlerfolgen des linken Parteiflügels, die in den vergangenen Wochen bereits in New York und Maine amtierende Mandatsträger verdrängt hatten.
Aus Sicht der progressiven Bewegung markiert der Ausgang eine Abkehr von einer als zu kompromissbereit wahrgenommenen Parteiführung. Kiros, die von Senator Bernie Sanders, den Democratic Socialists of America und der Organisation Justice Democrats unterstützt wurde, hatte DeGette vorgeworfen, trotz formal progressiver Positionen nicht mit der nötigen Dringlichkeit gegen die Trump-Regierung und für soziale Reformen zu kämpfen. Zentrales Mobilisierungsthema war die Nahostpolitik: Kiros fordert ein vollständiges Waffenembargo gegen Israel und bezeichnete den Krieg in Gaza als „moralische Frage unserer Zeit“. DeGette, die selbst für ein öffentliches Gesundheitssystem und die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE eintritt, befürwortet lediglich die Lieferung defensiver Rüstungsgüter an Israel. In Washingtoner Parteikreisen wird der Ausgang als Beleg für eine wachsende Entfremdung zwischen der Basis und langjährigen Amtsinhabern gewertet, die auch vor Mitgliedern des Congressional Progressive Caucus nicht haltmacht.
Die Ergebnisse der Vorwahlen in Colorado offenbaren ein gespaltenes Stimmungsbild. Während Kiros und im achten Distrikt der progressive Staatsparlamentarier Manny Rutinel siegreich waren, behauptete sich Senator John Hickenlooper deutlich gegen seine linke Herausforderin Julie Gonzales. In der Gouverneursvorwahl setzte sich Justizminister Phil Weiser gegen Senator Michael Bennet durch, wobei Weiser sich als entschlossener Gegner der Trump-Administration positionierte. Republikanische Strategen sehen in den Erfolgen der Parteilinken eine Gelegenheit, die Demokraten im Vorfeld der Zwischenwahlen als extremistisch darzustellen. Der Abgeordnete Gabe Evans, der im achten Distrikt gegen Rutinel antreten wird, bezeichnete diesen bereits als „radikalen Sozialisten“ und zog Parallelen zum New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani.
Für die Kontrolle des Repräsentantenhauses im Herbst sind vor allem Wechselwahlkreise wie der achte Distrikt Colorados entscheidend, den die Demokraten 2024 nur knapp verloren. Aus der Perspektive europäischer Hauptstädte ist bemerkenswert, dass mit Kiros eine Kandidatin nach Washington strebt, die das Existenzrecht Israels offen infrage stellt und die Terrorangriffe der Hamas vom 7. Oktober 2023 als „unvermeidliche Konsequenz der Apartheid“ bezeichnet hat. Sollte sie im November gewählt werden, dürfte sie gemeinsam mit Abgeordneten wie Alexandria Ocasio-Cortez und Rashida Tlaib den Druck auf eine restriktivere US-Nahostpolitik erhöhen. Die allgemeinen Wahlen finden am 3. November 2026 statt; bis dahin wird sich zeigen, ob die Mobilisierungskraft des progressiven Lagers auch in umkämpften Distrikten trägt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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The socialist victory in the Colorado primary marks a generational shift within the Democratic Party, but coverage is cautious: internal divisions and uncertainties for the general election are highlighted, without triumphalism.
The socialist victory in Colorado is celebrated as a sign of the left's resurgence in the Americas, a counterweight to neoliberal policies and an inspiration for Latin American popular movements.
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