
Nach Skandalen um Platner: Troy Jackson als demokratischer Senatskandidat in Maine nominiert
Der frühere Staatssenatspräsident tritt gegen die republikanische Amtsinhaberin Susan Collins an und soll den Sitz in einem für die Senatsmehrheit entscheidenden Rennen zurückerobern.
Am Samstag wählte eine Sonderversammlung der Demokratischen Partei in Maine den ehemaligen Staatssenatspräsidenten Troy Jackson mit 566 von 571 Stimmen zum neuen Kandidaten für die Senatswahl im November. Jackson tritt an die Stelle von Graham Platner, der seine Kandidatur vor zwei Wochen nach Vorwürfen sexueller Übergriffe niedergelegt hatte. Die Nominierung beendet eine Phase heftiger innerparteilicher Turbulenzen und eröffnet das entscheidende Duell gegen die republikanische Amtsinhaberin Susan Collins.
Jackson, ein 58-jähriger ehemaliger Holzfäller und langjähriger Berufspolitiker, knüpft programmatisch an die progressive, arbeiterfreundliche Bewegung an, die Platner aus der politischen Obskurität an die Schwelle des Senats getragen hatte. In seiner Ansprache vor den Delegierten in Bangor griff er Collins scharf an und beschuldigte sie, Präsident Donald Trump zu dienen, gegen dessen Politik sie sich nur unzureichend stelle. Aus Sicht der Demokraten in Maine soll Jackson vor allem in den ländlichen und einkommensschwachen Regionen punkten, in denen Collins traditionell stark abschneidet. Republikanische Strategen hingegen versuchen, Jackson als unberechenbar darzustellen; der führende republikanische Super-PAC bezeichnete ihn in einem Werbespot als „wie Graham Platner, nur schlimmer“ und verwies auf Berichte über angebliche Temperamentsausbrüche.
Der Wahlkampf in Maine gilt als eine von etwa einem Dutzend Schlüsselentscheidungen, die im November über die Mehrheit im US-Senat bestimmen werden. Den Demokraten fehlen vier Sitze, um die Kontrolle zu übernehmen. Maine wählte bei der Präsidentschaftswahl 2024 mehrheitlich die Demokratin Kamala Harris, und Collins ist die einzige republikanische Senatorin, die sich in einem Staat zur Wiederwahl stellt, den Trump verlor. Dennoch verfügt die Amtsinhaberin über erhebliche finanzielle Ressourcen und ein etabliertes überparteiliches Profil. Washingtoner Beobachter verweisen darauf, dass Jacksons frühere politische Positionen – er begann seine Laufbahn als Republikaner und stimmte 2009 gegen die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen – in der aufgeheizten Atmosphäre zum Angriffspunkt werden könnten. Demokratische Berater äußerten anonym Bedenken, die Partei habe nach der Vetting-Panne um Platner womöglich übereilt einen erneut unzureichend durchleuchteten Kandidaten aufgestellt.
Die formelle Einreichung der Kandidatur bei der Staatssekretärin ist für Montag vorgesehen. Bis zur Abstimmung am 3. November verbleiben Jackson 101 Tage, um seinen Wahlkampf zu organisieren und die Wählerbasis zu mobilisieren. Dass die Rivalen aus dem innerparteilichen Auswahlverfahren rasch zurückgezogen und Jackson unterstützt hatten, deutet laut lokalen Parteiaktiven auf einen geschlossenen Willen hin, Collins herauszufordern. Ob die Partei damit die Wähler jenseits der progressiven Kernklientel erreicht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
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