
Moskau rückt von Anchorage-Vereinbarungen ab und erklärt Sieg zum Ziel
Juri Uschakow, Berater Putins, erklärt die im Vorjahr mit den USA erzielten Verständigungen für gescheitert; Russland strebe nun die militärische Durchsetzung eigener Ziele an.
Der Kreml hat eine deutliche Abkehr von den im August 2025 bei einem Spitzentreffen in Anchorage mit den USA getroffenen Verständigungen zum Ukraine-Konflikt vollzogen. Präsidentenberater Juri Uschakow erklärte in einem Interview mit dem Staatsfernsehen, Russland warte nicht mehr auf die Umsetzung dieser Vereinbarungen, sondern auf „den Sieg“ und die „Realisierung unserer eigenen Ziele“. Die Äußerungen markieren einen scharfen rhetorischen Bruch mit der bisherigen Linie Moskaus, die monatelang auf einen diffusen „Geist von Anchorage“ verwiesen hatte, ohne konkrete Inhalte preiszugeben.
Aus Moskauer Sicht ist nur eine Seite – gemeint ist offenbar Washington – nicht in der Lage, ihren Teil der Abmachungen zu erfüllen. Uschakow zufolge halte Russland unverändert an seinen Prinzipien fest, während die andere Seite „nicht ganz imstande sei, ihren Weg zu gehen“. Anlass zu Optimismus gebe vielmehr die militärische Lage: Die russischen Streitkräfte rückten an der Front stetig vor, weshalb Beobachter in westlichen Hauptstädten die Aussagen als Anzeichen dafür werten, dass Moskau verstärkt auf eine militärische Lösung setzt. Bereits im Juni 2024 hatte Präsident Putin den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus den Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson zur Bedingung für eine Feuerpause gemacht – Forderungen, die in Kiew als Kapitulation zurückgewiesen wurden.
Die Anchorage-Gespräche zwischen Putin und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump am 15. August 2025 auf einer Militärbasis in Alaska hatten zunächst die Hoffnung auf eine diplomatische Wende genährt. Im Anschluss beschrieb Kremlsprecher Dmitri Peskow die Ergebnisse als ein „ganzes Bündel von Verständigungen“. Deren konkreter Inhalt blieb jedoch stets vage. Informierte Kreise in Brüssel und Washington vermuteten hinter verschlossenen Türen ein informelles Einvernehmen über eine faktische Einfrierung des Konflikts bei gleichzeitiger Anerkennung des Donbass als russisch kontrolliertes Gebiet – ein Szenario, das die Ukraine stets abgelehnt hat. Trump selbst bestritt derartige Festlegungen und unterstützte später öffentlich die fortgesetzte Unterstützung Kiews.
Seit Jahresbeginn 2026 hat sich der Ton aus Moskau zunehmend verhärtet. Außenminister Sergei Lawrow sprach im Februar davon, der „Geist von Anchorage verflüchtige sich“. Beobachter in europäischen Außenministerien sehen darin eine strategische Anpassung an die stockenden Vermittlungsbemühungen: Da weder die USA noch die Nato-Verbündeten bereit sind, ukrainische Territorialverzichte zu erzwingen, setzt Russland auf die Fortsetzung des Krieges. Damit stehen die jüngsten Aussagen Uschakows für eine endgültige Abkehr von der Anchorage-Roadmap. Offene Kanäle für substanzielle Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew existieren derzeit nicht; die Front verharrt in einem zermürbenden Stellungskampf, während die diplomatischen Bemühungen der G7 und der Türkei bislang ohne greifbare Fortschritte bleiben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Russische Staatsmedien stellen Uschakows Äußerungen als Beleg für Moskaus Entschlossenheit dar, den Sieg zu erringen, und tun die Vereinbarungen von Anchorage als irrelevant ab, da angeblich nur eine Seite sie eingehalten habe. Sie unterstreichen das russische Selbstvertrauen, verweisen auf stetige Frontgewinne und den Irrglauben des Westens, Russland könne besiegt werden.
Die kontinentaleuropäische Presse stellt Uschakows Äußerungen in den Zusammenhang schwerer gegenseitiger Angriffe und Opfer und wertet sie als weiteren Rückschlag für diplomatische Bemühungen. Sie hinterfragt die Substanz der nie präzisierten Vereinbarungen von Anchorage und sieht in der russischen Haltung eine Abkehr von Verhandlungen.
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